"Fernsehen für die Restmülltonne"

Oliver Kalkofe geht auf Franklin los

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Köln - Ex-TV-Moderator Franklin produziert für RTL2 billige Pseudo-Dokus. Serien und Spielfilme gingen auch noch kostengünstiger, sagt er. Komiker Oliver Kalkofe reagierte heftig.

Einst moderierte er seine eigene tägliche TV-Talkshow auf Sat1 mit bis zu 18 Prozent Zuschaueranteil. Doch seit einiger Zeit zieht Franklin alias Frank Schmidt nur noch hinter den Kulissen die Fäden. Mit seiner Produktionsfirma Blueprint Production stellt er für RTL2 sogenannte Scripted-Reality-Formate her: Billige Serien, die vorgeben, wie Dokumentationen das wahre Leben abzubilden - in Wirklichkeit gibt es aber ein Drehbuch, dessen Handlungsvorgaben von ungeübten Laiendarsteller umgesetzt werden. Viel kritisierte Formate ("We are Family", "Mitten im Leben") hat der 36-Jährige zu verantworten, in denen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion zunehmend verschwimmen.

Die Herstellungskosten dieser Formate sind im Vergleich zu Shows und TV-Movies eh schon lächerlich gering, doch Franklin sagt, es ginge auch bei Spielfilmen und Serien noch billiger: "Ich sage immer: Fiction geht auch für die Hälfte. Wenn es uns gelingt, Dramaserien für deutlich geringere Budgets zu produzieren, schaffen wir damit auch neue Sendeplätze für dieses Genre", äußert sich der Ex-Daily-Talker jetzt in einem Interview mit dem Online-Medien-Magazin dwdl.de.

Komiker und TV-Kritiker Oliver Kalkofe ("Kalkofes Mattscheibe") meldete sich auf der Webseite wutentbrannt in einem Kommentar zu Wort: "FICTION GEHT AUCH FÜR DIE HÄLFTE - und ich behaupte mal ganz locker: FICTION GEHT SOGAR FÜR EIN VIERTEL ODER GAR NIX! Wird halt Scheiße, okay... und man muss die Leute quasi umsonst arbeiten lassen, aber wenn man dafür beim Fernsehen ist, hat man ja nen ganz anderen Stellenwert, wenn man dann im Lidl-Markt für Kohle ackert." 

Kalkofe wettert weiter: "Wer braucht heute schon noch professionelle Schauspieler, Kameraleute, Autoren, Kostüm, Maske, Cutter, etc., alles überflüssiger Gammel! Alles eitle Fatzken und überbezahlte Penner! Wenn auch die heulfähige Krankenschwester und der pickelige Neffe mit nem Schnittprogramm am PC den Job für ein belegtes Brötchen und nen Fuffi auf Kralle machen? Und die Praktikantin nach dem Kaffeekochen eine Story-Idee auf der Serviette zusammen krakelt, die sie irgendwo so ähnlich mal in nem Film oder so gesehen hat?"

Derbe Worte runden Kalkofes Rundumschlag ab: "Qualität wird schon viel zu lange überschätzt, ich kann auch ohne Abitur kacken! Ich verbeuge mich vor den hippen, coolen und richtungsweisenden Produzenten, die endlich den Mut haben, auf überteuerte Fachkräfte zu verzichten und dem Fernsehen zu zeigen, wo es hingehört: in die Restmülltonne!"

hn

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