Der Krieger hat seinen Stolz

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Egomane und Regisseur James Cameron mit Schauspielerin Sigourney Weaver.

Berlin - Der Krieger hat seinen Stolz Regisseur James Cameron und Schauspielerin Sigourney Weaver präsentieren das Kino-Spektakel „Avatar“.

„Was für einen Scheiß erzählen Sie denn da?“ oder „Hat Jemand eine bessere Frage?“, das sind so die Antworten von Regisseur James Cameron bei der Pressekonferenz zu seinem neuen Film „Avatar“, der am Donnerstag startet.

Nur nicht am Genie zweifeln

So kennt und fürchtet man den kanadischen Egomanen, der es gar nicht mag, wenn man sein Genie anzweifelt. Fairerweise muss man Cameron zugestehen, dass an diesem kalten Dezembertag in Berlin einige Fragen der anwesenden Medienvertreter nur bedingt journalistischen Standards genügen.

Auch weiß man nicht, wie man selbst reagieren würde, wenn man über vier Jahre und sehr, sehr viel Geld in ein derart ehrgeiziges Projekt wie „Avatar“ investiert hätte, um dann ziemlich dämliche Fragen gestellt zu bekommen. Cameron jedenfalls hat nicht die Geduld für diese Art von Veranstaltung. Hatte er noch nie. Der 55-Jährige mag es generell nicht, wenn man seine Arbeit nicht würdigt.

 Cameron führt Krieg, immer und gegen jeden. Das jedenfalls ist das Bild, das der 1,90- Hüne gerne von sich zeichnen lässt. Dass er in seinen Filmen und privat eine Schwäche für starke und unabhängige Frauen hat, ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Der Mann braucht einen mächtigen Widerpart, als Krieger hat man seinen Stolz. Dieser Stolz ist aber auch Camerons Achillesferse.

Erster Kinofilm nach "Titanic"

Er will nicht einfach nur einen neuen Film vorstellen, er möchte, dass er als Meilenstein anerkannt wird. Und natürlich spürt er einen gewaltigen Druck. 1997 hat er mit „Titanic“ den erfolgreichsten Film aller Zeiten vorgelegt und seitdem keinen Spielfilm mehr gedreht. Viel hängt für Cameron jetzt von „Avatar“ ab: Er hat wie besessen daran gearbeitet und eigens ein spezielles Kamerasystem entwickelt, das die Bewegungen und die Mimik der Schauspieler dreidimensional digital erfasst und so eine ganz neue Form der Computeranimation ermöglicht.

Tatsächlich verschwimmen die Grenzen zwischen Realfilm und Animation in „Avatar“ auf spektakuläre Weise. Angeblich 300 Millionen Dollar hat die Produktion verschlungen, aber die Frage nach dem Geld kommt nicht gut an bei Cameron. Das sei eine völlig sinnlose Frage. „Der Zuschauer bekommt den Film für den Preis einer Kinokarte, egal wie viel er uns gekostet hat. Das ist für den Zuschauer ein ideales Geschäft. Alles andere ist uninteressant.“

Eigentlich will der Regisseur überhaupt nicht reden, über gar nichts, das wird im Laufe der Dreiviertelstunde im Hotel deutlich. Ob „Avatar“, die Geschichte der Plünderung eines intakten Planeten und Unterdrückung seiner Einwohner durch die Menschen, ein Kommentar zu den aktuellen Feldzügen der USA sei, will man wissen und Cameron knurrt: „Es geht nicht um die USA, es geht um uns alle. Wie wir unseren Planeten behandeln, wie wir mit Ressourcen umgehen, unbekannten Kulturen begegnen. Amerika wurde ja zunächst von Spaniern und Portugiesen erobert.

Ich habe den Film gemacht, wie er gemacht werden musste und ich bin sehr stolz darauf.“ Warum es so lange gedauert habe, bis er einen neuen Spielfilm gemacht habe, wird dann gefragt – und plötzlich wirkt Cameron merkwürdig entspannt: Es habe eben so lange gedauert, bis er mit der technischen Umsetzung der Geschichte zufrieden gewesen sei. Und dazwischen habe er Dokumentationen über die Tiefsee gedreht und eine Auszeit von Hollywood genommen.

„Es war meine Entscheidung, eine Pause zu machen, es war meine Entscheidung sie zu beenden.“ Die Botschaft ist klar: Cameron hat das Sagen. Am Filmset und außerhalb. Man beginnt zu ahnen, was Hauptdarsteller Sam Worthington meinte, als er zuvor lächelnd sagte: „Mit Cameron dreht man keinen Film, man lebt ihn.“ Cameron geht keine Kompromisse ein, nie. Vielleicht sind die, die an ihm herummäkeln nur neidisch auf diesen letzten aufrechten Krieger Hollywoods.

Zoran Gojic

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