Loveparade: Drama kommt ins Fernsehen

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21 Menschen starben bei der Katastrophe 2010

Mainz - Wie es zur Loveparade-Katastrophe kommen konnte, zeigt das ZDF kurz vor dem ersten Jahrestag: Die Mainzer haben eine Doku-Fiction gedreht, also eine Mischung aus Dokumentation und fiktionalen Szenen.

Bei der Loveparade 2010 starben 21 Menschen, 500 wurden verletzt. Wie es dazu kommen konnte, zeigt das ZDF kurz vor dem ersten Jahrestag: Die Mainzer drehten eine Doku-Fiction, also eine Mischung aus Dokumentation und fiktionalen Szenen.

Wer im „Stapel“ landete, wird die Erinnerung nicht mehr los. „Stapel“, den Namen prägten Rettungskräfte, die unmittelbar nach der Katastrophe die vielen Menschen verkeilt ineinander gefunden haben. Wie viele Techno-Fans sich auf dem Gelände aufhielten, ist unklar. Es kursieren Zahlen zwischen über einer Million und mehreren Hunderttausend. Klar ist nur: Es sind viel zu viele.

Emotionale Momente des Jahres 2010

Januar 2010: Am 12. Januar erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0 auf der Richterskala die Karibik-Insel Haiti. Eine genaue Zahl der Todesopfer gibt es nicht, aber es sollen bis zu 300.000 sein. Auch die Sachschäden sind immens. Bis Jahresende herrscht noch immer Chaos in Haiti. © ap/dpa
Haiti: Eine Cholera-Epidemie fordert im Spätherbst weitere Opfer. Eingeschleppt wurde die Krankheit vermutlich durch verseuchte Wasserkanister der Vereinten Nationen aus Nepal. © ap/dpa
Januar 2010: Feststeckende Autos in meterhohen Schneewehen, von der Außenwelt abgeschnittene Ortschaften, Räumdienste im 24-Stunden-Einsatz: Sturmtief “Keziban“ legt Mecklenburg-Vorpommern mit immer neuem Schnee nahezu still. © dpa
Januar 2010: Der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg bringt eine Lawine ins Rollen, deren Aufarbeitung noch Jahre dauern wird. Die systematische Vertuschung von Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche heute wie vor Jahrzehnten erschüttert ganz Deutschland und beschäftigt die Deutschen noch das ganze Jahr. © ap/dpa
Januar 2010: Der höchste Wolkenkratzer der Welt ist eröffnet: 828 Meter misst der Burj Chalifa in Dubai. Der Herrscher des Emirats enthüllte vor tausenden staunenden Einwohnern und Touristen eine Tafel am Fundament des 1,5 Milliarden Dollar (970 Millionen Euro) teuren Büroturms. © dpa
Februar 2010: Der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz bekommt einen Oscar, den Bambi und einen Golden Globe für seine Rolle als SS-Standartenführer Hans Lada in Quentin Tarantinos Film "Inglourious Basterds". © ap/dpa
Februar 2010: Ein Erdbeben der Stärke 8,8 auf der Richterskala hat Chile verwüstet. Es ist eines der stärksten Beben in der Geschichte des Landes. Hunderte Menschen sterben durch die Naturgewalt. © ap/dpa
Februar 2010: Die Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischöfin Margot Käßmann fährt am 20. Februar mit 1,54 Promille Alkohol im Blut mit ihrem Dienstwagen über eine rote Ampel in Hannover. Eine Streife stoppt sie. Vier Tage später tritt Käßmann von ihren Ämtern zurück, obwohl sie sich des Rückhalts des Rats der EKD sicher sein kann. Sie sagt: "Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand". © ap/dpa
März 2010: Erstmals bricht der isländische Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull im März aus. Mitte April sorgt die Vulkanasche, die er kilometerhoch in die Luft schleudert, für Behinderung im europäischen Flugverkehr. © ap/dpa
Februar 2010: Am 28. Februar reißt das Orkantief “Xynthia“ in Europa mehr als 50 Menschen in den Tod, darunter vier in Deutschland. © dpa
Februar 2010: Von der im Eis eingeschlossenen Urlaubsinsel Hiddensee vor der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste werden Urlauber mit dem Hubschrauber ausgeflogen. © dpa
Februar 2010: Ein 23-Jähriger dringt mit einem Kampfmesser und einer Schreckschusspistole bewaffnet in die Technische Berufsschule Ludwigshafen ein und ersticht seinen früheren Lehrer. Der Täter wird später festgenommen. © dpa
März 2010: ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann wird bei der Rückkehr von den Olympischen Spielen am Frankfurter Flughafen verhaftet: Der 51-jährige Schweizer soll nach einem Streit seine langjährige Freundin gegen deren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Der Prozess dauert an. © dpa
April 2010: In Shanghai wird die Expo 2010 mit einem Feuerwerk eröffnet. © dpa
April 2010: Auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon, die der britische Mineralölkonzern BP im Golf von Mexiko von der US-Firma Transocean geleast hat, kommt es zu einem Blowout. Das bedeutet, dass es eine Explosion auf der Plattform gibt. Sie gerät in Brand. Nach zwei Tagen sinkt die tonnenschwere Stahlkonstruktion. Bis Mitte Juli strömen abertausende Liter Öl aus 1500 Metern Tiefe ins Meer und verursachen die größte Ölpest in der Geschichte des Golfs von Mexiko. Erst im September kann das Leck am Bohrloch entgültig geschlossen werden. © ap/dpa
April 2010: Deutschland betrauert den Tod von insgesamt sieben Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan. An Karfreitag kommen drei Soldaten ums Leben, knapp zwei Wochen später sterben vier weitere Soldaten im Einsatz. Im Oktober fällt ein deutscher Soldat einem Selbstmordattentat auf seine Patrouille zum Opfer. © dpa
April 2010: Polens Präsident Lech Kaczynski stirbt beim Absturz eines Flugzeugs und mit ihm seine Frau und mehrere Mitglieder der Regierung. Viermal versucht der Pilot zu landen bevor die Maschine abstürzt. © ap/dpa
Mai 2010: Die Schülerin Lena Meyer-Landrut vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest und gewinnt als erste Deutsche seit 1982. Zuletzt holte Nicole mit "Ein bisschen Frieden" den Sieg. Lenas Song "Satelite" wird zum Sommerhit. © ap/dpa
Mai 2010: Schüsse und Explosionen bei schweren Straßenschlachten erschüttern das Zentrum der thailändische Hauptstadt Bangkok am 14. Mai: Binnen 24 Stunden gibt es acht Tote, 101 Menschen werden verletzt. Deutsche Veranstalter sagen Reisen in die thailändische Hauptstadt ab. © dpa
Mai 2010: Wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornos wird der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss vom Landgericht Karlsruhe zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. © dpa
Juni 2010: Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler wegen seines Interviews zum Afghanistan-Einsatz wählt die Bundesversammlung am 30. Juni einen neuen Bundespräsidenten. Am 2. Juli wird Christian Wulff (CDU) vereidigt und ist der erste Mann im Staat. © ap/dpa
Juni 2010: Nicht nur das Tröten der Vuvuzelas hallt noch immer in unseren Ohren. Die Stimmung der Fans in Südafrika erinnerte an das Sommermärchen 2006 in Deutschland. Auch die Platzierung der deutschen Nationalelf war die Gleiche: Das DFB-Team belegte Platz 3, den WM-Titel sicherte sich Spanien. © ap/dpa
Juni 2010: Krake Paul aus dem Sea Life Center in Oberhausen orakelt zur Fußball-WM über die Siege und Niederlagen der deutschen Nationalelf - und liegt damit erstaunlich richtig. © ap/dpa
Juni 2010: Es ist wie im Märchen: Kronprinzessin Victoria von Schweden heiratet nach sieben Jahren Beziehung ihren bürgerlichen Fitnesstrainer Daniel Westling. Ein wunderbares Zeichen dafür, dass die Liebe alle Grenzen überwinden kann. Die Zeremonie rührt am 19. Juni Millionen Menschen in Stockholm und vor den Fernsehgeräten in aller Welt zu Tränen. © ap/dpa
Juli 2010: Wegen außergewöhnlich starken Monsunregens kommt es in Pakistan zu einer schlimmen Flutkatastrophe. Laut den Vereinten Nationen sind 14 Millionen Menschen betroffen. Sie haben alles verloren, sind obdachlos, leiden Hunger und Durst. Krankheiten breiten sich aus. Vor allem Kinder leiden noch immer. Bis zum Jahresende haben sich die Lebensumstände für den Großteil der Betroffenen noch nicht wieder normalisiert. © ap/dpa
Juli 2010: Während einer Freizeit des Stadtsportbundes Osnabrück auf Ameland haben Jugendliche und Kinder nach Angaben der Staatsanwaltschaft andere Teilnehmer brutal sexuell gedemütigt. © dpa
Juli 2010: Am 24. Juli wollen nach Veranstalterangaben rund 1,4 Millionen Menschen die Loveparade feiern. Auf dem Weg zur Bühne bricht in einem Tunnel Panik aus. 21 Menschen sterben im Gebdränge oder an ihren Verletzungen, mehrere Hundert sind verletzt worden. Die Aufarbeitung des Unglücks dauert noch an, der Veranstalter hat sich inzwischen entschuldigt. © ap/dpa
Juli 2010: Stickige Hitze in drei ICE mit ausgefallener Klimaanlage auf dem Weg von Berlin nach Köln/Düsseldorf machen rund 1.000 Bahnfahrgästen zu schaffen; 27 Schüler erleiden sogar einen Kollaps. Sie werden mit Reisegutscheinen und 500 Euro in bar entschädigt. Doch die Bahn tut sich in der Folgezeit schwer, die Probleme mit ihren Klimaanlagen zu lösen. © dpa
Juli 2010: Das französische Parlament verabschiedet am 13. Juli nach monatelangen Diskussionen ein landesweites Burka-Verbot. © dpa
August 2010: Am 5. August ereignet sich in Chile in 700 Metern Tiefe ein Grubenunglück, bei dem 33 Kumpel in einer Gold- und Kupfermine verschüttet wurden. Wochenlang nimmt die ganze Welt Anteil am Schicksal der Männer. Nach 69 Tagen in der Tiefe gelingt die spektakuläre Rettung. © ap/dpa
August 2010: Russland erlebt im Sommer 2010 die schlimmsten Wald- und Torfbrände der letzten Jahrzehnte. Durch Hitze und Wind werden die Brände immer weiter angefacht. Sie sind besonders gefährlich, weil bei Torfbränden organisches Material verbrennt und besonders viel des giftigen Gases Kohlenmonoxid freigesetzt wird. Hinzu kommt, dass die Feuerwehr schlecht ausgestattet ist und die Brände nicht wirkungsvoll bekämpfen kann. Viele Menschen sterben, Hunderte werden verletzt. Die Flammen bedrohen auch eine alte Atomanlage, der Smog zieht bis ins 400 Kilometer entfernte Moskau. Die Millionenmetropole versinkt im Dunst. © ap/dpa
August 2010: Christoph Schlingensief stirbt am 21. August in Berlin. Der Regisseur, Aktionskünstler und Talkmaster erliegt seinem Lungenkrebs. © ap/dpa
August 2010: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier entschließt sich zur Organspende für seine Frau Elke. Er zieht sich für sechs Wochen aus dem politischen Alltag zurück und spendet ihr eine Niere. Damit entfacht er eine Diskussion über Organspende. © ap/dpa
August 2010: Nach schweren Regenfällen mit Rekordmengen bis zu 160 Liter pro Quadratmeter und dem Bruch einer Staumauer in Polen überschwemmen die Wassermassen der Neiße und anderer Flüsse Straßen und ganze Ortschaften. Allein in Sachsen werden mehr als 1.400 Menschen evakuiert, im Dreiländereck Deutschland/Polen/Tschechien gibt es mindestens elf Tote. © dpa
August 2010: In einem Interview fordert Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin einen höheren Integrationsdruck auf muslimische Einwanderer in Deutschland und beschwört damit eine Protestwelle herauf. In der Folge wird Sarrazin als Bundesbankvorstand entlassen. Die SPD beantragt ein Parteiausschlussverfahren. © dpa
August 2010: Tragische Todesfälle in der Mainzer Uniklinik: Eine mit Bakterien verschmutzte Infusion kostet zwei Säuglinge das Leben. Neun weitere Kinder bekamen die verkeimte Lösung, fünf davon schweben am Abend in einem “kritischen Zustand“. Ein weiterer Säugling stirbt am nächsten Tag. © dpa
August 2010: US-Präsident Barack Obama verkündet in einer Rede an die Nation am 31. August offiziell das Ende des Kampfeinsatzes im Irak. © dpa
September 2010: Der zehnjährige Mirco aus Grefrath wird als vermisst gemeldet. Der Junge wird zuletzt an einer Bushaltestelle in der Nähe einer Skater-Anlage gesehen. Bis Mitte Dezember fehlt von ihm noch immer jede Spur. © dpa
September 2010: Schon seit Monaten ist das Bahnprojekt "Stuttgart21", das den Hauptbahnhof von einem Kopf- in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof verwandeln soll, umstritten... © ap/dpa
... Im Herbst entläd sich der Unmut der Gegener in starken Protesten und sogar in einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit der Polizei. Der ehemalige CDU-Generalsekretär und Bundesminister Heiner Geisler tritt als Schlichter auf und verkündete mit "Stuttgart 21 Plus". Er plädiert im Dezember für eine Beibehaltung der Bauvorhabens mit Nachbesserungen. Die Proteste dauern an. © dpa
September 2010: Ein Amoklauf im baden-württembergischen Lörrach mit vier Toten und mehreren Verletzten gibt der Polizei Rätsel über das Motiv der 41 Jahre alten Täterin auf: Nach einer Explosion und einem Brand in der Anwaltskanzlei der Frau werden die Leichen des getrennt lebenden Ehemannes und des gemeinsamen fünfjährigen Sohnes gefunden. © dpa
September 2010: Mit dem traditionellen Ruf "O'zapft is" eröffnet der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude die Jubiläumswiesn. Zum 200. Geburtstag des Oktoberfests braucht er erneut nur zwei Schläge. © dpa
Oktober 2010: Am 4. Oktober bricht das Auffangbecken einer Aluminiumhütte in Kontár, südwestlich von Budapest in Ungarn. Der giftige rote Schlamm überspült umliegende Ortschaften. Zehn Menschen sterben bei dem Unglück. © ap/dpa
Oktober 2010: Der Merapi, ein Vulkan auf der indonesischen Insel Java, ist einer der aktivsten und der gefährlichsten Vulkane der Welt. Seine Aktivität nimmt 2010 stetig zu. Am 26. Oktober wird die Umgebung zehn Kilometer rund um den Vulkan evakuiert, 40 Menschen sterben bei einem ersten Ausbruch am 29. Oktober. Anfang November wird die Sicherheitszone auf 20 Kilometer erweitert, weitere 70 Menschen verlieren ihr Leben. Wegen der Hitze verbrennen im Umfeld des Vulkans Bäume, Häuser und auch Menschen. Flüge in Asien werden gestrichen, der Flughafen Yogyakarta auf Java wird geschlossen. Bis Ende November sterben über 300 Menschen, mehrere Hundert werden verletzt, viele Dörfer sind zerstört. © ap/dpa
Oktober 2010: Thomas Fuchsberger, der Journalist, Regisseur, Schauspieler und Sohn des Schauspielers Joachim "Blacky" Fuchsberger, ertrinkt am 14. Oktober im Mühlbach bei Kulmbach. © ap/dpa
Oktober 2010: Loki Schmidt, Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt und geachtete Naturschützerin, stirbt am 21. Oktober im Alter von 91 Jahren. Ganz Deutschland trauert.  © ap/dpa
Oktober 2010: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sinkt im Oktober unter die Drei-Millionen-Marke: Offiziell sind 2,945 Millionen Menschen als arbeitslos gemeldet, 86.000 weniger als im September. Es ist die niedrigste Arbeitslosigkeit in einem Oktober seit 1991. © dpa
November 2010: In der Nacht zum 1. November tut sich in der thüringischen Kleinstadt ein Krater mit einer Größe von 30 mal 30 Metern und ungefähr 12 Metern Tiefe auf. Verletzt wird niemand, Rettungskräfte evakuieren 25 Menschen aus umliegenden Häusern. © ap/dpa
November 2010: Am 4. November muss ein Airbus A380 in Singapur notlanden, weil sich ein Teil vom Triebwerk gelöst hat. Es ist der bisher schlimmste Zwischenfall auf einem Flug mit dem Riesen-Airbus. Es folgen weitere, Maschinen bleiben am Boden, Triebwerke müssen ausgetauscht werden. © ap/dpa
November 2010: An einem Bach im niedersächsischen Bodenfelde werden die Leichen zweier Jugendlicher gefunden. Bei den Toten handelt es sich um einen 13 Jahre alten Jungen und ein Mädchen im Alter von 14 Jahren. Der Fall ist schnell aufgeklärt: Die Polizei erlässt gegen den 26-jährigen Tatverdächtigen Haftbefehl. © dpa
November 2010: Terroralarm im Kanzleramt: In der Poststelle des Berliner Bundeskanzleramtes wird eine an Angela Merkel adressierte Paketbombe entdeckt. Wahrscheinlicher Absender ist eine linksextremistische Gruppe aus Griechenland. Die griechische Polizei entschärft mit kontrollierten Sprengungen zwei weitere Paketbomben auf dem Flughafen in Athen. Die Pakete waren an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg und Europol, die Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union im niederländischen Den Haag, adressiert. Bundsinnenminister de Maizière warnt öffentlich vor einem Ende des Monats geplanten Terroranschlag in Deutschland. Bundesweit werden die Sicherheitsmaßnahmen massiv verschärft. © dpa
November 2010: Google startet seinen umstrittenen Internetdienst Street View für 20 deutsche Großstädte. © dpa
November 2010: Irland will wegen seiner dramatisch wachsenden Schulden unter den Euro-Rettungsschirm flüchten und vollzieht damit eine Kehrtwende. Dublin bittet nun doch die EU und den Internationalen Währungsfonds um Hilfe. © dpa
November 2010: Zehntausende Demonstranten und Blockierer, 92 Stunden Dauer, 20.000 Polizisten und geschätzte Gesamtkosten von 50 Millionen Euro: Der Castor-Atommülltransport 2010 nach Gorleben in Niedersachsen bricht alle Rekorde. Wir lernen das "Schottern" kennen: Demonstranten räumen den Schotter aus dem Gleisbett, sodass der Zug nicht weiter fahren kann. Die elf Behälter mit 123 Tonnen hochradioaktivem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague erreichen das Zwischenlager nach Tagen massiver Proteste, Blockaden und Sabotageaktionen. © dpa
November 2010: Das Bundeskabinett hat die größte Reform in der Geschichte der Bundeswehr auf den Weg gebracht: Zum 1. Juli 2011 soll die allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt werden. Zudem soll die Truppe um ein Viertel auf höchstens 185.000 Mann schrumpfen. Anstelle des Zivildienstes ist ein Bundesfreiwilligendienst geplant. Damit hat sich die schwarz-gelbe Koalition auf radikale Änderungen geeinigt, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. © dpa
November 2010: Der Deutsche Sebstian Vettel aus Heppenheim wird Formel-1-Weltmeister. Er nutzt seine Chance und überholt die Konkurrenz in der WM-Wertung erst im letzten Rennen. Damit ist der 23-Jährige der erste Weltmeister seit Michael Schumacher. © ap/dpa
November 2010: Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht vertrauliche Dokumente von US-Diplomaten, die zeigen, wie die USA über die Welt denken. Seitdem erscheinen regelmäßig neue brisante Dokumente. Wikileaks-Gründer Julian Assange wurde festgenommen; gegen ihn wird wegen Vergewaltigung ermittelt. Er kommt wieder frei. Unternehmen, die Konten des spendenfinanzierten Wikileaks gesperrt haben, fallen Hacker-Angriffen von Wikileaks-Befürwortern zum Opfer. Die Zeitungen titeln bereits mit einem "Cyber-Krieg". © ap/dpa
November 2010: Finanzminister Wolfgang Schäuble wollte am 4. November eigentlich ein Milliarden-Steuerplus verkünden. Doch auf der Pressekonferenz vergreift er sich im Ton, stellt seinen Sprecher Offer bloß. Der nimmt kurz darauf seinen Hut. Schäuble muss sich für den Vorfall viel Kritik gefallen lassen. © ap/dpa
Dezember 2010: Samuel Koch will in "Wetten dass..?" am 4. Dezember in den Düsseldorfer Messehallen mit Sprungstelzen über fahrende Autos springen. Der vierte Sprung gelingt nicht, Samuel stürzt und bleibt regungslos liegen. Sofort wird die Sendung unterbrochen, Ärzte kümmern sich um den Wettkandidaten. Er hat schwere Verletzungen an der Halswirbelsäule und wird notroperiert, hat Lähmungen aller Gliedmaßen. Wenige Tage später steht fest: Samuel wird vermutlich sein Leben lang behindert bleiben. Die Reha in einer schweizer Spezialklinik dauert an. © ap/dpa
Dezember 2010: Thomas Gottschalk erlebt den schwersten Moment seiner Karriere. In "Wetten dass..?" stürzt sein Wettkandidat Samuel Koch als er auf Sprungstelzen über fahrende Autos springen will. Samuel bleibt regungslos liegen. Der Schock sitzt tief. Doch Thomas Gottschalk findet die richtigen Worte und bricht die Sendung schließlich ab. Eine Woche später steht er für den ZDF-Jahresrückblick erneut vor der Kamera. © ap/dpa

Die Gäste drängten und quetschten sich auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, die Mengen verstopften die Tunnel. Menschen fielen zu Boden, und die Masse schob sich über sie. Ähnliche Bilder erwarten die Zuschauer am Dienstag im ZDF: Das Filmteam drehte am Originalgelände mit Schauspielern und Statisten. Dazu kommen die Erinnerungen von Augenzeugen und Angehörigen der Opfer. „Für den Film habe ich mit vielen Besuchern der Loveparade gesprochen, die stark traumatisiert sind und deren Leben völlig aus den Fugen geraten ist“, sagt Autorin Ute Waffenschmidt. „Junge Menschen haben ihre Ausbildungen abgebrochen und sind mit 18 Jahren, wenn andere ins eigenständige Leben starten, wie Kleinkinder auf ihre Eltern angewiesen.“ Schlaflos und perspektivlos stünden sie ihrem Leben entgegen. „Manche sind daran zerbrochen.“ Manche haben den Glauben an den Rechtsstaat verloren – zu lange ringen der Veranstalter Lopavent, die Stadt Duisburg sowie die Polizei um die Frage, wer Schuld an der Katastrophe hat. Nach einem Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft Duisburg, der der Rheinischen Post vorliegt, steht mittlerweile fest, dass die Loveparade aus Sicherheitsgründen niemals in dieser Form hätte stattfinden dürfen (siehe auch Artikel rechts). Eine Linie, die auch das ZDF vertritt. In der Doku-Fiction tritt laut Autorin Waffenschmidt ganz klar zutage, dass diese nicht genehmigungsfähig war: „Umso empörender ist es für die Opfer und Hinterbliebenen, dass niemand dazu stehen will.“

EH

„An einem Tag in Duisburg“, Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF

OB entschuldigt sich

Nach knapp einem Jahr hat sich Duisburgs umstrittener Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) für das Loveparade-Drama entschuldigt. „Als Oberbürgermeister dieser Stadt trage ich moralische Verantwortung für dieses Ereignis“, sagte er gestern zu Beginn einer Ratssitzung. „Es ist mir ein persönliches Bedürfnis, mich an dieser Stelle bei allen Hinterbliebenen und Geschädigten zu entschuldigen.“ Doch die Schuldfrage ist immer noch nicht geklärt. Ein 400 Seiten starkes Geheimdokument der Staatsanwaltschaft Duisburg bestätigt: Die Erteilung der Genehmigung der Loveparade „erfolgte rechtswidrig“. Die Stadt habe das Sicherheitskonzept des Veranstalters unkritisch übernommen, „obschon es unter nicht unerheblichen Mängeln litt“. Die Staatsanwaltschaft wirft den Mitarbeitern zudem vor, die Verantwortung von sich geschoben zu haben. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Als Beschuldigte gelten derzeit 16 Menschen, davon sind elf städtische Mitarbeiter.

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Viele Besucher der Loveparade können noch gar nicht fassen, was gerade passiert ist. © ap
Loveparade
In diesem Tunnel... © ap
Loveparade
...trafen die Besucher, die das Gelände verließen, auf die,... © dpa
Loveparade
...die gerade angekommen waren, um mitzufeiern.  © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade kümmern sich um einen kollabierten Mann. © ap
Loveparade
Eine verletzte Frau wird auf einer Bahre abtransportiert. © dpa
Loveparade
Ein Krankenwagen vor einem Sanitätszelt am Rande des Festgeländes. © dpa
Loveparade
Am Rand des Geländes stehen Krankenwagen und Sanitätszelte. © dpa
Loveparade
Rettungshubschrauber landeten auf der Autobahnbrücke. © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade kümmern sich um Verletzte. © ap
Loveparade
Menschen stehen unter Schock, brechen weinend zusammen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Teilnehmer der Loveparade versuchen, das abgesperrte Festival-Gelände zu verlassen. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © ap
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © dpa
Loveparade
Hilfskräfte versorgen die zahlreichen Verletzten. © dpa
Loveparade
Die Toten wurden mit Laken abgedeckt. © dpa

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