Neues Format im WDR

„RebellComedy“-Komiker Babak Ghassim zu Witzen über Migrationshintergrund

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Konnte sich mit keinem Comedy-Format in Deutschland identifizieren und gründete mit einem Freund deshalb „RebellComedy“: Babak Ghassim (31), der gebürtig aus dem Iran kommt.

Sie sind jung und wollen unterhalten: Die Komiker des Ensembles „RebellComedy" haben marokkanische, iranische, türkische und auch schweizer Wurzeln. Wir haben mit Babak Ghassim gesprochen.

Die Gruppe „RebellComedy", zu der auch Comedy-Preis-Gewinnerin Enissa Amani gehört, rückt Ethno-Comedy, die Komik mit dem zentralen Thema Migrationshintergrund, in ein neues Licht. Auf Kultur-Klischees will die Gruppe weitgehend verzichten und sie nimmt sich auch selbst auf die Schippe. Der WDR begleitete die Talente auf ihrer Tournee durch ausverkaufte Hallen. 

Herr Ghassim, Sie haben 2007 „RebellComedy“ mitgegründet - wofür steht das Kollektiv?

Babak Ghassim: Für eine junge, frische Art von Stand-up-Comedy in Deutschland. Politisch und gesellschaftlich sind wir ganz frei. Auf der Bühne spielen wir keine Rollen. Wir kommen aus einer Kultur, in der es keine Unterschiede mehr macht, wo jemand herkommt. Wir definieren uns nicht über Herkunftsländer und Kulturen, sondern schließen alle mit ein und machen eben einfach Comedy.

Aber haben Sie und die anderen Künstler sich nicht gerade wegen Ihres Migrationshintergrunds zusammengefunden?

Ghassim: Nein. Wir haben „RebellComedy“ nur deshalb gegründet, weil wir uns mit keinem bestehenden Comedy-Format in Deutschland identifizieren konnten. Wir haben uns nicht unterhalten gefühlt und mehr Formate aus dem US-amerikanischen Raum konsumiert. Das wollten wir ändern.

Spielt denn der Migrationshintergrund gar keine Rolle?

Ghassim: Doch, bestimmt, er macht ja ein Stück von unserem Lebensstil aus. Aber wir machen keine klassische Ethno-Comedy.

Inwiefern spielen Klischees bei Ihrer Comedy eine Rolle?

Ghassim: Wir versuchen, sie zu vermeiden, aber manchmal tauchen sie doch auf. Klischees sind immer einfach zu nutzen, weil man dann die Rollen klar verteilen kann. Es ist immer einfacher, wenn derjenige, der bestimmte Landsleute auf die Schippe nimmt, selbst aus diesem Land stammt. Er macht sich so nicht nur über die Leute lustig, sondern nimmt sich selbst und seine eigene Kultur auch auf den Arm. Wenn man sich selbst einmal durch den Kakao gezogen hat, dann darf man auch Witze über andere Gruppen machen.

Darf man in Zeiten von IS, Pegida und Terroranschlägen Witze über Flugzeugabstürze oder Angst vor Terroristen machen?

Ghassim: Das ist Ansichtssache. Einige Leute meinen, es müsse erst etwas Zeit vergehen, bis so etwas wirklich comedyreif ist. Aber ich denke, man kann das durchaus. Man muss aber dem Thema gerecht werden. Je aktueller und komplexer das Thema, umso stärker muss die Comedy sein. Man kann so einem gesellschaftlich relevanten Thema nicht mit einem billigen Comedy-Witz begegnen. Die Nummer muss einfach stark sein. Das ist eine Herausforderung.

Gibt es bei „RebellComedy“ auch Tabuthemen?

Ghassim: Das kommt ganz darauf an, wer auf der Bühne steht. Bei einigen ist Religion ein Tabuthema, weil sie das privat sehr ernst nehmen. Andere sind nicht gläubig und sprechen auch über das Thema - aber immer mit dem nötigen Respekt vor denen, die glauben. Wir setzen uns keine Tabus. Voraussetzung ist aber, dass der Künstler ein gewisses Feingefühl hat, was angemessen ist und was nicht. Einfach nur dreckig und beleidigend, das machen wir nicht.

Was halten Sie von der Komik von Kaya Yanar oder Bülent Ceylan?

Ghassim: Ich kann über beide nicht lachen. Aber ich respektiere sie für die Rolle, die sie gespielt haben. Sie waren Vorreiter, was Ethno-Comedy angeht. Aber ich finde mich in den Inhalten nicht wieder und fühle mich eher entfremdet.

Was darf denn Satire? Eine durchaus kontroverse Frage in Zeiten von Jan Böhmermanns Schmähgedicht.

Ghassim: Das muss meiner Meinung nach der Künstler entscheiden, der muss aber auch immer dafür geradestehen. Das, was Jan Böhmermann gemacht hat, fand ich persönlich nicht witzig, aber aus der Künstlerperspektive gesellschaftlich in Ordnung.

Zur Person:

Babak Ghassim (31) wurde im Iran geboren und kam im Alter von einem Jahr nach Deutschland. Seine Eltern flüchteten aufgrund der politischen Situation im Iran, sodass Ghassim in Aachen aufwuchs. Nach dem Abitur studierte er Literatur in Heidelberg und Köln. Mit seinem besten Freund Usama Elyas gründete er 2007 „RebellComedy“. Das Format ist für ihn als Autor, Regisseur und Comedian heute ein Vollzeitjob. Er steht auch selbst als Stand-Up-Comedian und mit Poetry-Slam auf der Bühne. Ghassim ist ledig und lebt in Aachen.

Höhepunkte der „RebellComedy“-Tour am Donnerstag, 4. August, 0.30 Uhr und am Donnerstag, 11. August, 23.45 Uhr in der ARD.

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