Kasperltheater 

Kinofilm „Split“: Prätentiöse Bedeutsamkeitshuberei

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Kinostart - "Split"

München - M. Night Shyamalan will in „Split“ von Außenseitern erzählen – und driftet ins Alberne ab.

Das wahre Markenzeichen von M. Night Shyamalan sind nicht (pseudo-)überraschende Schlusswendungen. Es ist seine prätentiöse Bedeutsamkeitshuberei. Am besten ist er, wenn das mit dem Gewicht der Geschichte in Balance ist („The Village“) oder wenn er etwas locker lässt (der unterschätzte „The Visit“). „Split“ hingegen ist der Ernstfall. Der Film kommt daher mit grämlicher Miene und schleppendem Gang einer veritablen Tragödie. Die Grundkonstellation hätte durchaus einen brauchbaren psychologischen Kammerspiel-Thriller abgeben können, wäre sie am Boden plausibler Figurenzeichnung geblieben. Drei Frauen werden von einem Mann mit multipler Persönlichkeit entführt. Aber schon schleicht sich die Absurdität ein. Die 23 Ichs im Kopf des Manns kämpfen gegen die Ankunft eines bedrohlichen 24. Selbst.

Dann geht’s dahin: Zwei Figuren werden dem Film zu bloßem Kanonenfutter; (Kindes-)Missbrauch vom Thema zum Zahnrädchen der Handlung; psychische Krankheit zum Kasperltheater. Der Film will etwas sagen über Außenseiter, doch je mehr seiner überdehnten Laufzeit verstreicht, desto mehr dreht er in albernste Genre-Exzesse ab. Freilich sind trashige B-Pictures legitim – nur nervig, wenn ihr Zweit-Ego sich für einen Oscar-Anwärter hält.

„Split“

mit James McAvoy Regie: M. Night Shyamalan Laufzeit: 117 Minuten

Erträglich

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