Ein Film über Leistung

Kinofilm "Chevalier": Immer höher, schneller und weiter

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Wer baut das Regal am schnellsten auf? Die sechs Freunde verkürzen sich ihren Yacht-Trip mit einem Wettbewerb.

München - „Chevalier“ ist ein subtiler Film über Leistungswettbewerbe unter Männern. Die Regisseurin beobachtete dabei treffend, vergisst aber nie ihren lakonisch-ironischen Blick.

Der Anfang erinnert von fern an einen Bond-Film: Eine Gruppe Froschmänner mit Harpunen taucht aus dem Meer auf, klettert an Land. Auch wenn sich keine Bösewichte aus den Gummihäuten schälen, sondern Wohlstands-Plauzen: Es bleibt ein sinistrer Unterton.

„Chevalier“ spielt viel mit solchen Anklängen, Ahnungen, erzählt gern über Aussparungen. Die Oberfläche bleibt scheinbar zivilisiert: Sechs Freunde mittleren Alters verkürzen sich bei ihrem Luxusyacht-Trip in der Ägäis den Heimweg mit einem Wettbewerb. Jeder wird bei allem bewertet. Ob selbstgestellte Aufgaben, Anruf bei den Lieben daheim, Blutwerte, Schlafhaltung oder (freilich, weil: Männer...) der Schwanzvergleich – für alles gibt es Noten. Der Preis für den Besten: ein Siegelring, ein „Chevalier“.

Der Film lässt einen dabei bewusst nicht mitfiebern, blockt die simple Spannungs-Emotionalität. Wenn er überhaupt einen Sympathieträger hat, dann am ehesten den moppeligen Dimitris (Makis Papadimitriou) – Siegchancen: Null.

Regisseurin Athina Rachel Tsangari ist eine Initiatorin des kleinen griechischen Kinowunders der vergangenen Jahre, mitverantwortlich für „Dogtooth“, „Alpen“ – und den wunderbaren „Attenberg“, in dem sie eine animalische Weiblichkeit ausgelotet hatte. Diesmal beobachtet sie eine reine Männerwelt, behält aber ihren staubtrocken-lakonischen Humor bei, ihre spöttische Distanz. „Chevalier“ ist ein trügerisch ruhiger Film über Männerrituale und Dominanzgebaren. Aber freilich auch lesbar durch das Prisma der griechischen Gegenwart, mit wirtschaftlichen Verwerfungen und der Angst, im Ranking abzurutschen. Nicht zuletzt ist es ein hinterlistiger Film über die Tyrannei unserer Kultur des ständigen Bewertungszwangs.

„Chevalier“

mit Yorgos Kentros

Regie: Athina Rachel Tsangari

Laufzeit: 104 Minuten

Sehenswert

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