"Ihre schöne Kleidung führte zu stärkerem Selbstbewusstsein der Frauen"

TV-Ereignis mit Katharina Wackernagel: Kasselerin spielt Aenne Burda

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Aenne Burda (Katharina Wackernagel) hat das Ziel, eine Modezeitschrift auf den Markt zu bringen.

Mit historischen Stoffen kennt sich Katharina Wackernagel aus: Die Kasseler Schauspielerin wirkte schon in TV-Events wie "Contergan" mit. Heute ist sie in der ARD als Aenne Burda zu sehen.

Es wurde Zeit, dass wieder Farbe ins Leben einzieht. 1949 nahm in Deutschland die Wirtschaft an Fahrt auf. Und eine Frau hatte eine Vision: Aenne Burda wollte eine Modezeitschrift herausgeben, die Kundinnen unkompliziert ermöglichte, sich Kleidung zu schneidern. Doch sie stößt bei ihrem Mann, dem Verleger Franz Burda, auf Widerstand.

Eines Tages entdeckt sie, dass er im Nachbarort eine Zweitfamilie hat. Seine Geliebte macht genau das: ein Modemagazin herausgeben. Sie kämpft dafür, das zu übernehmen. Im ARD-Zweiteiler „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ spielt die Kasselerin Katharina Wackernagel die Unternehmerin.

Was ist Ihnen besonders wichtig gewesen in der Beschäftigung mit Aenne Burda?

Katharina Wackernagel: Als ich über die Persönlichkeit erstmals recherchiert habe, dachte ich zunächst, das Drehbuch hat einige Entwicklungen zugespitzt. Ich musste aber erfahren, dass sich alles genau so zugetragen hat. Bis hin zu der Szene, dass Aenne Burda, als ihr Mann endlich zustimmt, dass sie den Verlag bekommt, bei der Konkurrentin reinmarschiert und ihr den Verlag wegnimmt.

Sie verlangt viel und sie setzt viel aufs Spiel, es geht ihr nicht darum, gemocht zu werden – geht Aenne Burda zu weit?

Wackernagel: Mit ihrem Temperament ist sie sicher manchmal über das Ziel hinausgeschossen. Man kann aber nachvollziehen, wie sie handelt, wenn sie wieder einmal alles auf eine Karte setzen musste.

Zum Beispiel?

Wackernagel: Sie war finanziell sehr knapp und musste all ihren Schmuck verkaufen, um die Löhne zu bezahlen. Es war keineswegs sicher, dass sich nach dieser Aktion alles so entwickelt, dass der Betrieb weitergehen kann. Über die Stränge geschlagen hat sie meines Erachtens nicht. Sie ist stets verantwortlich für ihr Handeln eingestanden.

Manchmal fegt sie Sachen vom Tisch, wenn sie sich ärgert. War Aenne Burda so impulsiv?

Wackernagel: Ihr Sohn Hubert sagte mir, dass Temperament und Tatendrang seiner Mutter im Film gut dargestellt seien. Auch die Streitszenen zwischen seinen Eltern. Ich denke auch, dass die der Grund sind, warum die beiden zusammengeblieben sind.

Weil sie streiten konnten?

Wackernagel:Genau. Es gibt diesen Moment, wo der Fakt auf dem Tisch liegt, dass ihr Mann eine zweite Familie hat. In diesem Moment beginnt eine neue Zeit: Die Eheleute können sich ab sofort auf Augenhöhe begegnen.

Welche Rolle spielt diese Tragik um die Ehe für ihre berufliche Entwicklung?

Wackernagel: Sie ist das entscheidende Moment. Es ist nach meiner Erfahrung oft so, dass ein Tief im Leben ausschlaggebend ist, um Kraft zu schöpfen. Die Erschütterung führt auch bei Aenne dazu, dass sie aufwacht und ihr Leben selbst in die Hand nimmt.

Was 1949 für Frauen sicher nicht leicht war.

Wackernagel:Ich finde es wichtig, gerade der jungen Frauengeneration heute zu zeigen: Die Emanzipation gibt es noch gar nicht so lang, es ist keineswegs schon immer so gewesen, dass Frauen berufstätig sein durften – schon gar nicht einen Betrieb leiten. Oder auch nur, dass sie beim Abendessen am Tisch ihre Meinung kundtun konnten.

Es ist im TV immer noch etwas Besonderes, eine Frau zu zeigen, die nicht durchweg positiv ist. Warum eigentlich?

Wackernagel: Ich bedaure das, aber warum es so ist, kann ich nicht beantworten.

Als Aenne Burda raus aus dem Haus in die Berufstätigkeit geht, ändert sich ihre Kleidung, sie wird farbiger, aufwendiger. Was hat es mit Ihnen gemacht, beim Dreh Kostüme, Hut und Handschuhe zu tragen?

Wackernagel: Diese Kleidung hat mich unterstützt, die passende Haltung einzunehmen. Allerdings fühlt man sich mit einem Hut oder einem Pelzmantel schon seltsam. Ich würde privat nie Pelz tragen. Der Mantel war richtig schwer, ich musste proben, mich damit zu bewegen. Man hat einen anderen Radius.

Aenne Burda wollte schöne Farben, Stoffe und Schnitte nach dem Krieg zurück ins Stadtbild bringen. Welche Bedeutung hatte ihre Zeitschrift für Deutschland damals?

Wackernagel: Sie hat nicht für Emanzipation gekämpft, aber dass es schöne Kleidung gab, führte sicherlich zu einem stärkeren Selbstbewusstsein der Frauen. Und das verändert etwas. 

Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau: Mittwoch, 5. Dezember, 20.15 Uhr, ARD. Teil zwei am 12. Dezember.

Das ist Katharina Wackernagel

Katharina Wackernagel (40, ledig) wurde in Freiburg geboren und ist in Kassel aufgewachsen. Ihre Mutter ist Schauspielerin Sabine Wackernagel, ihr Bruder Regisseur Jonas Grosch. Mit 17 ergatterte sie die Hauptrolle in der Familienserie „Tanja“. Nach ihrem Fachabi an der Jacob-Grimm-Schule zog sie nach Berlin, wo sie bis heute lebt. Sie war in Filmen wie „Die Boxerin“, „Contergan“, „Das Wunder von Bern“, „Herbstkind“ und in Serien wie „Das Adlon“ und „Stralsund“ zu sehen. Privat kocht sie gern. Mit „Wenn Fliegen träumen“ gab sie gerade ihr Regiedebüt.

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