Spielfilm über Cousteaus Karriere

„Jacques“: Umstritten, nicht abgenudelt

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Bereit machen für die nächste Meerestour: Jacques Cousteau (Lambert Wilson).

München - „Jacques“ zeigt die kritischen Seiten von Cousteau - denn nicht alles war damals heldenhaft. Herausgekommen ist keine schlechte Biografie-Rundfahrt.

Die Leute wollen nicht die komplexe, fragmentarische Wahrheit – sie wollen vertraute, geschlossene Geschichten. Das hat Jacques Cousteau begriffen. Und sich in Montage und Kommentar seiner legendären Unterwasser-Dokus viel künstlerische Freiheit genommen. Seine Serie „Geheimnisse des Meeres“ machte ihn zu einem Helden jeder Siebzigerjahre-Kindheit: mit der „Calypso“ unterwegs in allen Weltmeeren, die rote Strickmütze fest auf dem Haupt.

Tatsächlich war nicht alles so heldenhaft: die Filme oft manipulativ, sein Umgang mit Tieren zweifelhaft, die Expeditionen von der Ölindustrie gesponsert und Cousteau privat nicht gerade der liebevollste Mann und Vater. „L’odyssée“ (O-Titel) zeichnet den Kurs von Cousteaus Karriere nun als Spielfilm nach. Und wie es sich für eine Filmbiografie gehört, müssen sich die Verwirbelungen des Lebens fügen in gediegene Ästhetik und dramaturgische Standard-Bögen.

Immerhin, Jérôme Salles Film absolviert seinen Wikipedia-Durchmarsch zügig, mit vernünftigem Verhältnis von Intimität und Aufwands-Protzerei. Bei den Unterwasser-Sequenzen hilft der PC allerdings etwas zu oft nach. Statt der abgenudelten Reihe „Aufstieg, Fall und Läuterung des Helden“ wählt er als Plot den interessanteren „Kampf des Sohns um Anerkennung des Vaters“. Und für Biopic-Verhältnisse diktiert er, vom schamlosen Brahms-Einsatz abgesehen, nicht zu platt die Emotionen, lässt seinem hervorragenden Ensemble Raum für Zwischentöne. Kein berauschender Tiefgang, aber nicht die schlechteste Biografie-Rundfahrt.

„Jacques“

mit Lambert Wilson, Pierre Niney Regie: Jérôme Salle

Laufzeit: 122 Minuten

Sehenswert

Eine bessere Cousteau-Hommage ist Wes Andersons „The Life Aquatic with Steve Zissou“.

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