Wo die Wut hingehört: Dresdner Tatort stellt berechtigte Fragen

Dresdner "Tatort: Auge um Auge"
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Als Spießer gezeichnet: Schnabel (Martin Brambach).

Ein Kommissariatschef nah an der Karikatur, die Story kaum der wert - und trotzdem überzeugte der Dresdner Tatort auf mehreren Ebenen. Eine Kritik von Kulturredakteur Mark-Christian von Busse.

Martin Brambach, im Dresdner „Tatort“-Team Vorgesetzter der jungen Hauptkommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski), ist ein herausragender Schauspieler.

Wie der 50-Jährige gerade den eher unauffälligen, grauen Durchschnittstypen Prägnanz verleiht, ist bewundernswert.

Im Fall „Auge um Auge“ jedoch war sein Kommissariatschef nah an der Karikatur. Wie sich dieser Schnabel als Spießer-Trottel mit Pegida-Sympathien einem verdächtigen Versicherungsangestellten anbiederte, war kaum glaubwürdig. Dabei ist die Idee, die Konflikte in der Dresdner Stadtgesellschaft in der Auseinandersetzung unter den Ermittlern zu spiegeln, fein gedacht.

Die Story um Abgründe in der Versicherung (Buch: „Stromberg“-Autor Ralf Husmann, Regie: Franziska Meletzky) selbst war kaum der Rede wert. Der Krimi stellte aber die berechtigte Frage, „wo die Wut hingehört“: vor die Zentralen der Großkonzerne statt vor Flüchtlingsunterkünfte.

Auf einer weiteren Ebene überzeugte dieser „Tatort“. Unaufdringlich zeigte er, wie die Versicherung ihren Schutz im Unglücksfall versagte, während die Frau eines Unfallopfers ihrem Mann beistand. Das brachte Kommissarin Sieland angesichts ihrer Beziehung ins Grübeln: Wer ist da, wenn etwas schiefgeht? Und vor allem: Wer bleibt?

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