Thema Filmstadt

Dritter "Tatort" aus der Uni-Stadt: Ziel ist Göttingen als Dauer-Drehort

Dritter ARD-Tatort aus der Uni-Stadt: Ziel ist Göttingen als Dauer-Drehort
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Drehort Göttingen: Maria Furtwängler (links) als Charollte Lindholm und Florence Kasumba als Anais Schmitz im dritten Tatort „National Feminin“, der am Sonntag ausgestrahlt wird. Als Kulisse dient hier das Max-Planck-Gymnasium, im Film dient es als Sitz der Polizeidirektion Göttingen.

Göttingen soll zum Dauer-Drehort für Filme werden. Diesen Wunsch hat eine Initiative. Mit dem Tatort „National feminin“ ist ein weiterer in der Uni-Stadt gedrehter Streifen zu sehen.

  • Der dritte Göttingen-"Tatort" ist am Sonntag, 26. April, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.
  • Eine Initiative setzt sich für Göttingen als Drehort ein.
  • Es wird Potenzial dafür gesehen.

Göttingen - Herbst 2019: Als sei es ein Zeichen – gerade als die mit Schauspielern und Filmemachern gespickte Truppe der „Initiative Drehort Göttingen“ am Max-Planck-Gymnasium vorbeigeht, hallen Schreie vom Schulhof. Eine bekannte Frauenstimme ist zu identifizieren: Maria Furtwängler ist als Kommissarin Charlotte Lindholm im lautstarken Einsatz. Es ist eine Szenerie der Dreharbeiten zum dritten Göttingen-„Tatort“ „National feminin“ und der am Sonntag, 26. April, ausgestrahlt wird.

Geht es nach den Aktiven der Drehort-Initiative um Sven Schreivogel vom Göttinger Filmbüro, dann könnte, nein sollte Göttingen auch über den NDR-„Tatort“ hinaus ständiger Drehort für Filme und Serien werden – wie schon damals zwischen 1949 und 1961, als die Stadt zu ihrem Titel „Hollywood an der Leine“ kam, als permanent Stars, Sternchen und Komparsen auch zum öffentlichen Stadtbild zählten – übrigens ebenfalls in der Region von Einbeck über Kassel bis Bad Sooden-Allendorf.

Filmstadt Göttingen: Für Schauspielerin aus ZDF-Bergdoktor–Serie ein Traum

Eine Serienproduktion in Göttingen, das wäre besonders für Natalie O´Hara ein Traum, noch dazu, wenn sie persönlich eingebunden wäre, „endlich einmal in Göttingen drehen könnte“, wie sie im Gespräch sagt. Denn Göttingen ist ihre Heimatstadt, hier machte sie am THG ihr Abitur, sammelte in der Schultheatergruppe erste Bühnenerfahrungen. 

Heute ist sie etabliert und regelmäßig in der ZDF-Erfolgsserie „Der Bergdoktor“ als Wirtin zu sehen. Eine Arztserie muss es ja nicht unbedingt sein, die in Göttingen entstehen könnte, sagt O´Hara, „es bieten sich ja auch andere originäre Themen an“, wie die 43-Jährige andeutet. Originäre Themen und Drehplätze, auch darüber macht sich die Initiative Gedanken, schaut sich um und hat sogar schon mögliche Spots gesammelt.

Filmstadt Göttingen: Regisseur brennt für das Thema 

Sven Schreivogel jedenfalls hat Ideen, dafür ist der Göttinger Filmkenner, Regisseur und Filmemacher sowie Hörspielproduzent („Die Göttinger Sieben“) bekannt. 

Er brennt für das Thema und hat so auch Natalie O´Hara eingefangen. „Er begeistert sich und andere für das Thema. Da war für mich schnell klar, dass ich dabei bin“, beschreibt Natalie ihre Reaktion schon nach dem ersten Gespräch.

Göttingen: Kreative Truppe - „Wir lieben Film und Göttingen in der Filmentstehung“

Mit diesem Charme, Enthusiasmus und einer Hartnäckigkeit hat Schreivogel auch Silke Winter mit an Bord gezogen. Sie bringt viel Erfahrung und Know-How auch aus der Serienproduktion mit ein. Nach eigenem Bekunden habe sie „Blut geleckt“ bezüglich des Drehorts Göttingen. 

„Die Zusammensetzung der Truppe konnte nicht kreativer und produktiver sein“, schildert sie ihre Eindrücke vom eingangs genannten Treffen im Herbst. Alle seien mit Humor, Willen und vielen Gemeinsamkeiten dabei: „Wir lieben Film und Göttingen in der Filmentstehung“, auf dieser Basis habe man Schritte eingeleitet. Winter: „Das Team ist mit viel Kraft, Wissen und Kreativität geladen und professionell aufgestellt, daraus könnte viel werden.“

Göttingen: Stadt bietet viel als Dauer-Drehort - Kurze Wege und Vielfalt

Der Dauer-Drehort Göttingen böte laut Winter einiges, was andere, vielleicht spektakulärere Städte nicht bieten: Kurze Wege, eine Vielfalt, Fürsprecher und die Lage im Mittelpunkt von Deutschland wären Joker im Drehorte-Kartenspiel der Produktionsfirmen. Ihr Fazit: „Göttingen ist eine drehortfreundliche Stadt.“

Und thematisch? Für Winter gibt es in Göttingen die Möglichkeit, Vergangenes mit der heutigen Thematik zu verbinden, man kann Verwunschenes finden so wie aber auch das Umfeld für Thriller. Packende Themen ließen sich filmisch, fotografisch spannend verknüpfen“, so die produktionserfahrene Silke Winter.

Dauer-Drehort in Göttingen ist Wunsch der Initiative - Thema Studio

Der Regisseur Patrick Caputo sieht in Göttingen Verbindungen zu Lüneburg, wo er „Rote Rosen“ inszeniert. Optimal wäre es für ihn, wenn in Göttingen auch noch ein Studio verfügbar wäre – wie damals das, noch auf dem Sartorius-Campus stehende Filmatelier.

Das alles hört Sven Schreivogel natürlich gerne. Er, der Göttingen wieder zur Film- oder erstmalig zur Serienstadt machen möchte, dafür hart arbeitet, ist zufrieden mit der Initiativarbeit, -besetzung und der daraus sprudelnden Ideenquelle. „Nicht überdrehen“, wolle man in der Drehortinitiative, sagt er.

Filmstadt Göttingen: Tourismus-Förderung - „Etwas Besseres könnte uns nicht passieren“

Als äußerst positiv bewertet der gebürtige Groner Schreivogel, dass in der Stadt zunehmends das Bewusstsein für die einstige und möglicherweise künftige Filmstadt Göttingen wächst. Unterstützung signalisieren so die Stadt und der Tourismus. Angelika Daamen, die Chef-Touristikerin jedenfalls arbeitet aktiv mit und ist von der Werbewirkung des Mediums Film und Serie überzeugt: „Etwas Besseres könnte uns nicht passieren“, sagt sie. Auch, dass die Erinnerung an das Leine-Hollywood durch das Filmbüro und Schreivogel sowie der Medien wieder aufgefrischt wird, bewertet Daamen als „sehr positiv“.

Ort für Filmträume: Das ehemalige Göttinger Filmatelier und vor ihm Sven Schreivogel. 

Die Bemühungen Schreivogels und der Initiative laufen derweil nicht bei Präsenztreffen, sondern im Netz oder per Telefon weiter – auch in Richtung einer Dauerausstellung zur Filmhistorie.

Göttingen: Uni-Stadt als Dauer-Drehort - Potenzial ist da

Die „Tatort“-Krimis jedenfalls passen in dieses Bild: Sie bringen Göttingen ins Gespräch – bundesweit. Und nicht nur als Stadt mit einer renommierten Universität und der für Deutschland einzigartigen Schmiede für Nobelpreisträger. 

„Ich sehe Potenzial“, sagt auch Angelika Daamen, die begeistert ist, von dem Einsatz der Film- und TV-Größen in der Drehort-Initiative des Sven Schreivogel, der optimistisch ist. Den neuen „Tatort“ hat er schon gesehen: „Mit der Ausstrahlung am Sonntagabend tut man Göttingen einen großen Gefallen“, lobt der optimistische Filmexperte. 

Von Thomas Kopietz

Bereits der zweite Tatort in Göttingen sorgte für Aufsehen. Im zweiten Göttingen-Fall ging es um geheime Hirnforschung. Der Göttingen-"Tatort" in der ARD konnte mit überzeugenden Schauspielerinnen und einem ambitionierten Thema glänzen, die Spannung nahm im Laufe des TV-Krimis jedoch ab.

Emilia Schüle spielt imGöttingen-Tatort „National feminin“ eine Hauptrolle. Im Interview sprach sie über ihre Verbindung zum Tatort und die Dreharbeiten.

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