Verhandlungen drohten zu scheitern

Sky-Kunden können aufatmen: Rechtestreit eskaliert nicht

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Noch laufen Live-Bundesliga-Spiele durchweg bei Sky - das ändert sich zur neuen Saison.

München - Ab kommender Saison liegen Teile der Bundesliga-Rechte bei der Sendergruppe um Eurosport. Und genau deren Kanäle wären beinahe über Nacht aus dem Sky-Angebot verschwunden.

Update von 21:10 Uhr: Am späten Abend haben sich Sky Deutschland und Discovery Networks Deutschland schließlich doch noch auf einen neuen Vertrag geeinigt. Somit werden die Sender Eurosport 1 HD, Eurosport 2 HD, Eurosport 360 HD und Discovery Channel auch künftig über Sky Deutschland zu empfangen sein.

Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin von Discovery Networks Germany, sagte nach der Einigung: „Wir haben die 20-jährige Geschäftsbeziehung mit Sky Deutschland immer sehr geschätzt und freuen uns, dass wir uns auf eine Fortsetzung unserer Zusammenarbeit einigen konnten. So können auch unsere Sky-Zuschauer weiterhin unsere Top-Sport-Übertragungen und hochwertigen Dokumentationen genießen.“

In den kommenden Wochen sollen Gespräche über die die 45 Spiele des Bundesliga-Rechtepakets A, das sich Eurosport gesichert hat, geführt werden.

Einigung auf den letzten Drücker

Die Einigung gelang quasi auf den letzten Drücker. Am vergangenen Mittwoch hatte Discovery Networks Deutschland eine aufsehenerregende Pressemitteilung verschickt. Während der Name des Unternehmens nicht jedem etwas sagen dürfte, sind dessen Sender allen Sky-Abonnenten und Sportfans bestens ein Begriff: Die Firma speist die Sender Eurosport 1 HD, Eurosport 2 HD, Eurosport 360 HD und Discovery Channel ins Angebot von Sky ein.

Und zwischen den beiden Partnern war ein Knatsch ausgebrochen. Vom „Krieg zweier Mediengiganten“ schreibt die Süddeutsche Zeitung. Beide Parteien waren sich offenbar lange Zeit uneinig über die Konditionen, zu denen die Discovery-Sender für die Sky-Abonnenten bereitgestellt werden.

Discovery drohte damit, in der Nacht zum Mittwoch, wenn die bestehenden Verträge auslaufen, die Verbreitung seiner Sender über Sky zu stoppen. „Wir bedauern, dass für unsere Fans dieses für sie enttäuschende Szenario droht“, so Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland. Sie wird aber auch wie folgt zitiert: „Wir hoffen, mit Sky zu einem positiven Verhandlungsergebnis zu kommen und unsere langjährige Partnerschaft fortsetzen zu können.“

Das war offenbar eine Drohkulisse in den Verhandlungen. Sky wolle angeblich keinen "fairen Preis" für die Einspeisung zahlen, so die SZ. Es gehe neben den vier Sendern in Deutschland auch um zwölf Kanäle, die Discovery in Großbritannien den Sky-Kunden bereitstellt. Dafür fordere der Konzern von Sky eine Summe von bis zu einer Milliarde Pfund, während Sky mehrere hundert Millionen Pfund geboten habe. Es geht also um richtig viel Geld, auch wenn Discovery diese Zahlen dem Bericht zufolge dementiert haben soll.

Sky und Discovery halten sich am Dienstag mit Statements zurück

Die Zeit lief ab, denn in der Nacht zum Mittwoch hätten die Discovery-Kanäle für Sky-Abonnenten schwarz bleiben können. Beide Parteien übten sich in großer Zurückhaltung: „Am Stand von letzter Woche hat sich nichts geändert. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir diese selbstverständlich kommunizieren“, erklärte ein Discovery-Sprecher am Dienstag auf Nachfrage unserer Onlineredaktion.

Fast unisono äußerte sich ein Sky-Sprecher: „Es gilt weiterhin unser Statement von letzter Woche. Sobald es News gibt, werden wir das verkünden.“ Mit dem „Statement von letzter Woche“ meint er: „Wie es in Geschäftsbeziehungen üblich ist, kommentieren wir öffentlich keine Verhandlungen. Wir sprechen bereits seit geraumer Zeit mit Discovery - dabei gilt wie für jede Vereinbarung, die wir treffen, dass unsere Kunden den bestmöglichen Content auf die von ihnen präferierte Art und Weise erhalten. Wir werden unsere Kunden rechtzeitig über den Ausgang dieser Verhandlungen informieren.“

Eurosport hat Bundesliga-Rechte ab kommender Saison

Der Streit war für Sportfans besonders pikant. Denn: Bei Eurosport wurden zuletzt die Australian Open gezeigt. Und inzwischen darf sich Eurosport 2 offiziell „Bundesliga-Sender“ nennen. Denn es hat bereits die Rechte für die kommende Saison inne. Eurosport zeigt von 2017/18 bis 2020/2021 die Bundesliga-Spiele am Freitag (20.30 Uhr), Sonntag (13.30), Montag (20.30), dazu die Relegation zwischen 1. und 2. Bundesliga und die Relegation zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga. Die Sendergruppe rüstet längst auf - so wurde, siehe tz.de, etwa Matthias Sammer als Experte verpflichtet.

Die Kernfrage, die sich also stellte: Bekommen Sky-Abonnenten für die Zukunft das Komplett-Angebot in ihrem Portfolio aus den Erstliga-Spielen, die Eurosport 2 überträgt (Freitag um 20.30 Uhr, Sonntag um 13.30 Uhr und Montag um 20.30 Uhr) sowie die von Sky (alle anderen)? Oder brauchen Sie dafür zwei verschiedene Abos? Der Kampf um die Rechte am großen Verhandlungstisch dürfte auch die Fußball-Fans ins Zittern gebracht haben ...

lin

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