Kleines Kunstwerk

Grandiose Kinderdarsteller in "Jack"

Mit seinem Kindheitsdrama „Jack“ erzählt Regisseur Edward Berger eine leise und schmerzhaft realistische Geschichte. Der Kinotrailer und unsere Filmkritik:

Wenn er Tag für Tag seiner Mutter einen Zettel vor die Wohnungstür legt, darauf die in Kinderschrift notierten Zeilen: „Mama, wir brauchen den Haustürschlüssel“, dann meint er eigentlich: „Mama, wir brauchen dich.“ Doch diese Mama (Luise Heyer), die will keine Mutter sein. Die hat sich selbst noch nicht gefunden und tanzt lieber nachts durch die Berliner Clubs, statt sich um ihre zwei Söhne von verschiedenen Vätern zu kümmern. Also übernimmt das Kümmern Jack, der Ältere der beiden, selbst.

Wie der zwölfjährige Hauptdarsteller Ivo Pietzcker diesen selbstständigen, weil eigentlich elternlosen Buben spielt, ist brillant. Es ist sein erster Auftritt im Kino – und vielleicht ist genau das der Grund für sein niemals gekünsteltes Spiel. Nicht minder beeindruckend sein Filmbruder Georg Arms. Wie diese beiden Burschen sich durch die Großstadt kämpfen, das ist bewegend, aufwühlend, anrührend. Regisseur Edward Berger beobachtet sie mit ruhiger Kameraführung bei nächtlichen Fahrten, beim Schlafen in einem geknackten Auto – und dem allabendlichen Klopfen an Mutters Tür. Bis zur starken Endszene, die dieses kleine Kunstwerk abrundet.

Katja Kraft

Rubriklistenbild: © Camino/Jens Harant

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