„Maischberger. Die Woche“ im Ersten (ARD) 

Maischberger. Die Woche: Über Unruhen in den USA sollen erst nur Weiße reden

Diese Woche erhielt die Rund bei Maischberger im Ersten (ARD) schon vor Sendung Kritik.
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Diese Woche erhielt die Rund bei Maischberger im Ersten (ARD) schon vor Sendung Kritik.

Der Maischberger-Talk (ARD) hat sich diese Woche viel Kritik eingefangen - beim Thema Rassismus in den USA macht Jan Fleischhauer den Trump-Versteher.

  • Maischberger erntete diese Woche bereits vor Ausstrahlung Kritik
  • Zum Thema Rassismus und Polizeigewalt in den USA hatte die Sendung im Ersten (ARD)* zunächst ausschließlich weiße Gäste eingeladen
  • Die deutsche Talkshow-Landschaft zeigt wie wenig sie aus vergangenen Fehlern gelernt haben

Die Nachrichten über Ausschreitungen in den USA nach dem rassistischen Mord an George Floyd reißen nicht ab. Auch in Deutschland sorgen sie für Empörung und Entsetzen. Nun nehmen sich deutsche Talkshows des Themas an. Die Sendung „Maischberger. Die Woche“ (ARD) diskutiert jeden Mittwoch verschiedene aktuelle Themen. Diesmal geriet die Talkshow, die die gewaltsamen Auseinandersetzungen in den USA thematisierte, bereits vor der Ausstrahlung in die Kritik. 

Rassismus diskutieren unter weißen Gästen - Maischberger (ARD) in der Kritik

Geladen, um über die aktuelle Situation in den USA zu sprechen, war Außenminister Heiko Maas (SPD). Außerdem zu Gast: Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, Moderator Dirk Steffens und Kolumnist Jan Fleischhauer. Eine Sendung über Polizeigewalt und Rassismus, die nur mit Weißen besetzt ist? Das sorgte auf Twitter zu Recht für Empörung. 

Die Redaktion, die sich beim Versuch, die Wogen zu glätten, nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, zeigte sich am Ende immerhin nicht komplett ignorant. Auf den letzten Drücker lud sie die schwarze Wissenschaftlerin Priscilla Layne aus den USA ein, um über die gewaltsamen Auseinandersetzungen und den Rassismus in den USA zu sprechen. 

Maischberger-Talk im Ersten (ARD): „Profit und Geschäfte sind nicht so wichtig wie Menschenleben“

Layne ließ sich glücklicherweise nicht zu sehr von den wenig inspirierenden Fragen der Moderatorin irritieren und gab einen Einblick in die alltägliche Polizeigewalt gegenüber Schwarzen. Für Schwarze sei der Kontakt mit der Polizei eine Frage von Leben oder Tod, so Layne. Bezüglich der Plündereien, die teilweise im Zuge der Proteste stattfinden und Jan Fleischhauer dazu veranlassten, von „marodierenden Banden“ zu sprechen, stellte Layne klar: „Jeder muss überlegen, wie er oder sie protestieren will. Aber Profit und Geschäfte sind nicht so wichtig wie Menschenleben. Egal wie man protestiert, es wird nie von einem System akzeptiert, das versucht, einen fertigzumachen“. 

Anders als Fleischhauer, der sich zu Beginn der Sendung als Trump-Versteher bemühte und die Vorwürfe gegen den Präsidenten als „eigenartig“ bezeichnete, benannten die KommentatorInnen Anja Kohl und Dirk Steffens die Mitverantwortung Trumps. Dieser sei „maßgeblich verantwortlich“ und betreibe „das Gegenteil von Deeskalation“. Diesen Eindruck bestätigte auch Priscilla Layne. 

Ignoranz bei Maischberger (ARD): Rassismus ist nicht nur ein Problem der USA 

So ganz wollte Außenminister Maas bei dieser Einschätzung nicht mitgehen. Auf die Frage, ob Trump ein Rassist sei*, schwurbelte er zunächst ein wenig vor sich hin, bis er die Frage mit einem Nein beantwortete. Trump habe in der letzten Zeit „schwierige Äußerungen“ getan und die „rassistische Wunde der USA“ wieder aufgerissen, so Maas. Immerhin äußerte Maas jedoch klar, dass Rassismus kein rein amerikanisches Problem ist und nahm Bezug auf die Anschläge von Halle und Hanau.

Damit benannte er, was der Redaktion von Maischberger (ARD) scheinbar nicht in den Sinn gekommen war. Dass es auch in Deutschland schwarze Menschen gibt, die rassistische (Polizei-)Gewalt erleben und sich zur Lage in den USA – und nicht nur dazu – fachkundig äußern können, scheint in deutschen Talkshows noch immer nicht angekommen zu sein. Ansonsten hätte die Redaktion andere Gäste ausgewählt und nicht erst nach medialem Protest eine von Rassismus betroffene Person eingeladen. Das zeigt, dass Polit-Talkshows wenig bis gar nichts aus vergangenen Fehlern gelernt haben. Für viele AktivistInnen mag das nicht überraschend sein, bitter ist es allemal.

Von Josephine von der Haar

Auch bei Markus Lanz im ZDF kamen zum Thema Rassismus und Polizeigewalt ausschließlich weiße Menschen zu Wort

Anne Will nimmt bei ihrer Talkshow über die Proteste gegen US-Präsident Trump die falsche Gewichtung vor.

Er unterbricht permanent, er hört nicht zu, er ignoriert Argumente. Hauptsache, er hat recht (hat er aber oft nicht): Markus Lanz.

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