So lief Gottschalks Premiere in der ARD

Berlin - Thomas Gottschalk hat sich bei seiner ARD-Premiere mit "Gottschalk Live" gut aufgelegt präsentiert. Zur Nachricht, dass sich Heidi Klum und Seal getrennt haben, sagte er: “Ich behaupte jetzt einfach: Es hat nicht halten können.“

Eine Ehe, in der beide eine Showkarriere machen wollen, habe diesen Preis, sagte Gottschalk, der auch erwähnte, dass er Heidi einst als Model entdeckt habe.

Lässig und im bekannten Plauderton hat Gottschalk die Fernsehzuschauer am Montagabend in seinem neuen ARD-Wohnzimmer empfangen. Gleich zu Beginn verkündete er die Marschrichtung: “Eine halbe Stunde Happy Hour, also halbe Happy Hour“ sollte es geben - der Euro-Rettungsschirm bleibe draußen, auch der Bundespräsident. So plauderte er über Prominente und mit einem Prominenten - nämlich Schauspieler und Regisseur Michael “Bully“ Herbig, scherzte ein wenig mit seiner Redaktion und versuchte erst einmal, sich und seine Zuschauer mit dem neuen Format vertraut zu machen.

Drei Werbepausen in 30 Minuten

Ein netter Abend, könnten diese nach so einem Wohnzimmerbesuch sagen, allerdings bei weitem noch nicht perfekt. Hier und da vielleicht ein bisschen trocken und die Atmosphäre - trotz der schönen Wohnzimmer-Deko - noch etwas steril.

Denn erst einmal wirkten die drei Werbepausen ziemlich unsanft in die Mitte der Sendung reingequetscht; Gottschalk fand hier keine gelungene Überleitung. Dann kamen seine Witze und Sprüche so komplett ohne Lacher oder Klatscher - denn Publikum ist ja nicht im Studio - manchmal gar nicht rüber.

Doch Gottschalk ließ hier und da aufblitzen, warum er seit rund drei Jahrzehnten zu den Top-Fernseh-Entertainern gehört: Sein spontanes Herumalbern mit der Redaktion, seine Selbstironie beim Umgang mit aktuellen Paparazzi-Fotos vom Abendessen mit seiner Sekretärin oder einem Bericht in der Regenbogenpresse über einen angeblichen Cousin, machten Lust auf mehr.

Die Plauderei mit Herbig - auch nett, aber vor allem, weil beide die weißen Hotel-Hausschuhe trugen, die “Bully“ dem “Thommy“ als Geschenk mitgebracht hatte. “Gottschalk Live“ zeigte deutlich: Der Showmaster ist vor allem dann stark, wenn er improvisiert, Spaß machen kann und spontan sein darf; das Aufsagen von Gagschreiber-Witzen ist seine Sache nicht - das war auch schon bei seinen 90er-Jahre-Ausflügen in die Late Night so gewesen.

Am Dienstag kommt der "Kaiser"

Etwas länglich wirkte die Sendung auch, weil der 61-Jährige den Zuschauern erst einmal das Format erklärte, inklusive Social-Media-Aspekten - aber immerhin mit ironischem Seitenhieb auf den öffentlich-reechtlichen Bildungsauftrag: “Der ältere ARD-Zuschauer wird langsam von mir an diese Themen herangeführt.“

Für Dienstag kündigte Gottschalk Schauspieler Armin Rohde und Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer - und außerdem ein Eisbär-Baby, den Halbbruder von Knut: “Dann müssen Sie gucken, wenn's nicht meinetwegen ist, dann wegen des Eisbärbabys. Ich brauche jeden Zuschauer“, sagte der 61-Jährige auf den Knien rutschend in ironischer Verzweiflung zum Fernsehpublikum.

TV-Hits 2011: Von Thomas Gottschalk bis Tatort

Platz 1: Wie soll es anders sein? Natürlich führt Thomas Gottschalk die Top Ten der Quoten-Hits an. Seinen Abschied von "Wetten, dass..?" am 3. Dezember 2011 verfolgten 14,8 Millionen Zuschauer. © dpa
Platz 2: Lena Meyer-Landrut bescherte der ARD eine Traumquote: 13.93 Millionen verfolgten den Eurovision Song Contest am 14. Mai 2011. © dpa
Platz 3: Einmal im Jahr hat Thomas Gottschalk mit "Wetten, dass..?" auf Mallorca gastiert. Am 18. Juni 2011 schauten 12,44 Millionen TV-Zuschauer diese Sendung an. © dpa
Platz 4: Das beliebteste Tatort-Team kommt aus Münster. Mit der Sendung "Herrenabend" am 11. Mai lockten die beiden Ermittler 11,86 Millionen Zuschauer vor die Fernseher. © Das Erste
Platz 5: Thomas Gottschalks erste "Wetten, dass...?"-Sendung im Jahr 2011 verfolgten am 12. Februar 10,73 Millionen Menschen. © dpa
Platz 6: Den Münsteraner Tatort "Zwischen den Ohren" sahren 10,44 Millionen Menschen. © Das Erste
Platz 7: Am 5. November 2011 sagte Hape Kerkeling live im ZDF, dass er "Wetten, dass..?" nicht übernehmen möchte. Das sahen 9,95 Millionen Menschen. © dpa
Platz 8: Auch der Stuttgarter Tatort war in 2011 erfolgreich. Am 9. Oktober sahen 9,66 Millionen Menschen "Das erste Opfer" © Das Erste
Platz 9: Der Tatort "Im Netz der Lügen", der am Bodensee spielte, lockte 9,6 Millionen Menschen vor die Fernseher. © Das Erste
Platz 10: Die süddeutschen Tatort-Ermittler sind offenbar beliebt. Die Ludwigshafener Kommissar Lena Odenthal schaffe es in der Gunst der Zuschauer auf den 10. Platz. 9,6 Millionen sahen "Tödliche Ermittlungen". © Das Erste

Dass er nicht ganz ohne Aufregung und Anspannung an die neue, fast werktägliche Vorabendshow (19.20 bis 19.50 Uhr) gegangen ist, zeigte Gottschalk vor allem im Anschluss an die Sendung. Beim Fototermin während des obligatotischen halbstündigen Chats mit den Zuschauern zeigte er sich vom heftigen Trubel doch recht genervt: “Ruhe jetzt“, kam es mehrmals energisch aus dem Mund des gebürtigen Franken.

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dpa/dapd/mm

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