Serie startete zuerst als Flop in den USA

50 Jahre "Star Trek": Das wahre Traumschiff

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Mit ihnen fing alles an auf dem Raumschiff USS Enterprise: Die „Star Trek“-Besetzung 1967 mit (von links) Lieutenant Hikaru Sulu (George Takei), Commander Spock (Leonard Nimoy), Lieutenant Uhura (Nichelle Nichols), Captain James Kirk (William Shatner), Krankenschwester Christine Chapel (Majel Barrett), Sicherheitsoffizier Pavel Chekov (Walter Koenig), Chefarzt Dr. Leonard McCoy alias Pille (DeForest Kelley) und Chef-Ingenieur Montgomery Scott alias Scotty (James Doohan).

Normalerweise werden im Science-Fiction-Genre ganze Welten zerstört. „Star Trek" ist anders. Die TV-Serie, die nun 50 wird, ist eine positive Utopie, von der wir noch heute lernen können.

Die wichtigste Science-Fiction-Serie, die unsere Zukunft vorwegnahm, hätte beinahe keine Vergangenheit gehabt. Als der US-Sender NBC die Pilotfolge eines neuen Formats namens „Star Trek“ seinem Testpublikum zeigte, hieß es, das sei zu intellektuell.

Nach 79 Folgen wurde das Raumschiff Enterprise 1969 wegen schlechter Quoten sogar abgesetzt. Und trotzdem begann vor 50 Jahren eine Ära: Die Serie, die am 8. September 1966 in den USA als Flop startete und ab 1972 auch im ZDF lief, hat mit mehr als 700 Folgen, fünf Serien und 13 Kinofilmen Geschichte geschrieben und uns ein bisschen die Angst vor der Zukunft genommen.

Normalerweise wird im Science-Fiction-Genre gemetzelt, als gäbe es kein Morgen mehr. Meistens geht die Erde unter. Mit „Star Trek“ erschuf Erfinder Gene Roddenberry hingegen eine positive Utopie. Für den Jenaer Philosophie-Professor Klaus Vieweg ist die Serie eine Art „Traumschiff der aufgeklärten Gesellschaft“, das „eine optimistische Version der Zukunft“ zeichnet.

Die beste Generation: Captain Jean-Luc Picard (vorn Mitte, Patrick Stewart) flog mit seinem Team von 1987 bis 1994 durchs All.

In den Jahren 2265 bis 2269, in denen die erste Enterprise unterwegs ist, sind auf der Erde Rassismus und Kapitalismus überwunden. Captain James Kirk (William Shatner) befehligt eine Multikulti-Mannschaft, in der auch eine Schwarze und ein Russe Platz haben sowie ein Außerirdischer mit spitzen Ohren - der Halbvulkanier Spock (Leonard Nimoy), dessen logische Weltsicht ihn zum „unumstrittenen Philosophen“ der Serie macht, wie der echte Philosoph Vieweg sagt. Gemeinsam dringen sie in „Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat“, und stiften im Namen der Föderation Frieden, ohne andere Zivilisationen in ihrer Entwicklung zu beeinflussen, wie die oberste Maxime heißt. Davon könnte selbst die UN noch lernen.

Gegen die pazifistische und ambitionierte Enterprise wirkt George Lucas’ Weltraumsaga „Star Wars“ wie eine Kinofilm gewordene Kirmes-Schießbude. Roddenberry ging es nicht um Effekte, er behandelte große Themen wie Menschenrechte, Umweltzerstörung und Klassenunterschiede. Für Hauptdarsteller Shatner war „Star Trek“ „dann am besten, wenn es sich mit den Problemen der Gegenwart beschäftigt hat“.

Historischer Filmkuss 

Wie sehr die Serie ihrer Zeit voraus war, sah man in den US-Südstaaten, wo sich 1968 Sender weigerten, die Folge mit dem ersten Filmkuss zwischen einem Weißen und einer Schwarzen zu zeigen - Kirk hatte eine Affäre mit Offizierin Uhura (Nichelle Nichols).

Vor allem die zweite Serie „Das nächste Jahrhundert“ (1987 bis 1994) war ein Ereignis. Die sieben Staffeln mit Patrick Stewart als Captain Jean-Luc Picard und Brent Spiner als Androide Data, der so gern menschliche Gefühle hätte, wurden mit 18 Emmy-Fernsehpreisen ausgezeichnet.

Ab nächstem Jahr könnten noch einige Trophäen hinzukommen. Dann startet CBS die sechste Serie. In Deutschland soll „Star Trek: Discovery“ beim Streaminganbieter Netflix laufen, der jetzt schon als Zukunft des Fernsehens gilt.

„Star Trek“-Splitter 

Der Erfinder: Bevor sich Gene Roddenberry (1921-1991) „Star Trek“ ausdachte, arbeitete er als Autor für Western- und Polizeiserien. Die pazifistische Ausrichtung der Enterprise sei dem Ex-Bomberpiloten im Zweiten Weltkrieg wichtig gewesen, weil er „die schlimmste Seite der Menschheit gesehen“ habe, wie sein Sohn sagt.

Die Serien: „Raumschiff Enterprise“ (1966-1969), „Das nächste Jahrhundert“ (1987-1994), „Deep Space Nine“ (1993-1999), „Voyager“ (1995-2001), „Enterprise“ (2001-2005)

Die Kinofilme: Gab es 13. Der erste stammt aus dem Jahr 1979, der jüngste („Star Trek Beyond“) kam erst im Juli in die Kinos und ist schon wegen des Showdowns sehenswert, in dem der Beastie-Boys-Hit „Sabotage“ läuft.

Die Erfindungen: Jedes Mitglied der Enterprise besaß einen Kommunikator, einen Vorläufer des späteren Klapp-Handys. Auch Tablets konnte man in „Star Trek“ bewundern, lange bevor es das iPad gab. Auf andere Erfindungen müssen wir in der Realität hingegen noch warten: Essen gab es aus einem Replikator, und das Beamen, bei dem Menschen zerlegt und an einem anderen Ort wieder rematerialisiert werden, lässt noch auf sich warten. Der Satz „Beam me up, Scotty!“, den Captain Kirk zu seinem Chef-Ingenieur sagt, ist indes schon zur Redewendung geworden.

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