Geht der Sender damit zu weit?

Kindersender „Kika“ sorgt beim mit Busen-Memory und Video für Entsetzen

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Ein Busen-Memory oder eine Anleitung, wie Jungs einen BH öffnen: Der Kinderkanal sorgt mit einigen seiner jüngsten Beiträge für Kritik. Die AfD fordert sogar die Abschaltung der Kindersenders.

Ein Busen-Memory oder eine Anleitung, wie Jungs einen BH öffnen: Der Kinderkanal sorgt mit einigen seiner jüngsten Beiträge für Kritik. Die AfD fordert sogar die Abschaltung der Kindersenders.

Ein Busen-Memory, eine Anleitung, wie Teenager einen BH öffnen können oder ein Fremdsprachen-Spickzettel für die Bezeichnung weiblicher und männlicher Geschlechtsorgane: Nicht allen Zuschauern gefallen die jüngsten Beiträge des Projekts „Kummerkasten“ im Kinderkanal, dessen Zielgruppe eigenen Angaben zufolge Drei- bis 13-Jährige sind. Und auch von Menschenrechtsorganisationen hagelt es Kritik.

Die Homepage von Kika. Eine Momentaufnahme.

Bereits Ende November sorgte der Kika mit einem Busen-Legespiel für Verwirrung. „Glockenform, Tropfenform, Asymmetrische Form. Wovon wir reden? Na von Brüüüüsteeen!“ heißt es auf der Internetseite mit Verweis auf das Memory. Doch wie soll ein solches Spiel zur Aufklärung von Kindern beitragen? „Unter Einbeziehung der Perspektive von Jungen und spielerischen Ansätzen gehe es um die Botschaft, wie unterschiedlich Brüste sein könnten und dass das normal sei“, zitiert welt.de die Ausführungen einer Sprecherin des Senders. 

„Ermutigt Jungs schon im Kindesalter, Mädchen buchstäblich an die Wäsche zu gehen“

Anfang Dezember veröffentlichte der Sender dann ein Video, in dem drei männliche Teenager versuchen, an einer Schaufensterpuppe den BH zu öffnen. Der Beitrag erntete viel Kritik, unter anderem von der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“. „Das ist ein völlig falsches Signal an die KiKa-Zielgruppe der 3- bis 13-jährigen Kinder. Es ermutigt Jungs schon im Kindesalter, Mädchen buchstäblich an die Wäsche zu gehen“, wird Inge Bell, „Terre des Femmes“-Vorstand, anschließend in einem Interview mit der Bild-Zeitung zitiert. Inzwischen ist das Video nicht mehr online zu finden, stattdessen folgende Erklärung: „Hinweis für Erwachsene: zum Schutz unserer Protagonisten haben wir uns dazu entschlossen, ab 19. Januar 2018 den Clip „BH öffnen“ vorläufig nicht mehr zur Verfügung zu stellen“. Gemeint dürfte hier der Migrationshintergrund der Protagonisten sein, der unter anderem von der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) als Aufhänger für empörte Posts auf Facebook diente.

AfD will KiKa abschalten 

Für die AfD sind die negativen Schlagzeilen über den Kika nämlich eine Steilvorlage. Nach der Veröffentlichung des Videos „BH öffnen“ forderte AfD-Vorsitzende Alice Weidel die Abschaltung des Senders. „+++Teilen und helfen: Kika-Sendebetrieb jetzt einstellen!+++“ schrieb sie am 25. Januar auf ihrer Facebook-Seite.

Ein ähnlicher Post findet sich auf der Facebook-Seite der Partei. Dort heißt es am 24. Januar: „++Es reicht, KiKa! Hände weg von unseren Töchtern! ++“

In sozialen Netzwerken erntet dieser Vorschlag Spott und Hähme. Unter dem Hashtag #AfDKiKa verbreiten Twitter-User Vorschläge (ironisch, versteht sich), für neue Sendungen im Kinderkanal, die der AfD besser gefallen könnten: 

Von Seiten des Senders gibt es auf Anfrage unserer Redaktion folgende Stellungnahme, die wir an dieser Stelle in Gänze wiedergeben möchten:

„Das Projekt entsteht in Kooperation von KiKA und "Diakonische Werk Berlin-Brandenburg - schlesische Oberlausitz e.V." (DWBO). Die Aufgabe des DWBO ist es, die individuelle, anonyme und vertrauliche Beratung durchzuführen. Darüber hinaus gibt das DWBO aus der Beratungspraxis Themenvorschläge verbunden mit einem Beratungsansatz an die Redaktion weiter, eine Fachberaterin des DWBO ist im TV und online präsent. Die im "Kummerkasten" behandelten Themen entstammen also unmittelbar der Lebenswelt und dem Beratungsbedarf unserer Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die Sendung "Alles klar im BH!" basiert ebenso auf einer Vielzahl an Fragen von vor allem 10-13-Jährigen Mädchen. Der Tenor der Fragen spiegelt die Verunsicherung junger Mädchen Beginn ihrer Pubertät, die sich unsicher sind, ob sie einen BH tragen sollen, wie sie den passenden finden und mit wem sie darüber reden können. Diesen Mädchen liefern Sendung und das Onlineangebot Hilfestellung. Unter Einbeziehung der Perspektive von Jungs und spielerischen Ansätzen geht es um die Botschaft, wie unterschiedlich Brüste sein können und dass das alles normal ist, eine wichtige und tröstliche Erkenntnis für Mädchen, die sich gerade in der Pubertät beginnen mit anderen zu vergleichen und sich durch Unterschiede verunsichern lassen. Das "Busen-Legespiel" und der Clip zum BH-Öffnen folgen diesem Ansatz und sind Elemente des Onlineangebotes, die aktiv von den Nutzerinnen und Nutzern gesucht werden müssen. Bei der Auswahl der Protagonisten spielte ein eventueller Migrationshintergrund keine Rolle.

Das Thema "sexuelle Belästigung" ist in keiner Weise Gegenstand dieser Sendung oder der Clips. Wir weisen zurück, dass alleine durch die Erscheinung der Protagonisten das Thema "Migration" oder das Thema "sexuelle Belästigung" oder gar eine Verbindung von beidem in irgendeiner Form gesetzt oder auch nur berührt wird. Allein zum Schutz der minderjährigen Protagonisten stellen wir den Videoclip auf unserer Mediathek nicht zur Verfügung.“

va

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Erschütternder Bericht: Kinderschänder schauen im Gefängnis KiKa


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