Fragen und Antworten zum neuen ARD-Film

"Aufbruch ins Ungewisse": Wenn Europäer plötzlich nach Südafrika flüchten 

+
Leben unter einem rechtsextremen Regime in Deutschland: (von links) Sarah Schneider (Maria Simon), Tochter Nora (Athena Strates) und Jan Schneider (Fabian Busch).

In der Hoffnung auf ein besseres Leben flohen Millionen von Menschen nach Europa. "Aufbruch ins Ungewisse" von Regisseur Kai Wessel dreht dieses Schicksal um.

In der Zukunft sind es die Europäer, die Asyl suchen. So flüchten auch Menschen aus Deutschland mit dem Ziel Südafrika. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Fernsehfilm.

Um was geht es in „Aufbruch ins Ungewisse“?

In der Zukunft ist nichts mehr, wie es einmal war. Europa ist im Chaos versunken, Rechtsextreme haben in vielen Ländern die Macht übernommen. Aus dem demokratischen Staat Deutschland ist ein totalitäres System geworden. Andersdenkende, Muslime und Homosexuelle werden verfolgt. Der Anwalt Jan Schneider (Fabian Busch) hat sich auf die Seite enteigneter Opfer gestellt. Das Regime will ihn nun ins Gefängnis bringen – er beschließt mit seiner Frau Sarah (Maria Simon) und den Kindern in die Südafrikanische Union zu fliehen. Ein Frachter soll sie gemeinsam mit anderen Flüchtlingen nach Kapstadt bringen. Doch die Schlepper setzen ihre Passagiere in kleinen Booten vor der Küste Namibias aus. Es kommt zur Katastrophe: Sohn Nick (Ben Gertz) geht auf See verloren.

Wie kam es zu der Idee, dass der Grund für die Flucht ein totalitäres, rechtsextremes Regime ist?

Laut Pressemitteilung des WDR haben die Macher des Films mit einem Zukunftsforscher der Ludwig-Maximilian-Universität in München gesprochen und geklärt, was eine Flucht auslösen könnte. Dabei habe das Team zunächst an eine neue Bankenkrise und das Wegbrechen des Mittelstandes gedacht. Bei Gesprächen mit dem Experten sei dann aber doch der Rechtsnationalismus ein zentrales Thema geworden.

Warum fliehen die Menschen im Film in die Südafrikanische Union?

Anwalt Jan und seine Familie treten mit Booten die Reise nach Südafrika an. Der Grund: Nach einem Wirtschaftsboom genießt die Union ökonomische und politische Stabilität. Rassenkonflikte gibt es nicht mehr, das Rechts- und Asylsystem funktioniert.

Wie wurden die Hauptdarsteller Fabian Busch und Maria Simon ausgewählt?

Bei dem Casting haben die Filmemacher verschiedene Paarkonstellationen zusammengestellt, von denen sie glaubten, dass diese die Zuschauer emotional berühren können, heißt es in einer Pressemitteilung. Regisseur Kai Wessel war sofort beeindruckt von Maria Simon ("Polizeiruf 110") und Fabian Busch („Er ist wieder da“), weil beide Schauspieler sich von Anfang an sehr nah waren und als Ehepaar überzeugten. „Diese Nähe ist sehr wichtig, um ein Ehepaar erzählen zu können, das sich vielleicht seit 20 Jahren kennt und vielleicht seit 18 Jahren verheiratet ist – mit allen Problemen, die ein langer gemeinsamer Weg mit sich bringt“, sagt Wessel laut WDR.

Warum mussten auch die südafrikanischen Schauspieler deutsch sprechen können?

Der Regisseur des Films wollte nicht, dass die Schauspieler ihren Text auf Englisch sagen und dann synchronisiert werden. "Man kennt das aus synchronisierten amerikanischen Filmen: Die Wörter und Lippenbewegungen sind nie wirklich synchron. Das ist okay, wenn sich das im ganzen Film durchzieht. Aber wenn es immer hin und her geht, der eine spricht deutsch, der andere englisch, dann schadet das der Glaubwürdigkeit", erklärt Wessel. Diese Vorgaben grenzten den Kreis der geeigneten Schauspieler ein. Durch ein aufwendiges Casting wurde dann auch Athena Strates entdeckt, die die Tochter Nora Schneider spielt. Sie kommt aus Südafrika und hat eine deutsche Großmutter.

Wie ordnen WDR und ARD Degeto den Film als Auftraggeber ein?

"Darf man das? Eine Tragödie, die Millionen Menschen betrifft, umdrehen und Europäer auf eine fiktive Flucht nach Süden schicken?", fragt die WDR-Redakteurin Sophie Seitz in einem Begleittext zum Themenabend. Ihre Antwort ist Ja, "Aufbruch ins Ungewisse" sei ein Beitrag zur Meinungsbildung. Die anonymen Schicksale der Menschen, die flüchten mussten, sollen erfahrbar gemacht werden, indem der Blickwinkel umgekehrt wird. Trotz des politischen und visionären Hintergrunds, konzentriere sich der Film aber vor allem auf die Familie Schneider.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.