Vom Regisseur von „Verblendung“

"Dead Man Down": Actionthriller mit Gefühl

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Zwei verwundete Charaktere, die unrettbar verloren scheinen: Victor (Colin Farrell) und Beatrice (Noomi Rapace).

Los Angeles - Nach der erfolgreichen Verfilmung von "Verblendung" bringt der dänische Regisseur Niels Arden Oplev mit dem Actionthriller "Dead Man Down" seine erste US-Produktion in die Kinos.

Einsam vegetiert der wortkarge Witwer Victor ( Colin Farrell ) in einer Wohnwabe vor sich hin. Er arbeitet als Handlanger für den gnadenlosen Unterweltboss Alphonse ( Terrence Howard ), der wegen einer Serie von Drohbriefen massive Angst vor seiner Ermordung hat und dem Victor bei einer Schießerei in letzter Sekunde das Leben rettet. Da knallt Beatrice ( Noomi Rapace ) in Victors düsteres Dasein: eine mysteriöse Schönheit, geprägt durch Narben im Gesicht und auf der Seele. Beim romantischen Rendezvous im Restaurant zeigt sich dann schnell, dass Beatrice gar keinen Freund sucht, sondern einen Killer: Sie hat Victor bei einem Mord beobachtet und gefilmt – und nun verlangt sie von ihm, dass er sich an dem Mann rächt, der einst ihr Leben ruiniert hat. Sie ahnt nicht, dass auch Victor insgeheim finstere, riskante Rachepläne schmiedet.

Packendes Kammerspiel vom Regisseur von "Verblendung"

Nach seiner grandiosen Stieg-Larsson-Adaption „Verblendung“ präsentiert Regisseur Niels Arden Oplev mit „Dead Man Down“ eine optisch beeindruckende Neo-Noir-Melange aus ambitioniertem Actionthriller, schwermütigem Schwedenkrimi und originellem Liebesmelodram. Das Drehbuch von J. H. Wyman mogelt sich über Ungereimtheiten hinweg und drückt sich vor moralischen Fragen zum Thema „Vergeltung“, punktet aber mit einigen überraschenden Wendungen. Abgesehen vom arg actionlastigen, konventionellen Krawumm-Finale nutzt Oplev die Vorlage für ein packendes, atmosphärisch präzise ausbalanciertes Kammerspiel. Er bietet eine Fülle von brillant komponierten Bildern und versteht es, mit wenigen Worten und vielsagenden Blicken Spannung zu erzeugen. Mutig mischt er Gefühl und Gewalt, verzichtet dabei nicht auf die nötige Härte, nimmt sich aber auch viel Zeit für die Feinzeichnung seiner Hauptfiguren: zwei an Leib und Seele verwundete Charaktere, die unrettbar verloren scheinen, sich aber möglicherweise gegenseitig Halt geben und auf pechschwarzen Pfaden ins Licht führen können.

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Colin Farrell , zuletzt in „7 Psychos“ zu sehen, gibt diesmal einen sensiblen, verletzlichen, von Melancholie umwehten Killer. Die umwerfende Noomi Rapace , berühmt geworden als Lisbeth Salander in der ersten Verfilmung der „Millennium“-Trilogie, darf hier zur Abwechslung ihre zarte, weibliche Seite ausspielen, verkörpert aber auch Beatrices Wut, Hass und Zynismus mit furioser Intensität.

Daneben überzeugt Terrence Howard („Hustle & Flow“) mit einer differenzierten Darstellung des skrupellosen, ebenso Furcht einflößenden wie Furcht empfindenden Gentleman-Gangsters Alphonse. Oscar-Preisträger F. Murray Abraham („Amadeus“) als Victors väterlicher Freund und die französische Schauspiel-Ikone Isabelle Huppert („Die Klavierspielerin“) als Beatrices schwerhörige Mutter wirken hingegen in ihren undankbaren Mini-Rollen reichlich deplatziert.

von Marco Schmidt

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