Sonntag, ARD, 20.15 Uhr

Ermitteln ohne Drehbuch: Der „Tatort: Babbeldasch“ ist ein großes Laienspiel

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Betriebsausflug ins Theater: Die Ludwigshafener Ermittler (von links) Johanna Stern (Lisa Bitter), Mario Kopper (Andreas Hoppe, hinten), Peter Beck (Peter Espeloer) und Frau Keller (Annalena Schmidt) warten auf den Auftritt von Lena Odenthal.

So ungewöhnlich, merkwürdig und zugleich lebensnah wie der Ludwigshafener „Tatort: Babbeldasch“ am Sonntag war bislang noch nie ein „Tatort“, und dafür gibt es drei Gründe.

1. Die Darsteller

Mit einem Ensemble aus Profis und Amateuren und ohne ausformuliertes Drehbuch drehte Axel Ranisch seinen ersten Film für die Reihe „Tatort“. Das Team um Ulrike Folkerts als Lena Odenthal wird dabei ebenso Teil seiner Filmfamilie wie die Darsteller des Ludwigshafener Amateurtheaters Hemshofschachtel, dass zur Babbeldasch (Labertasche) wurde. Im wirklichen Leben gehen die Darsteller des Ensembles bürgerlichen Berufen nach. Am Sonntag spielen die stark pfälzisch sprechenden Amateure in der ARD-Primetime auf. Die gebürtige Französin Mari-Louise Mott, Gründerin der echten Bühne, spielt das Opfer Sophie Fettèr.

2. Die Improvisation

Filmemacher Axel Ranisch, der bei diesem „Tatort“ nicht Regisseur sondern „Spielleiter“ heißt, ist auf improvisiertes Spiel spezialisiert. Gemeinsam mit Autor Sönke Andresen entwarf er einen groben Handlungsablauf, den die Schauspieler erstmal nicht zu sehen bekamen. Von Szene zu Szene – gedreht wurde chronologisch – wurden die Charaktere weiterentwickelt. Das Team improvisierte beim Dreh die Dialoge – so gibt es auch ab und an Gestammel zu hören.

3. Der Fall

Zunächst wirkt alles wie ein klassischer Kriminalfall: Das Ludwigshafener Mundarttheater Babbeldasch hat bisher nicht zu Lena Odenthals Ausgehadressen gehört. Kollege Becker (Peter Espeloer) nimmt sie in eine Aufführung mit, doch endet der Abend abrupt: Hauptdarstellerin und Theaterleiterin Sophie Fettèr stirbt während der Vorstellung an einem allergischen Schock. Anscheinend ein Unfall, aber Odenthals Neugier ist geweckt. Wurde der tödliche Mohn in der Füllung eines Croissants Sophie Fettèr mit Absicht untergeschoben? Da Sophie sie sogar bis in ihre Träume verfolgt, nimmt die Kommissarin inkognito Kontakt zu den Theaterleuten auf.

Schnell fällt auch durch die Kameraführung auf: Hier ist etwas anders, hier wird experimentiert – und darauf sollte man sich als Zuschauer einlassen, oder nicht einschalten.

Die Kritik lesen Sie Sonntagabend hier.

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