Julie & Julia: Lebenskrisen einfach wegkochen

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Meryl Streep als Julia Child in Julie & Julia.

Julie und Julia haben etwas gemeinsam: Sie kochen sich aus ihren Lebenskrisen - die eine in den 60-er Jahren, die andere im New York der Gegenwart. Ein sehenswerter Leckerbissen.

Filmplakat zu Julie & Julia.

In Amerika ist sie so bekannt wie Lassie und Flipper: Fernsehköchin Julia Child. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte sie mit ihrem Mann, einem Diplomaten, jahrelang in Paris und besuchte dort die berühmteste Kochschule der Welt. Sie kehrte zurück ins Land von Fast Food, Dosenfutter und Tiefkühlpizza – und revolutionierte in den 60er Jahren die amerikanische Esskultur: mit einem bahnbrechenden Kochbuch und einer populären Fernsehshow. Ihre groteske Gestik war witziger als das Gehampel jedes Comedians, ihre schrille Stimme brachte jede Bratensoße zum Gerinnen – doch mit ihrer ansteckenden Begeisterung machte sie ihren Landsleuten Lust auf Bouillabaisse, Boeuf Bourguignon und Bordeaux.

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Rund vierzig Jahre später verfiel die frustrierte New Yorker Angestellte Julie Powell auf die verrückte Idee, in ihrer winzigen Küche innerhalb eines Jahres alle 524 Rezepte aus Julia Childs berühmtem Kochbuch nachzukochen. Ihre Erlebnisse schilderte sie in einem frechen, selbstironischen Internet-Blog, der zu einem sensationellen Erfolg wurde und schließlich auch in Buchform erschien. Nun hat Autorin und Regisseurin Nora Ephron („Schlaflos in Seattle“) kurzerhand die Memoiren von Julia Child und den autobiografischen Bestseller von Julie Powell miteinander verknüpft – zu einem Film über zwei mutige Frauen, die ihre jeweiligen Lebenskrisen meistern.

Für ihre Gourmet-Komödie konnte sie auf die besten Darsteller-Zutaten zurückgreifen: Mit sichtlicher Lust hat sich Meryl Streep sämtliche skurrilen Schrullen von Julia Child einverleibt. Dabei gelingt ihr das oscarreife Kunststück, nie in eine platte Parodie abzugleiten – sie macht den neugierigen, lebenslustigen, gutherzigen Menschen hinter der exzentrischen Fassade sichtbar. Und die wie immer glaubwürdige und anrührende Amy Adams, nach „Glaubensfrage“, „Nacht im Museum 2“ und „Sunshine Cleaning“ in diesem Jahr schon mit dem vierten Film am Start, verleiht der Stadtneurotikerin Julie Powell auch in emotionalen Tiefphasen hohe Sympathiewerte.

Nora Ephron hat ihren filmischen Leckerbissen liebevoll zubereitet und mit köstlichem Humor gewürzt. Ganz nebenbei handelt ihre Appetit anregende Komödie von Liebe und Leidenschaft in der Ehe, vom gemeinsamen Durchstehen harter Zeiten. Aber vor allem geht es natürlich ums Essen: Die Leinwand duftet förmlich nach sämtlichen Kräutern der Provence. Das Resultat ist eine echte Kino-Delikatesse: schmackhaft, sinnlich, saftig – aber dennoch luftig und leicht wie ein Soufflé. Kein Schuss in den Ofen, sondern Genuss ohne Reue.

Von Marco Schmidt

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