„Es gibt überall komische Leute“: Bjarne Mädel über „Mord mit Aussicht"

Dass Bjarne Mädel ein toller Schauspieler ist, haben sie beim Kreiswehrersatzamt nicht gemerkt: Als man ihn einst auf seine Bundeswehr-Tauglichkeit überprüfte, log er, er habe Migräne und wurde ausgemustert.

Seine Fans werden ab Dienstag (20.15 Uhr, ARD) wieder Lachkrämpfe bekommen, wenn Mädel an der Seite von Caroline Peters in 13 neuen Folgen der wunderbaren Eifel-Krimiserie „Mord mit Aussicht“ zu sehen ist. Wir sprachen mit dem 44-Jährigen.

Herr Mädel, in einer neuen Folge sagt Ihr Polizist Dietmar Schäffer: „Die in der Stadt sind oft komisch.“ Und meint damit die Kollegen in Bad Münstereifel. Wer ist komischer: Die Menschen in der Stadt oder auf dem Land?

Mädel: Je nach Blickrichtung. Ich bin in der Nordheide aufgewachsen. Mit sieben sind wir nach Hamburg gezogen. Ich kannte also schon früh das Große wie das Kleine. Es gibt überall komische Leute.

„Mord mit Aussicht“, in der eine Polizistin aus Köln im Eifel-Dorf Hengasch zurechtkommen muss, ist sehr komisch. Was macht den Erfolg der Serie aus?

Mädel: Zunächst einmal das nicht neue Grundkonzept. Man steckt eine Person in eine neue fremde Umgebung und konfrontiert sie mit dem Unbekannten. „Fish out of water“, sagt man dazu. Unsere Situationskomik ist dabei nicht plump. Wir haben gute Regisseure und tolle Theaterschauspieler, die sich schon mal weigern, doofe Texte aufzusagen.

Wie bitte?

Mädel: In Deutschland sind Drehbuch-Texte leider oft unauthentisch und hölzern. In Amerika gibt es meist ein ganzes Team von Autoren. Der eine schreibt den Plot, der andere die Dialoge und so weiter. In Deutschland muss alles einer machen. Das ist ein Unterschied. Manchmal denke ich auch, viele Autoren haben keine Freunde. Wenn ich ein Drehbuch schreiben würde, würde ich es danach jemandem vorlesen. Dann bekämst du als Schauspieler keine Drehbücher mehr zu lesen, bei denen du denkst: „So spricht doch kein Mensch.“ Das sieht man ja häufiger in deutschen Fernsehkrimis, in denen die Kommissare stets wiederholt das zusammenfassen müssen, was passiert ist. So was würde ein echter Polizist nie machen.

Bei einem Undercover-Einsatz gibt sich Ihr Schäffer als Verwaltungsbeamter im mittleren Dienst aus. Als seine Chefin ihm sagt, dass er sich jetzt mal einen Beruf wünschen könnte, von dem er immer schon geträumt habe, sagt er: „Verwaltungsbeamter im höheren Dienst“. Was ist Ihr Schäffer für ein Typ?

Mädel: Er ist zufrieden mit dem, was er hat, und will nicht der beste Polizist werden, sondern nur pünktlich Feierabend haben. Von mir privat ist die Figur ganz weit weg. Bevor wir die erste Staffel anfingen, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie so ein Paar aussieht, das seit 17 Jahren zusammenlebt. Als Erstes denkt man, dass die nicht mehr miteinander reden, keinen Sex haben und aneinander vorbei leben. Aber wir wollten genau das Gegenteil vom Klischee. Deshalb sind Dietmar und Heike total glücklich miteinander.

Schäffer ähnelt ein bisschen Ernie aus „Stromberg“, mit dem Sie den Durchbruch geschafft haben, und dem „Tatortreiniger“, für den Sie den Grimme-Preis bekommen haben. Stört es Sie, wenn man sagt, der trottelige Verlierer ist Ihnen auf den Leib geschrieben?

Mädel: Das stört mich extrem. Nur weil diese Figuren nicht die Könige von Spanien sind, kann man sie doch nicht über einen Kamm scheren. Für mich unterscheiden sich diese Männer sehr.

Aber sie stehen alle nicht auf der Sonnenseite des Lebens.

Mädel: Das stimmt. Trotzdem: Ernie ist ein 13-Jähriger im Erwachsenenkörper, Schotty ein Macho, der Leichenreste wegmacht, und Schäffer ein Klischee-Beamter. Ich spiele nicht nur den Bürotrottel.

Den „Tatortreiniger“ hat der NDR zunächst weit nach Mitternacht versteckt. Warum hat es ungewöhnliche Unterhaltung in der ARD so schwer?

Mädel: Ungewöhnliche Formate haben es überhaupt schwer im Fernsehen. Man geht zu wenig Risiko ein. Stattdessen werden erfolgreiche Formate kopiert. Dabei gibt es viele Leute mit tollen Ideen. Oft höre ich den Satz: „Das würden wir gern machen, aber das kriegen wir oben nicht durch.“ Das ist deprimierend.

Von Matthias Lohr

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