Publikum ohne Gnade - die vorläufige Bilanz

Dschungelcamp: Evelyn und die Alphamänner machen IBES wieder zum Ereignis

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Muss sich ein fast 75-Jähriger das antun? Der stets freundliche und positive Sänger Peter Orloff bei einer Dschungelprüfung mit grünen Ameisen in der Halskrause.

In den vergangenen Jahren wurde das Dschungelcamp von RTL immer langweiliger. Doch die neue Staffel ist wieder ein Ereignis - dank Evelyn Burdecki und ewiggestrigen Männern. Eine erste Bilanz.

„Das ist ja wie im Fernsehen“, freute sich Tommi Piper, bekannt als Stimme von „Alf“, auf seinem Beobachtungsposten, der Liege im Dschungelcamp. Ja, sogar besser als Fernsehen, „weil’s live ist“.

Was inszeniert ist, was echt, das ist die spannende Frage, die Fans von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ auch in der 13., sehenswerten Staffel beschäftigt. Tommi, fast 78 Jahre alt, erlebt das Finale am Samstag im Hotel. Das Alter ehren? Nicht die Devise der RTL-Zuschauer, die den unterhaltsamen Camp-Senior früh rausgewählt haben. Wie sieht die Bilanz aus? Sieben Thesen.

1. Das Publikum kennt keine Gnade. Die Zuschauer wählten die am wenigsten leidensfähigste Kandidatin in die Dschungelprüfungen, um sich an deren Versagen zu ergötzen. Kein neues Phänomen, ergab aber den Rekord von neun Prüfungen für „Topmodel“-Kandidatin Giselle Oppermann. Sobald ihre Heulsusen-Rolle ausgespielt war – in Woche zwei bestimmen die Teilnehmer die Prüflinge selbst –, flog sie raus.

2. Die Prüfungen sind Nebensache. RTL hat einen Wahnsinnsaufwand betrieben, um nach der lahmen Vorjahresstaffel Pep ins Camp zu bringen. Dabei hat sich der Reiz der Prüfungen (etwa bei Peter Orloff) erschöpft, es ist die Gruppendynamik unter den schrägen Trash-TV-Typen, die einen am Bildschirm kleben lässt.

3. Das Dschungelcamp ist ein Spiel. Die Kandidaten wissen, dass sie „liefern“ müssen, um aufzufallen und Sendezeit zu bekommen. Eine Strategie: Streit. Wie fantasievoll („Spacko-Lacko“) „Currywurstmann“ Chris Töpperwien und der angebliche Millionär Bastian Yotta sich hinterrücks beschimpften! In der „Schatzsuche“ zusammengespannt, begruben sie das Kriegsbeil. Reden hilft!

4. Das Dschungelcamp ist kein Spiel. Frei nach Shakespeare: Das ganze Camp ist eine Bühne. Manchmal scheinen die Spieler selbst nicht zu wissen, ob sie Kunstfigur („Yotta“) oder echt („Bastian“) sind. Fassaden fallen ab, wenn Egoismus und Selbstüberschätzung zutage treten. Manchmal schimmert Tragik durch: Sibylle Rauch erzählte vom Pornofilmgeschäft, hatte richtig Angst vor dem „Donnerwetter“ ihres Managers, Tommi berichtete von seiner suchtkranken Frau.

5. Es wirkt wie der Versuch einer Therapie. Es geht ums Honorar, klar, aber auch um Selbstbestätigung. „Ihr seid wirklich meine Familie“, so Schauspielerin Doreen Dietel. Psychologen, aufgemerkt: Ständig kommen Eltern ins Spiel. Harmlos, wenn „Bachelor“-Kandidatin Evelyn „auf die schlesische Wurst“ ihrer Mutter schwört. Schlimm, wenn Yotta unter Tränen von systematischer Prügel durch den Vater berichtet. Der starke Currywurstmann fürchtet sich, die Versöhnung mit Yotta der Mama zu beichten.

6. Es ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Tommis sexistische Sprüche – an ihm ist die #metoo-Debatte spurlos vorbeigegangen; die größte Gemeinheit für Chris, dass er nämlich für schwul gehalten werden könnte; das permanente Coaching und Selbstoptimieren, ob durch Möchtegern-Motivationsguru Yotta oder plastische Chirurgie – das Dschungelcamp verrät viel über gesellschaftliche Realitäten.

7. Authentizität siegt.„Sprechen ist Gold“, weiß die klare Favoritin: Evelyn. Obwohl sich halb Deutschland über ihre niedliche Naivität amüsiert, dürfte ihr die Dschungelkrone gewiss sein.

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