Schwache Quoten

Pro & Contra: Sollte RTL das Dschungelcamp beenden?

Das Dschungelcamp schwächelt. Die Quoten sind niedriger als früher. Mittwochabend schalteten zwar immerhin 5,91 Millionen (25,6 Prozent) ein. Trotzdem: Hat sich das RTL-Format überlebt? Unsere Kultur-Redakteure debattieren.

Ja, das Camp ist unerträglich (Mark Christian von Busse)

Mark-Christian von Busse (49) langweilt sich und findet: Es reicht.

Es passt zu dieser mauen Dschungel-Saison, dass am Lagerfeuer gestritten wird, wer wie lange schläft oder sich – Wow! – immerhin auf der Liege räkelt. Mit einem Zigarettenentzug wollten die RTL-Strippenzieher die lahme Truppe wenigstens ein bisschen in Wallung bringen. Solche Ödnis wie 2018 herrschte in den zuvor elf Staffeln nie. Das liegt nicht nur daran, dass den Zuschauern die allermeisten Kandidaten völlig unbekannt sein dürften. Dschungel-Legenden wie Sarah „Dingens“ Knappik und Larissa Marolt waren vor ihrem Flug nach Australien auch kein Begriff.

Bisher aber waren meist Stars (oder auch „Stars“) dabei, denen man fasziniert zusah, Paradiesvögel, Provokateure, Promis und Prolls, die das Publikum spalteten. Erinnert sei an Rainer Langhans, Désirée Nick, Olivia Jones. Es gab schlicht mehr „Kassalla“, wie es Fußballer Thorsten Legat so einmalig auf den Punkt brachte. Diesmal hat mit Giuliana Farfalla die einzig interessante Teilnehmerin das Camp auch noch früh freiwillig verlassen. Schockschwerenot bei RTL! 

Die unerträgliche Langeweile liegt nicht nur an den fehlenden echten Typen. Der Sender betreibt bei den Prüfungen teils irrwitzigen Aufwand, dramaturgisch jedoch passiert nichts Neues. Sämtliche Ekelschwellen sind überwunden, die Mechanismen der Sendung längst durchschaubar. Das Format hat sich überlebt. Im Grunde bleibt inzwischen nur eins: Macht das Dschungelcamp dicht!

Nein, das Camp ist unberechenbar (Werner Fritsch)

Werner Fritsch (61) sieht das Dschungelcamp noch nicht am Ende.

Würden „Tatort“-Fans die Krimi-Reihe nach ein oder zwei schwachen Folgen abschreiben? Zugegeben, in diesem Jahr bieten die Bewohner des RTL-Dschungels wenig Spannendes, was auch an der Auswahl der Kandidaten liegt, die fast alle lügen müssen, wenn sie den Satz aussprechen „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Obwohl: So traurig-elegant und völlig unpathetisch wie das Transgender-Model Giuliana Farfalla hat noch nie zuvor ein Dschungel-Teilnehmer den Mitcampern seinen vorzeitigen Abgang verkündet. Der weiße Fächer, den sie sich vors Gesicht hielt, um ihre Tränen zu verbergen, ist ein Bild, das man nicht sogleich vergisst.

Natürlich sind alle denkbaren Ekel-Menüs im Dschungel schon mehrfach gegessen worden, und alles was beißt, kratzt und juckt ist auch schon in früheren Staffeln auf die Teilnehmer losgelassen worden. Doch das ist nur die vertraute Dschungelcamp-Kulisse. Was den Reiz ausmacht, ist, wenn Kandidaten an ihre Grenzen geführt werden, wenn ihr vor sich hergetragenes Image Risse bekommt, wenn die ungeschminkte Persönlichkeit zum Vorschein kommt. Das ist je nach Teilnehmer mal mehr, mal weniger unterhaltsam – aber es geschieht doch mit einiger Zuverlässigkeit. Und dann gibt es ja noch das Moderatoren-Duo, das die Hänger mit originellen Einfällen überbrückt. Fazit: Der Dschungel bleibt unberechenbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.