"Das Bourne Vermächtnis": Auch ohne Matt Damon ein Renner?

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Diesmal spielt Jeremy Renner als Aaron Cross die Hauptrolle.

Berlin - Die erfolgreiche Bourne-Saga geht in die nächste Runde - diesmal statt Matt Damon mit Jeremy Renner in der Hauptrolle. Ob die Fortsetzung dennoch den Kinobesuch lohnt? Hier unsere Filmkritik:

Mit rasant gefilmter, handgemachter, knallharter Action avancierte die Jason-Bourne-Trilogie zum Trendsetter: Sogar James Bond wurde inzwischen „bournifiziert“. Doch die Bourne-Saga zählt nicht nur zu den einflussreichsten, sondern auch zu den kommerziell erfolgreichsten Thrillern aller Zeiten. Eine Fortsetzung war quasi unvermeidlich – obwohl Jason Bournes Geschichte auserzählt war und sich weder Regisseur Paul Greengrass noch Hauptdarsteller Matt Damon erneut locken ließen. Immerhin ist mit Tony Gilroy der Drehbuchautor der ersten drei Filme wieder mit an Bord. Doch wo Bourne draufsteht, ist diesmal nicht Bourne drin.

Gilroy erzählt in „Das Bourne Vermächtnis“ von dem CIA-Killer Aaron Cross, der aus demselben Superagentenstall stammt wie Bourne und der ebenso von den eigenen Leuten gejagt wird. Die Handlung ist parallel zum dritten Film angesiedelt: Nach dem Bourne-Skandal beschließt Geheimdienst-Koordinator Eric Beyer (Edward Norton), die Auftragsmörder aller geheimen Regierungsprogramme zu eliminieren. Doch Cross (Jeremy Renner), durch pharmakologische Eingriffe stärker und widerstandsfähiger als gewöhnliche Menschen, entgeht dem Attentat. Die Ärztin Marta Shearing (Rachel Weisz) hilft ihm bei der Flucht und versorgt ihn mit den nötigen Medikamenten. Daraufhin werden beide von sämtlichen Geheimdiensten rund um den Globus gehetzt.

Ein Bourne-Film ohne Bourne – geht das überhaupt? Ja, denn trotz des Etikettenschwindels („Renner rennt“ wäre zweifellos ein passenderer Filmtitel) fügt sich dieses Action-Abenteuer wunderbar ins Bourne-Universum ein. Gilroy hat ein intelligentes, komplexes, gut recherchiertes und glaubwürdiges Drehbuch verfasst und diesmal kurzerhand selbst die Regie übernommen. Dass er inszenieren kann, hat er mit Filmen wie „Michael Clayton“ längst bewiesen. Nachdem der dritte Teil der Serie in puncto Dynamik und Schnittfrequenz nicht zu toppen war, wählt Gilroy klug den Weg der Entschleunigung: Er nimmt sich Zeit zur Einführung der Figuren, setzt zu Beginn auf niedriges Tempo und hohe Dialogdichte und zieht die Spannungs-Schraube erst allmählich an. Höhepunkt der – wie es sich für die Serie gehört – handgemachten, naturalistischen und schnörkellosen Action-Sequenzen ist eine abenteuerliche Motorrad-Verfolgungsjagd durch das chaotische Straßenlabyrinth von Manila. Edward Norton als skrupelloser Schreibtischtäter und Rachel Weisz als wendige Wissenschaftlerin agieren wie üblich auf hohem Niveau. Und dank Jeremy Renner, der schon in „Marvel’s The Avengers“ Superagenten-Luft schnuppern durfte, vermisst man sogar Matt Damon nicht: Renner hat mehr Ecken und Kanten als sein Kollege, ist durchtrainierter und markanter – und empfiehlt sich mit seinem intensiven, körperbetonten Spiel eindrucksvoll für weitere Fortsetzungen.

Marco Schmidt

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