Clip nach Shitstorm verändert

EM-Spot: ZDF bügelt Sexismus-Panne aus

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Ein bügelnder Mann mit nacktem Oberkörper ist neu in dem ZDF-Werbespot für die Frauenfußball-EM.

Mainz - Wegen der großen Empörung über seinen Werbespot zur Frauenfußball-EM hat das ZDF den Clip verändert: Von einer kleinen Einfügung erhofft sich der Sender eine große Wirkung. 

Es war doch nur lustig gemeint: Wie berichtet hat ein Werbespot, der auf die Übertragung der Spiele der Frauenfußball-EM aufmerksam machen soll, auf den sozialen Netzwerken Spott und Häme ausgelöst. In dem etwa 20 Sekunden langen Film versenkt eine Frau im Dress der Nationalelf einen verschmutzten Ball mit großem Geschick in die Trommel einer Waschmaschine einer Waschküche. Während die Spielerin auf der Maschine sitzt, wird der Ball gewaschen. 

Sehen Sie hier den alten Werbespot

Das Spiel mit dem Rollen-Klischee fanden viele gar nicht witzig, ein digitaler Aufschrei erklang, der wie ein Nachtrag auf die kürzlich heftig ausgetragene Chauvinismus-Debatte wirkte. Auf die für ihn ungewohnte Welle der Kritik hat der Mainzer Sender jetzt reagiert.

Die größten Shitstorms

Nestlé: Für großes Aufsehen sorgte ein Shitstorm im Jahr 2010, dessen Triebfeder die Umweltschutz-Organisation Greenpeace war. Greenpeace kritisierte die Verwendung großer Mengen von Palmöl bei der Produktion von Nestlés KitKat. Die Lebensräume von Orang-Utans würden dadurch zerstört. Angestossen wurde das Ganze mittels einer Social-Media-Kampagne mit schockierenden YouTube-Videos. Diese verbreiteten sich rasend schnell. Nestlé wollte daraufhin das Video verbieten, indem gewisse Fanseiten abgeschaltet wurden. So wollte man der Diskussion entkommen. Das genaue Gegenteil passierte. Die Aufmerksamkeit nahm sogar noch zu und das Video verbreitete sich noch schneller im Netz. © dpa
O2: 2011 beschwerte sich ein Blogger wegen Netzproblemen bei dem Mobilfunkanbieter. Als Antwort bekam er, dass es sich dabei lediglich um einen Einzelfall handele. Im Anschluss startete der Shitstorm in Form der Aktion: „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gab zu, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handele und versprach, sein Netz auszubauen. © dpa
Schlecker: Auch die insolvente Drogeriemarktkette wurde bereits mit einem Shitstorm konfrontiert, nachdem sie 2011 einen neuen Werbeslogan etablieren wollte. For You. Vor Ort – hieß der Slogan, der eine besondere Nähe zum Kunden herausstellen sollte. Der Shitstorm brach los, als ein Unternehmenssprecher ungeschickt auf Kritik reagierte. Er sagte, dass das Motto den durchschnittlichen Schlecker-Kunden anspreche. Und zwar Menschen mit niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau. Empörte Reaktionen waren die Folge. © dpa
ING-DiBa: Auslöser war ein weithin bekannter Werbespot mit Basketball-Star Dirk Nowitzky. In einem seiner Reklamefilmen verputzte der Würzburger in einer Metzgerei eine Scheibe Wurst: Ein absoluter Skandal für viele Vegetarier und Veganer. Also lösten sie 2011 einen Shitstorm aus, indem Sie die Facebook-Seite der Bank mit zahllosen kritischen Posts zum Fleischkonsum überfluteten. Besonders interessant an diesem Shitstorm: Viele Kunden solidarisierten sich mit der ING-DiBa und kritisierten den aggressiven Ton und anmaßende Kommentare der Provokateure. In der Folge drehte der Shitstorm und entlud sich auf dem Erzeuger. © dpa
Deutsche Bahn: Das Unternehmen erlebte ebenfalls die Macht der Internet Community, als sie im Herbst 2010 ein Chef-Ticket für 25 Euro anbot, mit dem man durch ganz Europa reisen konnte. Verkauft wurden die Fahrkarten über eine Facebook-Seite. Was die Bahn nicht bedacht hatte: Die Besucher des Profils nutzten die Plattform nicht nur zum Kauf des Tickets, sondern auch, um ihren Ärger über verspätete Züge, defekte Technik oder Stuttgart 21 Luft kundzutun. Der Fehler der Bahn im Umgang mit der Entrüstung: Während des Shitstorms fehlte es an jeglicher professionellen Moderation und Mediation. Für die Deutsche Bahn war die Geschichte ein riesiges PR-Debakel. © dpa
Instagram: Neue Nutzungsbestimmungen, mit denen die Kunden des Online-Fotodienstes Instagram nicht einverstanden waren, brachten dem Unternehmen im Dezember 2012 einen Image-Schaden und einen Shitstorm ein, der sich gewaschen hatte. Instagram wollte ungefragt Bilder von Nutzern ohne Honorar verkaufen. Die Konsequenz: Ein Sturm der Entrüstung. Am Ende lenkte Instagram ein. © dpa
Vodafone: Macht hat im Internet auch der Einzelne. Eine Kundin löste im vergangenen August einen Shitstorm aus und trieb so einem Weltkonzern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Frau war vom Vodafone-Kundenservice enttäuscht und tat dies auf der Facebook-Seite des Unternehmens kund. Innerhalb kürzester Zeit klickten über 100.000 Nutzer „gefällt mir“ und berichteten ihrerseits von Problemen mit dem Mobilfunkanbieter. © dpa
Tagesschau: Zu den Protesten gegen die Sparpolitik in Spanien im September 2012 berichtete die Tagesschau kein Wort. Darüber beschwerten sich schließlich Leser bei der Redaktion. Diese verhielt sich jedoch reichlich ungeschickt. Man sei unabhängig, auch von Shitstorm-Aktivisten. Mit dem Hinweis: “Liebe Fans der Facebook-Seite der Tagesschau, in Madrid finden zur Zeit Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung statt. Ein ARD-Team ist vor Ort, auch Tagesschau.de wir darüber in Kürze berichten. Wer bereits zuvor schon seine Meinung dazu los werden möchte, kann dies hier tun, wir bitten darum, den Shitstorm unter den anderen Threads zu beenden, vielen Dank!” sollte dem Shitstorm ein schnelles Ende bereitet werden. Doch weit gefehlt. Eine Falschmeldung über die Anzahl der Protestler erzeugte eine erneute Welle der Empörung, die erst langsam wieder abflaute. © dpa
Samsung: Als besonders witziges Beispiel wird wohl der Shitstorm den Samsung 2012 heraufbeschworen hat, in die Geschichte eingehen. Der Technologiekonzern fragte auf seiner US-Fanseite bei Facebook: „Welches elektronische Gerät würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Die amüsante Antwort: „Das Iphone 5“ oder zumindest irgendein Smartphone des Rivalen Apple. Was in der Umfrage jedoch kaum vor kam, waren Samsung-Geräte. Fast 12.000 Kommentatoren beantworteten die Frage, 45.000 Menschen drückten die „like“ Taste. Pfiffige Markenwerbung sieht anders aus. © dpa
Michael Wendler: Einer der wahrscheinlich größten Fälle drehte sich im vergangenen Jahr um Schlagersänger Michael Wendler Über 700.000 Facebook-Mitglieder sprachen zur Spitzenzeit über den erfolgreichen Sänger. Die Seite wurde sogar zeitweise vom Netz genommen. Es handelte sich um eine Anti-Wendler-Kampagne, in Folge einer Fernsehsendung, in der es um einen Streit des Sängers mit zwei weiblichen Fans ging, die am Ballermann ein Café mit seinem Namen eröffnet hatten. Wendler soll dafür angeblich Geld von den Damen verlangt haben. © dpa
Teldafax: Schlechte Kundenkommunikation führte bei Teldafax 2011 zu einem gesalzenen Social Media Desaster. Das Unternehmen wies seine Kunden auf der firmeneigenen Facebook-Präsenz darauf hin, dass die Seite „echt nicht der geeignete Platz für Beschwerden und Kundenanliegen“ sei. Die wiederum fanden diesen Kommentar alles andere als lustig, machten genau das Gegenteil und traten eine Shitstorm-Welle los. © dpa

Der neue Trailer beginnt ganz genau so wie der alte, doch nachdem die Spielerin den Ball erfolgreich in der Trommel der Waschmaschine versenkt hat, ist ein Mann mit nacktem, muskulösem Oberkörper zu sehen. Er bügelt gerade sein eigenes National-Trikot und zollt der Dribbel-Künstlerin mit einem nach oben gestreckten Daumen für ihren Volltreffer Respekt. Die Frau stellt darauf wie im Ursprungsclip den Waschgang ein, der Mann bügelt sein Dress weiter. 

Sehen Sie hier den neuen Werbespot

"Wir haben natürlich die Diskussion im Netz und in einigen Medien verfolgt", erklärte ein ZDF-Sprecher dem Medien-Portal Werben & Verkaufen (WUV). "Die Kritik nehmen wir ernst und haben deshalb eine Szene nachgedreht und in den Spot eingefügt. Wir glauben, dass so sehr viel deutlicher erkennbar ist, dass hier wirklich nur augenzwinkernd mit einem alten Rollenklischee gespielt wird."

Wie dieser kleine, aber sehr kreative Einfall bei den Zuschauern ankommt, wird sich spätestens im Viertelfinale zeigen - falls die deutschen Damen soweit kommen. Das dritte Gruppenspiel am Mittwoch um 18 Uhr gegen Norwegen überträgt nämlich die ARD.

hn

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