"Der Bankraub"-Drehbuchautor Martin Rauhaus: „Bankenkrise war eine Warnung“

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Wird zu immer riskanteren Geldgeschäften überredet: Werner Kreye (Joachim Król, links) und sein Anlageberater Harald Mertens (Godehard Giese).  

Der Titel „Der Bankraub" ist ein Wortspiel. Denn in dem Drama wird keine Bank ausgeraubt, sondern Banken rauben aus. Das ZDF zeigt den Film am Montag ab 20.15 Uhr.

Das Drama beginnt aber mit einem Mordanschlag: Werner Kreye (Joachim Król) versucht 2008, den Vorstand seiner Bank zu töten. Dann springt der Film zurück ins Jahr 2005, vor den Beginn der Finanzkrise. Wir haben uns mit Drehbuchautor Martin Rauhaus über die Krise, Gier und Bankenberatung unterhalten.

Sind Banker Räuber?

Martin Rauhaus: So generell würde ich das nicht sagen. Aber ein paar waren es in der Zeit um 2005/06 schon und ich würde garantieren, dass es heute auch noch ein paar sind. Das war die Zeit, in der altgediente und vermutlich relativ ehrbare deutsche Banker von einer Art Trance ergriffen wurden. Sie meinten, sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt engagieren zu müssen. Dann kamen die nicht so ehrbaren Banker. Banker, die große Risiken eingegangen sind und die Leute bewusst in Risiken getrieben haben. Unter denen waren sehr viele Räuber.

Warum gehen Menschen diese Risiken ein?

Rauhaus: Damals gab es einfach eine Menge Leute, die in sehr kurzer Zeit unglaublich viel Geld machen wollten. Es war auch eine ganz besondere Stimmung. Das war eine Zeit, in der Menschen wie der Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann eine Kapitalrendite von 25 Prozent versprochen haben und das auch als Marschrichtung an seine Mitarbeiter weitergegeben haben. Diesen Druck, den gibt es so heute nicht mehr. Es war wie vor der Jahrtausendwende die Dotcom-Blase. Das Gedächtnis der Leute war aber nicht sehr lang.

Am Ende des Films deutet sich ja an: Die Finanzkrise gibt es eigentlich noch immer. Nur scheint das vergessen zu werden. Wie gefährlich ist das?

Rauhaus: Es gibt Leute, die sagen, es ist wahnsinnig gefährlich. Eine These ist die von „The Everything Bubble“. Die besagt, dass so ziemlich sämtliche Kapitalmärkte, also Aktien und Anleihen, aber auch Kunst und Wein, unfassbar überbewertet sind. Und zwar, weil das ganze billige Geld, das seit 2008 von den Zentralbanken kommt, irgendwo hingegangen ist und deshalb jetzt alles total überteuert ist. Es gibt einige Wirtschaftswissenschaftler, die sagen, dass die Zeit bis eine oder mehrere dieser Blasen platzen, begrenzt ist. Aber auch da gibt es Gegenpositionen. Das ist eine Frage für studierte Ökonomen. Es ist aber auch eine Glaubenssache.

Und genau das sieht man ja auch im Film. Ist der also eine Art Warnung?

Rauhaus: Wenn die Verantwortlichen das ernst nehmen, schon. Allerdings war auch die Bankenkrise selbst schon eine Warnung. Da wurde gesagt, man muss was tun, Banken und ihre Vorgehensweisen müssen reguliert werden. Aber das ist a) kaum passiert, b) wird es kaum überprüft und c) wird die Bank, die damit anfängt, ihre Geschäfte weniger riskant zu gestalten, abgehängt. Das ist eine innere Logik des Systems.

Was ist denn mit der Politik?

Rauhaus: Ich glaube auch nicht, dass sich da realpolitisch viel verändern wird oder, dass die Politik da überhaupt viel verändern kann. Denken Sie an 2008/09 als es um die Hyporealestate und Commerzbank ging und auch an die Eurokrise. Bei den Verhandlungen gibt es ein Ungleichgewicht. Da haben die führenden deutschen Banker verhandelt mit Leuten vom Finanzministerium. So ein Finanzbeamter verdient vielleicht ein Hundertstel oder Tausendstel von dem was ein Banker verdient. Die Banker sind so was von schneller, besser, klüger, dass man da politisch nicht so wahnsinnig viel machen kann.

Die Politik kann nicht viel machen, die Banken wollen nicht viel machen. Was wünschen Sie sich denn, was der Zuschauer mitnimmt?

Rauhaus: Der Film soll ihm einen Einblick geben in eine andere Welt, die doch Wirklichkeit war und teilweise noch ist. Er soll vermitteln, in welchem Verhältnis Staat und Banken stehen. Auf einer ganz praktischen Ebene ist es eine Warnung vor Bankberatung. Die ist in Deutschland weiter mit Vorsicht zu genießen. Stiftung Warentest überprüfte bis vor einigen Monaten die Umsetzung neuer Beratungsregularien. Das wurde abgeschafft, weil sie gesehen haben, es bringt so nichts. Wenn es um Bankgeschäfte geht, sollte man wirklich dreimal nachdenken und mit anderen drüber reden. Es ist auch eine Bemerkung darüber, wie korrumpierbar Menschen sind.

Es geht im Film viel um Zahlen und abstrakte Konzepte. Wie wichtig ist es denn, dieses Thema in die persönliche Geschichte einzubinden?

Rauhaus: Um es dem Zuschauer nahe zu bringen, ist das wahnsinnig wichtig. Viele steigen schon aus, wenn sie Finanzkrise hören. Es ist ein Riesenproblem die Zusammenhänge und Begriffe verständlich zu machen und sie bei der Stange zu halte, wenn man nicht eine ganz einfache menschliche Ebene mit einbezieht.

Werner Kreye läuft im Film Amok. Die Medien stilisieren ihn fast als Helden. Können Sie seine Tat nachvollziehen?

Rauhaus: Nachvollziehen nicht, verstehen aber schon. Besonders in der konkreten Lebenssituation. Der Mann ist total über den Tisch gezogen worden, mittelbar daraus folgend stirbt seine Frau, der Sohn ist ganz woanders, die Familie zerbrochen. Ich kann schon verstehen, dass so jemand etwas Wahnsinniges macht.

Sie selbst sind ja kein Wirtschaftswissenschaftler, oder?

Martin Rauhaus

Rauhaus: Nein. Aber mich interessiert Wirtschaft. Ich lese wirklich Wirtschaftswoche, Managermagazin, Handelsblatt regelmäßig. Ich habe auch viele Bücher gelesen wie die von Michael Lewis. Ich finde, die Bankenwelt ist so eine Art Krimiwelt. Irgendwie faszinierend und schwer zu verstehen. Das Drehbuch haben zwei Finanzexperten gegengelesen. Und vor dem Dreh gab es dann viele Gespräche mit Anwälten und Rechtsabteilungen. Da ging es eher darum, sich abzusichern, ob und welche Namen man nennen darf. Wir haben wochenlang diskutiert: Darf da Lehman Brothers stehen oder könnte der Konkursverwalter von denen den Film stoppen, wenn wir das machen?

Wie haben Sie selbst Ihr Geld denn investiert? 

Rauhaus: Wahnsinnig konservativ. Bisschen Sparbuch, bisschen Lebensversicherung, bisschen angelegt - aber alles ganz vorsichtig.

Zur Person

Martin Rauhaus wurde 1958 in Iserlohn geboren. Bevor er Drehbuchautor wurde, arbeitete er als Aufnahmeleiter und Regieassistent. Sein bisher größter Erfolg war „Die Luftbrücke“ (2005). Zuletzt war von ihm „Die Eisläuferin“ in der ARD zu sehen. Rauhaus hat eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau in Berlin.

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