Kritik zum Tatort aus Berlin: "Wuchtiger Realismus"

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Vorstellung der neuen Berliner "Tatort"- Kommissare

Ein krasser Fall, der einen sprachlos machte, tolle Schauspieler und ein kleiner Skandal: „Wir – Ihr – Sie“ war der bislang beste Berliner "Tatort" mit dem neuen Duo, findet unser Kritiker Matthias Lohr.

Der Kollege ist immer noch ganz traurig, dass es den Berliner „Tatort“ mit Boris Aljinovic und Dominic Raacke nicht mehr gibt. Mit deren Nachfolgern kann er nichts anfangen, seitdem Meret Becker in ihrem ersten Fall als Nina Rubin Brutalo-Sex auf dem Parkplatz hatte. Nun sah man zudem ihren Kollegen Mark Waschke als Robert Karow, wie er es sehr freizügig mit einem Mann trieb.

War das noch „Tatort“ oder schon Youporn? Der Boulevard hatte sich darüber bereits vorher aufgeregt. Dabei kann der homophobe Teil einer Gesellschaft, für den Hetero-Sex allgegenwärtig ist, vielleicht nur durch solche Szenen seine Penetrationsangst verlieren. Leider vergisst man bei der Aufregung um den schwulen Sex fast, wie gut die Folge „Wir – Ihr – Sie“ nach dem Drehbuch von Dagmar Gabler war, in der eine Mutter brutal von einem Auto überfahren wurde.

Die Empathielosigkeit der drei Mädchen wird einen noch am Ende der „Tatort“-Sommerpause erschaudern lassen. Torsten C. Fischer, der 2011 schon die denkwürdige Münchner Folge „Ein ganz normaler Fall“ über einen Mord in der Synagoge gedreht hatte, setzte auf wuchtigen Realismus. Waschke braucht nur sein zurückgenommenes Spiel und wenige Worte, um die Zerrissenheit seiner geheimnisvollen Figur zu zeigen – nicht umsonst gilt er als deutscher Paul Newman.

Falls es Karow und Rubin irgendwann nicht mehr geben sollte, wird man sehr traurig sein.

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