"Grace of Monaco" im Kino

Wo ist das wilde Leben der Grace Kelly?

Berlin - Olivier Dahan erzählt mit gelackten Hochglanzbildern die Geschichte der „Grace of Monaco“ als braves Märchen. Unsere Kinokritik:

Bei den Filmfestspielen in Cannes begann es, und dort schließt sich nun 59 Jahre später wieder der Kreis. Am Mittwochabend wurden das diesjährige Festival an der Côte d’Azur mit „Grace of Monaco“ eröffnet. Dort, wo sich an einem sonnigen Nachmittag im Mai des Jahres 1955 Rainier III. und Grace Kelly kennenlernten. Ein Mitglied des Fürstenhauses war beim gestrigen Auftakt nicht zugegen. Die Wiederauferstehung der Hollywood-Diva fand ohne Familie Grimaldi statt. Der monegassische Hof distanziert sich deutlich von der Produktion. Caroline, Albert und Stéphanie, die Kinder der Sagenumwobenen, haben sich mehrfach über die „schwerwiegenden Unwahrheiten“ beklagt, die „Grace of Monaco“ enthalte (wir berichteten).

Dass Charles de Gaulle nicht während der größten Krise mit Monaco beim Rosenball tanzte und auch sonst vieles Fiktion ist in seinem Biopic, bestätigt sogar Regisseur Olivier Dahan selbst, der eine „transponierte Realität filmen“ wollte. Dichtung und Wahrheit mischen sich also munter in dieser reizend anzusehenden Mär von der amerikanischen Mittelschichtstochter, die erst Hollywood erobert, einen Oscar absahnt und schließlich den monegassischen Prinzen kassiert.

Dahan, der schon Edith Piafs dramatische Vita in eine schmalzige Stulle verwandelte, erzählt aber nicht die durch die Klatschpresse längst bekannte Geschichte bis zum Autounfall im September 1982 neu. Er konzentriert sich auf einige Monate des Jahres 1961: Frankreich will Monaco seiner Unabhängigkeit berauben und droht mit Blockade. Grace Kelly (Nicole Kidman) kommt mit dem von Intrigen geprägten Hofleben nicht klar. Das Volk liebt sie nicht und hält sie für arrogant, da sie immer noch kaum Französisch spricht. Außerdem hat Rainier (Tim Roth) nur Politik im Kopf und nicht die bezaubernde Landesmutter.

Oscars: Die besten Hauptdarstellerinnen seit 2000

Oscar Hauptdarstellerinnen
Ihren ersten Oscar als beste Hauptdarstellerin bekam Hillary Swank im Jahr 2000 für ihre Rolle als Transsexueller in "Boys Don’t Cry". © dpa
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Basierend auf einer wahren Begebenheit verkörpert Julia Roberts im gleichnamigen Film die taffe Umweltaktivistin Erin Brockovich und wurde dafür im Jahr 2001 mit einem Oscar belohnt. © dpa
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Als erste afro-amerikanische Schauspielerin bekam Halle Berry 2002 als beste Hauptdarstellerin im Drama "Monster's Ball" einen Oscar. © dpa
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Im Jahr 2003 durfte sich Nicole Kidman über die begehrte Trophäe freuen. Als Virginia Woolf in der Literaturverfilmung "The Hours" überzeugte sie die Academy-Jury. © dpa
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Als Mörderin Aileen Wuornos in "Monster" erkennt man Charlize Theron kaum wieder. Ihre schaupielerische Ausnahmeleistung wurde im Jahr 2004 mit einem Oscar belohnt. © dpa
Fünf Jahre nach ihrem ersten Oscar durfte sich Hillary Swank über die zweite Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin freuen, diesmal für ihre Rolle im Boxdrama "Million Dollar Baby". © dpa
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In der Filmbiografie um Johnny Cash, "Walk the Line", spielt Reese Witherspoon die Country-Sängerin June Carter. Für diese Rolle bekommt sie im Jahr 2006 einen Oscar. © dpa
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Für ihre Rolle als Königin Elisabeth II. in "Die Queen" wurde Helen Mirren 2007 als beste Hauptdarstellerin geehrt. © dpa
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Das französische Drama "La vie en rose" brachte Hauptdarstellerin Marion Cotillard im Jahr 2008 einen Oscar ein. © dpa
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Nach zahlreichen Nominierungen bekam Kate Winslet 2009 endlich einen Oscar für ihre Rolle in der Literaturverfilmung "Der Vorleser". © dpa
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Für die Hauptrolle im Drama "The Blind Sight" heimste Sandra Bullock im Jahr 2010 einen Oscar ein. © dpa
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Im Psychothriller "Black Swan" brilliert Natalie Portman als Primaballerina, die die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verliert. Der Oscar im Jahr 2011 war der verdiente Lohn. © dpa
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Nachdem sie bereits 1980 für ihre Nebenrolle in "Kramer gegen Kramer" und 1983 als beste Hauptdarstellerin (Sophies Entscheidung) geehrt wurde, bekam Meryl Streep 2012 ihren dritten Oscar. Als Premierministerin Margaret Thatcher, die "Eiserne Lady", überzeugte sie die Jury der Academy. © dpa
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2013 durfte sich Jennifer Lawrence über die begehrte Trophäe freuen. An der Seite von Bradley Cooper spielt sie die emotional instabile Tiffany in der Tragikkomödie "Silver Linings". © dpa

Dann flattert auch noch ein verlockendes Angebot aus Hollywood herein: Hitchcock will „Marnie“ mit ihr drehen. Hoheit sind ratlos. Doch ein paar Gespräche mit dem Priester des Vertrauens bringen die Dinge wieder ins Lot. Grace hält auf dem Rosenball eine so flammende wie schlichte Rede auf die Liebe, die sogar die Schnurrbarthaare des überraschenderweise geladenen Erzfeinds de Gaulle vor Rührung erzittern lässt. Grace Kelly ist weg, auf der Bühne steht Gracia Patricia, spricht Salbungsvolles, und alles ist wieder in Butter zwischen Frankreich und dem einstigen Piratennest. Da verbringt auch sogleich der Fürst wieder eine Nacht mit seiner Fürstin.

"Grace of Monaco": Keine Doku!

Kino muss nicht die historische Wirklichkeit abbilden. Es kann, ja es sollte größere, buntere, aufregendere Geschichten erzählen und darf schon aus dramaturgischen Erwägungen gerne etwas hinzuerfinden oder zuspitzen. Niemand wird einen Film wie „Grace of Monaco“ mit einer Dokumentation verwechseln. Der Streit mit dem Grimaldi-Clan ist daher nur ein Aspekt. Ein anderer ist die hinreißend gelackte Hochglanz-Oberfläche, so farbenreich und prachtvoll wie die Modezeitschrift, die Grace einmal durchblättert. Er habe sich „visuell am amerikanischen Kino der Sechzigerjahre orientiert“, beschreibt Dahan seine Herangehensweise.

Die Bilder sind ihm auch gut gelungen. Die Ausstattung ist stimmig, die Computertechnik fügt sich bestens ein. Nur der Mut und der lakonische Witz, der die großen Filme der frühen Sechziger auszeichnete, der ist in diesem braven Märchen von der Prinzessin bei den Piraten einfach nicht vorhanden. Das ganze wilde, spannende, überraschende Leben zwischen den perfekt gestalteten einzelnen Standfotos fehlt.

Selten spielte die immer etwas hüftsteife Nicole Kidman so statisch, und noch nie erschien der großartige Tim Roth so scheintot wie hier. Das dürfte vielleicht die Grimaldis nicht sonderlich gestört haben, es verärgert aber die Zuschauer.

Ulricke Frick

Rubriklistenbild: © dpa/GAUMONT

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