"Las Insoladas": Kammerspiel in der Sonne

In „Las Insoladas“ braten, schwitzen und halluzinieren die Figuren. Einen Vorgeschmack gibt es im Kinotrailer.

Nichts los in Buenos Aires. Zwar flirrt die Luft vor Hitze, und der Mitteleuropäer könnte sich schon ein paar Tage über den Dächern der argentinischen Hauptstadt vorstellen. Doch aus Sicht der sechs Damen, die sich dort 1995 treffen, herrschen Langeweile und Überdruss. Ökonomisch läuft es mäßig, privat ebenso. Einzige Hoffnung ist der jährliche Salsa-Wettbewerb. Dieser soll den Frauen Geld bringen und die lang ersehnte Kuba-Reise finanzieren.

Eigentlich ist „Las Insoladas“ kein Film, sondern ein Kammerspiel. Fast die ganze Zeit hindurch verweilen wir mit den Protagonistinnen Sol (Maricel Alvarez, Auftritt in Woody Allens „To Rome with Love“), Vicky (Violeta Urtizberea), Karina (Elisa Carricajo), Valeria (Marina Bellati), Lala (Sängerin Luisana Lopilato) und Flor (Carla Peterson, die schon in „Medianeras“ für Regisseur Gustavo Taretto spielte) auf einer Dachterrasse und verleben mit ihnen einen Tag an der prallen Sonne. Von zwei Kameras beobachtet, braten, schwitzen und halluzinieren die Frauen – mal im Planschbecken, mal auf dem Handtuch, mal vor der Kulisse der Stadt, mal irgendwo im Gebälk. Freilich konterkarieren die Bilder in ihrer teils poppig-satirischen, teils aufregend-urbanen Ästhetik die Langeweile der Figuren: Jeder, der Buenos Aires einmal aus dieser Perspektive erleben könnte, würde wochenlang davon erzählen. Zugleich aber verbirgt sich hinter dieser Optik das einzig faszinierende filmische Moment von „Las Insoladas“.

Der Kammerspielpart, der durch die Einheit von Zeit, Ort und Handlung dominiert, fällt dagegen eher schwach aus – viele Dialoge funktionieren nicht. Erst weit nach der Mitte, als die Frauen bedingt durch die starke Hitze durchdrehen und die Idee vom Kuba-Urlaub zur Obsession wird, nimmt die Komödie Fahrt auf. Dann aber ist es fast ein bisschen zu spät.

von Katrin Hildebrand

„Las Insoladas – Sonnenstiche“

mit Carla Peterson, Marina Bellati

Regie: Gustavo Taretto

Laufzeit: 102 Minuten

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