Heike Makatsch: „Liebe hat eine brachiale Gewalt“

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Liegt nach einem Reitunfall im Koma: Ännie (Heike Makatsch) mit ihrem Mann Leo (Benno Fürmann).

Längst ist Heike Makatsch eine der besten deutschen Charakterdarsteller. Im ZDF-Drama „Zweimal zweites Leben" (Sonntag, 20.15 Uhr) spielt sie eine Frau, die ins Koma fällt.

Ihr Debüt als „Tatort“-Kommissarin in Freiburg konnte nicht recht überzeugen, aber nun überrascht Heike Makatsch in der sonst so kitschigen „Herzkino“-Reihe des ZDF. In „Zweimal zweites Leben“ spielt die 44-Jährige die Mutter Ännie, die nach einem Reitunfall ins Koma fällt. Als sie wieder aufwacht, erkennt sie ihre Familie nicht mehr. Ihr Mann (Benno Fürmann) hat sich in eine andere Frau (Jessica Schwarz) verliebt. Trotzdem will man es gemeinsam probieren. Selten wurde am Sonntagabend so sehr mit gesellschaftlichen Konventionen gebrochen wie in dieser Dreiecksgeschichte.

Ihre Ännie macht nicht nur eine Extremsituation durch, sondern ist auch ein anderer Mensch, nachdem sie aus dem Koma aufgewacht ist. War das Ihre bislang schwierigste Rolle? 

Heike Makatsch: Ich war zumindest etwas nervös, wie man diesen Genesungsprozess glaubwürdig darstellen kann. Mein Schauspiel-Coach hat mir die Angst genommen. Die Besonderheit von Ännie war sogar hilfreich, dieser Figur mein Herz zu geben.

Im Vorfeld haben Sie auch mit Angehörigen von Komapatienten gesprochen.

Makatsch: Ja, wir waren in einer Rehaklinik und haben eine Frau kennengelernt, deren Mann im Koma lag. Man merkte sofort, dass sie einen großen Wunsch hatte zu sprechen. Ich denke, es ist sogar wichtig, dass man eine gewisse Neugierde für die Menschen und ihre Situation entwickelt. Es bringt nichts, um den heißen Brei herumzutänzeln.

Ist es vorstellbar, dass ein Mann sich in jemand anders verliebt, während seine Frau schwerkrank ist, er ihr aber trotzdem treu bleibt? 

Makatsch: Ich denke schon. Die Geschichte ist an eine wahre Begebenheit angelehnt, auf die Drehbuchautor Bernd Lange durch einen Zeitungsartikel aufmerksam wurde. Liebe hat manchmal eine brachiale Gewalt, die in die unmöglichsten Situationen hineinbricht. Damit müssen die Menschen umgehen. Unsere Figuren sind sehr mutig in ihren Entscheidungen.

Aber ist das wirklich Treue?

Makatsch: Das ist Liebe, die es in vielen Facetten gibt. Wir tendieren dazu, andere Formen der Großfamilie zu gestalten - gerade in Zeiten, in denen herkömmliche Kleinfamilien immer öfter auseinanderbrechen. Die Geschichte von Ännie und ihrem Mann zeigt, dass selbst aus schwierigen Situationen etwas erwachsen kann - vielleicht sogar eine bessere Situation als vorher.

Wie geht es für Sie nun weiter? Bleibt Ellen Berlinger „Tatort“-Kommissarin? 

Makatsch: Produktion und Redaktion sind interessiert, die Finanzierung muss noch geschlossen werden. Es könnte gut sein, dass es weitergeht.

Befürchten Sie nicht, dass Sie durch Deutschlands beliebteste Krimireihe noch populärer und im Alltag noch mehr beobachtet werden? 

Makatsch: Das ist gar nicht mein Problem. Ich wohne in Berlin sehr unbehelligt und bin trotzdem ins Stadtleben integriert. Von meinen Nachbarn und in den Kiezgeschäften werde ich freundlich und mit normaler Distanz begrüßt. Meine öffentliche Arbeit schränkt mich keineswegs ein. Daran wird, denke ich, auch der „Tatort“ nichts ändern.

Zur Person

Geboren: am 13. August 1971 in Düsseldorf als Tochter des ehemaligen Eishockey-Nationaltorhüters Rainer Makatsch

Ausbildung: Schneiderlehre sowie Politik- und Soziologiestudium (alles abgebrochen)

Karriere: Makatsch wurde als Viva-Moderatorin bekannt. Ihr Debüt als Schauspielerin gab sie 1996 in „Männerpension“.

Privates: Die Mutter dreier Töchter lebt in Berlin.

Sonstiges: Derzeit ist Makatsch im Disney-Kinofilm „The Jungle Book“ zu hören. Mit ihrem Ex-Partner, dem Musiker Max Schröder, arbeitet sie zudem an einer zweiten Kinderlieder-CD.

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