„Die Eiserne Lady“: Meryl Streep in ihrer Oscar-Rolle

+
Unter Männern: Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher erkämpfte sich ihren Platz in der Männerdomäne Politik. Meryl Streep bringt in „Die Eiserne Lady“ Körpersprache und Duktus der Politikerin eindrucksvoll auf die Leinwand.

Berlin - Meryl Streeps Leistung als Margaret Thatcher in „Die Eiserne Lady“ wurde gerade zu Recht mit einem Oscar gekrönt. Sehen Sie hier den Kino-Trailer und die Filmkritik:

Mehr als viele andere Filme verlangt dieser nach dem autonomen Zuschauer. Denn Regisseurin Phyllida Lloyd wählte für „Die Eiserne Lady“ nicht den einfachen Weg. Sie zeigt Margaret Thatcher, die erste weibliche Regierungschefin Europas, eben nicht als erbarmungsloses Biest, das sie in der Wahrnehmung vieler Menschen bis heute ist. Dabei wäre das so einfach gewesen: Thatcher, die von 1979 bis 1990 britische Premierministerin war, gilt als diejenige, die die soziale Kälte ins Vereinigte Königreich gebracht hat, die die Gewerkschaften marginalisierte und durch Privatisierungen das soziale Netz allzu weitmaschig werden ließ. Natürlich thematisiert Lloyd all das in ihrem Film. Doch überlässt sie das Urteil dem Zuschauer. Antworten gibt dieses dicht erzählte und packende Biopic kaum – regt aber zum Nachfragen an.

Oscars 2012 - Bilder der Filmnacht des Jahres

Das Werk des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius "The Artist" war der große Gewinner der Oscar-Nacht © AP
Tom Cruise übergab den Oscar an Thomas Langmann, den Produzenten von "The Artist" © AP
Produzent Thomas Langmann (links) und  Regisseur Michel Hazanavicius (rechts) mit der Besetzung von "The Artist" © AP
Jean Dujardin, der Hauptdarsteller von "The Artist". © AP
Der 39-Jährige gewann als erster Franzose überhaupt den Oscar als bester Schauspieler. © AP
“Wow, das ist genial, merci, formidable!“, bedankte er sich für die Auszeichnung. © AP
Insgesamt vergab die amerikanische Filmkunst-Akademie fünf Preise an die Geschichte über einen Stummfilmstar, der an der Einführung des Tonfilms scheitert. © AP
Es ist 83 Jahre her, dass zuletzt ein Stummfilm mit dem Haupt-Oscar prämiert wurde. © AP
Jean Dujardin lässt sich von "Uggie" gratulieren © AP
Auch der Hund aus "The Artist" ist schon ein Star © AP
Der französiche Schauspieler herzt seinen tierischen Flimkollegen © AP
Jean Dujardin küsst zum Glück von Alexandra Lammy aber nicht nur Hunde © AP
Meryl Streep triumphierte als beste Hauptdarstellerin. Die 62-jährige US-Amerikanerin gewann den Oscar für ihre Rolle in dem Film “Die Eiserne Lady“. © AP
Eine andere Bestmarke setzte der Kanadier Christopher Plummer. © AP
Mit 82 Jahren nahm er die Trophäe als bester Nebendarsteller in “Beginners“ entgegen und ist damit der bisher älteste Gewinner in dieser Kategorie. © AP
Beste Nebendarstellerin wurde die 39 Jahre alte Octavia Spencer für ihre Leistung in dem Rassendrama “The Help“. © AP
Bret McKenzie gewann den Oscar für den besten Original-Song für den Film "Man or Muppet" © AP
Bret McKenzie jongliert mit seinem Goldjungen © AP
Natalie Portman präsentierte die Nominierten auf der Oscar-Nacht © AP
Die Schauspielerin gewann im vergangenen Jahr selbst einen Oscar für ihre Rolle in "Black Swan" gewonnen hatte © AP

„Die Eiserne Lady“ erzählt Thatchers Aufstieg in der Politik in Rückblenden. Ausgangspunkt ist die Alzheimer-kranke Ex-Politikerin, die sich ins Private zurückgezogen hat, Gespräche mit ihrem längst verstorbenen Mann führt. In einer starken Szene gleich zu Beginn gelingt es Thatcher, ihrem Pflegepersonal zu entwischen, um im Supermarkt Milch zu kaufen. Wie empört sich die alte Frau über den Preis! Vielleicht erinnert sich der Zuschauer bereits hier an Thatchers Spitznamen „Milchdiebin“, als sie in den Siebzigern, als Bildungsministerin, die Gratismilch der britischen Schulkinder strich. Solche Querverweise machen den Reiz dieses klugen Films aus.

Wirklich beeindruckt „Die Eiserne Lady“ aber dank der wunderbaren Meryl Streep, die Thatcher von dem Moment an spielt, als diese Abgeordnete wurde. Körpersprache, Gestik, Mimik und Sprechduktus sind bei ihr schier unglaublich wahrhaftig. Streep hat die Politikerin exakt studiert und zum Leinwand-Leben erweckt. Kein Wunder, dass sie für diese Leistung gerade den Oscar als beste Schauspielerin gewonnen hat.

Oscar-Verleihung: Die schönsten Kleider

Die Gewinnerin des Abends: Meryl Streep. Mit ihrer Robe machte sie allerdings dem "Goldjungen" Konkurrenz. © dapd
Denn auch sie hatte sich in Gold gehüllt - passend zu ihrer Trophäe. © dapd
Zu diesem Outfit von Jennifer Lopez bleibt nur eins zu sagen: © dapd
Wow © dpa
Der Schauspielerin ist es mit dieser Robe gelungen, sexy und elegant zugleich zu wirken © dpa
Allerdings ist die Frage, ob dem Designer der Stoff ausging, ausgerechnet an den Oberarmen. © dpa
Vielleicht dienen diese Arm-Ausschnitte auch der Bewegungsfreiheit © dapd
Die Rückansicht entschädigt allerdings für einiges © dpa
Mit Kollegin Cameron Diaz ist diese Perspektive gleich noch mal so schön © dpa
Irgendwie wirkt Schauspielerin Natalie Portman neben Jean Dujardin ein wenig wie Rotkäppchen, das gerade den bösen Wolf getroffen hat © dpa
Stilsicher wie immer: Glenn Close © dpa
Angelina Jolie hat sich einfach einen schwarzen Vorhang umgebunden und einen Schlitz für ihr Bein freigelassen © 
Was trägt Wendi Murdoch (links) denn da am Hals? Gehört das noch zum Kleid, oder handelt es sich um ein riesiges Schmuckstück? Bingbing Li setzt dagegen auf ein klassisches Outfit und ist damit im Kontrast eine wahre Wohltat für das Auge. © dapd
Bei dem Kleid von Sherri Shepherd weiß man gar nicht, wo man beginnen soll. Villeicht bei der Farbe, oder doch dem Ausschnitt, der eher verwirrt.   © dapd
Sandra Bullock wirkt so eher konservativ © dpa
Von dieser Seite eher nicht © dpa
Zu lange sollte man nicht auf das Kleid von Octavia Spencer schauen. Dann fangen die silbernen Linien an, sich zu bewegen © dpa
Es sieht so aus, als konnte sich Schauspielerin Missi Pyle nicht so ganz entscheiden zwischen zwei türkisen Kleidern - und hat sie einfach zusammen geschneidert.  © dpa
Jean Dujardin kam wie die meisten Männer im Anzug - doch Uggie gibt dem Outfit die besondere Note © dapd
Dieser Eleganz kann niemand wiederstehen: Uggie war der Gewinner des Abends © dapd
 © 

Streep braucht nicht viel, um den Charakter dieser Frau fassbar zu machen: Da wird Thatcher von ihrem Arzt gefragt, wie sie sich fühle. Sie faucht: „Fragen Sie mich nicht, wie ich mich fühle. Fragen Sie, was ich denke.“ In einer anderen Szene beugt sich eine junge Frau voller Bewunderung und Respekt zur alten Thatcher und sagt: „Sie sind ein Vorbild für meine Generation.“ Doch statt sich zu freuen, stößt die Ex-Politikerin die Junge vor den Kopf, als sie resigniert antwortet: „Heute geht es darum, etwas zu sein. Uns ging es darum zu arbeiten.“ Drehbuchautorin Abi Morgan hat einige derart prägnante Sätze gefunden, die mit wenigen Worten viel über Thatcher verraten. Meryl Streep hat diese Vorlagen genutzt und großartig umgesetzt. So ist der Zuschauer in der Lage, sich selbst ein Urteil über Thatcher zu bilden. Dieser Film zwingt ihm keines auf. Ein Glück.

Michael Schleicher

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.