Johannes Heesters: Sein Leben als Dokumentarfilm

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Simone Rethel (hinten stehend) und Johannes Heesters Töchter Nicole (r) und Wiesje

München - Zu seiner Zeit war es Pflicht als Beau aufzutreten: Johannes Heesters galt als Charmeur und eroberte die Frauenherzen im Sturm. Die ARD zeigt sein Leben in der Reihe "Legenden".

Es sind Filmbilder aus einer anderen Zeit: Ein galanter Jüngling mit Hut, Fliege und Frack. An seiner Seite einige der hübschesten Frauen seiner Zeit wie Marika Rökk oder Brigitte Horney. Dazu zartschmelzende Lieder voller Liebe und Sehnsucht. Wenn Johannes Heesters auftrat - egal ob als Operettensänger oder Schauspieler - eroberte er die Frauenherzen im Sturm. Um die 70 Jahre ist es her, dass Jopie mit Filmen wie “Der Bettelstudent“ oder “Illusion“ zum Star wurde. Doch für sein Alter ist der 106-Jährige immer noch kraftvoll und charmant.

Zwar machen seine Augen nicht mehr mit und auch beim Laufen wird er gestützt, doch wenn der Niederländer singt, klingt die Lebensfreude in seiner Stimme. Das Erste hat ihm nun ein Filmporträt gewidmet. “Johannes “Jopie“ Heesters“ aus der Reihe “Legenden“ läuft am 23. Dezember um 21.45 Uhr.

So fit ist "Jopie" Heesters (106)

Gut gelaunt stellt Johannes "Jopie" Heesters den ARD-Film "Legenden" vor. Souverän tritt er vor der Presse auf: "Ich begrüße sie alle!" © Dennis Offhaus
Obwohl er fast erblindet ist, zeigt sich der Schauspieler lebensfroh. © Dennis Offhaus
Vor knapp zwei Wochen wurde Jopie Heesters 106 Jahre alt. © Dennis Offhaus
Johannes Heesters mit seiner Frau Simone Rethel. © Dennis Offhaus
Johannes Heesters mit seiner Frau Simone Rethel. © Dennis Offhaus
Wiesje (links) und Nicole (rechts) die Töchter von Johannes Heesters aus erster Ehe. © Dennis Offhaus
Die Töchter Wiesje und Nicole sind in die Fußstapfen des Vaters getreten. Wiesje ist Pianistin in Wien, Nicole Schauspielerin. Im Hintergrund Simone Rethel. © Dennis Offhaus

Mit Fotos und Filmausschnitten zeichnet Regisseur Philipp Engel Heesters' Lebensweg nach - von der Geburt als Sohn einer Kaufmannsfamilie im niederländischen Amersfoort über seine ersten Theaterengagements bis hin zu seinen großen Erfolgen beim Film und auf der Bühne. “Ich bin leider ach so schüchtern und das Reden fällt mir schwer“, singt der einstige Dandy - eine Behauptung, die man als charmante Untertreibung bezeichnen darf. Denn schüchtern wirkt Heesters wirklich nicht, und die Frauen lagen ihm zu Füßen. Dennoch hielt die Ehe mit Louisa H. Ghijs mehr als 50 Jahre, bis die Schauspielerin und Operettensängerin 1983 starb.

“Er war ein Mann, der wusste, wo sein Hafen ist“, kommentiert seine Tochter Wiesje. Auch seine Tochter Nicole, seine zweite Frau Simone Rethel sowie Freunde und Weggefährten kommen zu Wort, ebenso wie Heesters selbst. Engel schildert ihn als umjubelten Star, der vor allem als Graf Danilo in Franz Lehárs “Lustiger Witwe“ begeisterte, aber auch Ohrwürmer sang wie “Man müsste Klavier spielen können“ oder “Ich knüpfte manche zarte Bande“.

Jopie Heesters - seine große Karriere

Johannes Heesters war ein Dandy. In den 30er und 40er Jahren lagen ihm die Frauen zu Füßen. Klicken Sie sich durch seine Lebensgeschichte. © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Gegen den Kuss einer hübschen Frau hat der gebürtige Niederländer nichts einzuwenden. © dpa
In mühevoller Kleinarbeit werden die alten UFA-Filme von der Friedrich Murnau Stiftung restauriert. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Filme als Kulturgut zu erhalten. © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Die Frauen schmolzen bei diesem Blick dahin. Johannes Heesters war der Frauenschwarm schlechthin. © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Am 05. Dezember 1903 erblickte der Entertainer in dem niederländischen Amersfoort das Licht der Welt. © ap 
Johannes Heesters mit Ehefrau Simone Rethel. © ap
Auf seine Zigaretten verzichtet Jopie bis heute nicht. Zwei bis drei am Tag dürfen es schon sein. © ap
Bis heute trifft der Sänger und Schauspieler jeden Ton. © ap
Kleine Abstriche an das Alter musste Johannes Heester trotz allem machen. Er ist fast erblindet und hört schlecht. © dpa
Auf der Bühne fühlt sich der Entertainer zu Hause. © dpa
Im Zirkus Krone gemeinsam mit dem legendären Clown Oleg Popow. © dpa
Damals waren Gentleman noch gefragt. Ein Dandy war dafür bekannt, die Herzen der Frauen mit Leichtigkeit zu erobern. © ap
Als Kaiser Franz Joseph von Österreich. © dpa
Ausstellung mit alten UFA-Filmplakaten. © dpa
Als „Gott“ in „Jedermann“. Eine schwierige Rolle. © dpa
Verzaubert als Franz Joseph nicht nur die „Sisi“. © dpa
Ehren-Bambi: Bis zu seinem Lebensende erhält Jopie Heesters in jedem Jahr einen Ehrenbambi. Die Hubert Burda Media hat ein offizielles Versprechen gegeben. © dpa
Alte UFA-Filme erstrahlen dank digitaler Technik in neuem Glanz. © dpa
Ein Küsschen in Ehren...Johannes Heesters ist nicht abgeneigt. © dpa
Heute kann sich kaum noch ein Zuschauer vorstellen, wie es zur Zeit der schwarz/weiß Filme war. © dpa
Johannes Heesters gemeinsam mit Ehefrau Simone und zwei seiner Ur-Enkel. © dpa
Mit Margarethe Schmitz (l) und Romana Rombach als „Graf von Luxemburg“. © dpa
Die alten UFA-Filme müssen in mühevoller Kleinarbeit restauriert werden. Digital coloriert behalten sie einen wunderschön nostalgischen Charme. “Im weissen Rössl“ lief zuletzt beim SWR. © dpa
Zu Gast bei „Wetten dasss...?!“ © dpa
Mit Inge Meisel: Mit der verstorbenen Schauspielerin verband den Entertainer eine innige Freundschaft. © dpa
Da können sich die „Jungen“ eine Scheibe abschneiden! Johannes Heesters im Fitnessstudio. © dpa
100 Jahre, gerade hatte der Schauspieler ein Comeback mit dem Lied: „Die Kraft meines Lebens!“ © dpa
In Lehárs Operette “Die lustige Witwe„ verzaubert er wieder einmal die Damen-Welt. © dpa
„Die lustige Witwe“ heute sind Operetten größtenteils von Musicals abgelöst worden. © dpa
Die „DPA“ gratuliert Johannes Heesters zum 106. Geburtstag mit einem wunderschönen Strauss Tulpen. © dpa
Bis in die 80er Jahren galt es nicht als anstößig, wenn die Männer in den Filmen Whiskey tranken und die Frauen rauchten. Heute ist das Fernsehn klinischer geworden. © dpa
Liebevoll restauriert: Filmplakate aus der UFA-Zeit. © dpa
Zwei UFA-Legenden unter sich: Johannes Heesters mit Kollege Heinz Rühmann. © dpa
Johannes Heesters hat viele Ehrungen erhalten. © dpa
Johannes Heesters erinnert sich gerne an die Zeit als junger Frauenschwarm zurück. © dpa
Noch immer schmelzen Frauen bei Jopie dahin. © ap
UFA-Stars unter sich. Die glanzvollen Zeiten der alten Filmindustrie sind schon lange dahin. © ap
Ein Gemälde zu Ehren seines Jubiläums. © ap
Auch der ehemalige Ministerpräsident Franz Joseph Strauß gehörte zu Jopies Freunden. © ap
Heesters und seine Frau Simone Rethel-Heesters stehen im Oktober 2011 während der Gala zum 50-jährigen Bestehen der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof in München auf der Bühne. © dpa
Heesters feiert am 5. Dezember 2010 in Alboth's Restaurant im Kaisersaal in Erfurt seinen 107. Geburtstag. © dpa
Heesters feiert am 5. Dezember 2010 in Alboth's Restaurant im Kaisersaal in Erfurt seinen 107. Geburtstag, seine Frau Simone Rethel posiert mit ihm für Fotografen. © dpa
Heesters und seine Frau Simone Rethel-Heesters stehen am 31. Oktober 2011 während der Gala zum 50-jährigen Bestehen der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof in München auf der Bühne. © dpa
Heesters und Eva Probst während einer Theaterprobe "Ein gesegnetes Alter" von Curth Flatow am 22. Mai 1996 in Berlin. © dpa
Der österreichische Sänger und Schauspieler Peter Alexander (M.) steht am 21. Oktober 1970 zwischen seinen Gästen Anneliese Rothenberger und Johannes Heesters. © dpa
Jopie Heesters zeigt im Dezember 2010 auf der Bühne im Kaisersaal in Erfurt mit einer Geste, dass seine Stimme noch fit ist. © dpa
Jopie Heesters hält im Dezember 2010 neben seiner Frau Simone Rethel im Kaisersaal in Erfurt den gerade erhaltenen Ehren-Bambi. © dpa
Heesters steht im Dezember 2010 mit seiner Frau Simone Rethel im Kaisersaal in Erfurt. Mit einer großen Gala "Jopi - die 107. Revue" wird hier Heesters 107. Geburtstag gefeiert. © dpa
Heesters zeigt im Dezember 2010 auf der Bühne im Kaisersaal in Erfurt mit einer Geste seine Kämpfernatur. Mit einer großen Gala "Jopi - die 107. Revue" wird hier Heesters 107. Geburtstag gefeiert. © dpa
Heesters singt im Dezember 2010 auf der Bühne im Kaisersaal in Erfurt. Mit einer großen Gala "Jopi - die 107. Revue" wird hier Heesters 107. Geburtstag gefeiert. © dpa

Private Bilder und Aufnahmen zeigen ihn als liebevollen Vater, der seine Töchter mit der Kutsche in die Schule fährt, als vergnügten Gastgeber oder als Spaßvogel, der bei einer Einladung auf einmal im stibitzten Abendkleid der Gastgeberin erscheint. Auch das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus wird nicht ausgespart - eine Zeit, die Heesters viel Kritik einbrachte. Vor allem in den Niederlanden warfen ihm die Menschen vor, mit den NS-Machthabern kooperiert zu haben. Der Film zeigt ihn als unpolitischen Künstler, der seine Karriere verfolgen wollte, der das System aber nie aktiv unterstützte. “Es kommt rüber, dass er sich in der damaligen Zeit distanziert verhalten hat“, meint die fast 46 Jahre jüngere Simone Rethel, die seit 1992 mit ihm verheiratet ist.

Und Heesters erinnert sich: “Der Hitler hat mich, glaube ich, gerne gehabt, er hat auch gesagt, “du bist der beste Danilo, den ich jemals gesehen habe, und das soll ein Kompliment sein“.“ Auch der umstrittene Besuch des Operettenstars im Konzentrationslager Dachau wird aufgegriffen. Warum es dazu kam und was der Zweck dieses Besuchs war, bleibt jedoch weiter unklar. Fast 90 Jahre steht Heesters auf der Bühne.

Es sei faszinierend, dass er die ganze Entwicklung des Films miterlebt habe, von den Anfängen der Fotografie über den Stummfilm bis hin zu Farbfilmen, sagt Regisseur Engel. Als lebende Legende will sich der am Starnberger See lebende Jopie aber nicht sehen, meint zumindest seine Frau Simone: “Er will ja einfach aktiv dabei bleiben, das ist das, was sein Lebenscredo ist.“ Und auch Heesters selber träumt noch einmal von einer eigenen Rolle - nur für ihn geschrieben - ein bisschen wie die Quintessenz seiner 106 Jahre: “Das möchte ich noch machen, eine schöne Rolle, Charakter, komisch, dramatisch, dass man sagt, ja, das ist gelebt!“

dpa

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