Achtteilige Serie zur besten Sendezeit

Kritik: Starker Auftakt für Spionage-Geschichte „Deutschland 83“ bei RTL

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Das Gesicht der neuen Serie: Hauptdarsteller Jonas Nay als DDR-Spion Martin Rauch bei der Bundeswehr.

Kaum eine andere TV-Serie erhielt so viele Vorschusslorbeeren wie "Deutschland 83". Die ersten beiden Folgen zeigten, dass RTL nicht zu viel versprochen hatte.

Das war ein prima Auftakt für das ungewöhnliche Fernsehprojekt „Deutschland 83“. Man kann RTL und der Produktionsfirma UFA Fiction für den Mut gratulieren, die Spionage-Geschichte aus dem Kalten Krieg auf genau diese Weise zu erzählen.

Und die achtteilige Serie zur besten Sendezeit ins Programm zu heben und nicht wie andere anspruchsvolle Formate („Tatortreiniger“, „Homeland“) nachts zu versenden. Die Serie handelt von dem jungen DDR-Agenten Martin Rauch, der gegen seinen Willen in die Bundesrepublik geschickt wird, um dort Informationen über die Stationierung von US-Raketen zu sammeln. Die ersten beiden Folgen von „Deutschland 83“ zeigten, dass Stoffe zur deutschen Geschichte auch in einer Erzählweise überzeugen können, die deutlich leichtfüßiger ist als üblich. Und die ohne Weltkriegs- oder Wendeschicksale auskommt, wo doch oft Klischeealarm droht.

Regisseur Edward Berger und den Autoren Anna und Jörg Winger gelingt es, einen ganz eigenen, heiteren Erzählton anzuschlagen und souverän durchzuhalten. Sie schlagen immer wieder komische Funken aus dem Schicksal des Spions wider Willen. Verraten ihre Figuren aber nie an den Kalauer. Es geht um die Frage, wem gegenüber wir verbunden sind, und wie weit wir gehen, wenn die Pflicht ruft.

Die Macher wecken mit dem grandiosen Szenenbild nostalgische Gefühle bei denen, die die 80er-Jahre mitgekriegt haben und sich über Details aus alten Nachrichtensendungen, aus dem Polit-Diskurs der Friedensbewegung oder zu Mode und (etwas aufdringlich eingesetzter) Musik freuen. Endlich wird diese Ära zwischen Helmut Kohl und erstarkender Alternativkultur populärkulturell aufgearbeitet. Dass da manche Dialoge etwas hölzern bleiben und der Plot nicht gerade unkonstruiert wirkt, ist angesichts der Spannung und des hohen Tempos nebensächlich.

Die Serie sieht hochwertig und elegant aus, ist anspruchsvoll durchgestaltet, Meilen entfernt vom üblichen TV-Look. Man folgt Jonas Nay als Martin Rauch gern bei seinen ersten Schritten als Agent, es ist ein hübscher Kniff, die Geschichte aus Perspektive der historischen Verlierernation zu erzählen.

RTL, donnerstags, 20.15 Uhr und bei RTL now im Stream

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