Ein Mann gibt alles

„The Revenant“ bringt Leonardo DiCaprio ins Oscar-Gespräch

Beißt sich durch: Leonardo DiCaprio als Trapper Hugh Glass in „The Revenant“. Foto: Fox

Es ist Hochleistungskino der extremen Sorte: Diese Woche kommt der Abenteuerfilm „The Revenant – Der Rückkehrer“ ins Kino, in dem Leonardo DiCaprio einen Trapper spielt, der fast im Alleingang ums Überleben kämpft.

Kein Zufall, dass viele Beobachter des Projekts schon auf die Oscar-Vergabe schielen. Reicht es nach mehrfachen Nominierungen nun endlich für DiCaprio?

Warum ist „The Revenant“ ein Filmereignis? 

Regisseur Alejandro Gonzales Iñárritu (52) hat verstanden, dass Kinobesucher es in Zeiten der virtuellen Dominanz schätzen, ein ausgesprochen physisches Filmereignis zu erleben. Kälte, Gewalt, die Kraft eines Grizzlys: Der Film macht dies und den heftigen Kampf eines Menschen um sein Überleben in hohem Maß spürbar. Es geht um einen Trapper, der ausgeraubt und fast totgeschlagen wird – und so, ganz auf sich gestellt, wird er zum grausigen Rächer. Der Stoff basiert auf einer Legende aus dem Jahr 1823 und spielt im unwirtlichen South Dakota im Winter.

Was zeichnet den Regisseur Iñárritu aus? 

Er is tein Geschichtenerzähler, der stark formalisiert und mit einer einzigartigen Bildsprache arbeitet. Die Theatersatire „Birdman“ des Mexikaners war Oscar-Liebling des letzten Jahres, mit der Kameraarbeit des auch jetzt verpflichteten Emmanuel Lubezki erzeugte er einen schwindelerregenden Sog. Lubezki arbeitet nun nur mit natürlichem Licht, um historisch korrekt zu sein. Iñárritus Werke wie „Babel“ und „21 Gramm“ fielen durch eine räumliche und zeitliche Zersplitterung des Stoffs auf, die recht manieriert wirkte, aber viel über die Zwänge und das Schuldigwerden in der globalisierten Gegenwart zu erzählen wusste.

Was bedeutet der Film für Leonardo DiCaprio?

Möglicherweise seinen ersten Darsteller-Oscar. Das wäre nach fünf Nominierungen verdient, denn der 41-Jährige hat es in den letzten Jahren geschafft, seine besondere schauspielerische Stärke und seine Wandlungsfähigkeit vielfach unter Beweis zu stellen. So eine Wandlung ist nicht leicht für einen umschwärmten Jungstar, der er 1997 im Eisberg-Drama „Titanic“ wurde. Doch schon im frühen Film „Gilbert Grape“ 1993 als behinderter Junge konnte man sehen, dass in dem Blondschopf mehr steckte.

Was waren wichtige Stationen seiner Karriere? 

Prägend war die mehrfache Zusammenarbeit mit Martin Scorsese, zuletzt spielte er einen Finanzhai in dessen „The Wolf of Wall Street“. Aber auch Auftritte in „Django Unchained“, „Zeiten des Aufruhrs“, „The Beach“ und „Inception“ überzeugten.

Wie geht DiCaprio seine Figur an? 

Iñárritu schickte ihn in Situationen, auf die er sich nicht vorbereiten konnte. DiCaprio machte Stunts selbst, lief nackt durch Schnee, wurde für die Szenen nach der Bärenattacke so geschminkt, dass er vor lauter Wunden kaum zu erkennen ist. Maskenbildnerin Sian Grigg recherchierte extra über Heilungsprozesse verletzter Haut.

Also Extreme. Gibt es auch einen Mehrwert zu dieser Leistungsschau des Austestens körperlicher Grenzen? 

DiCaprio und Iñárritu wollen hinter die Bilder von Einsamkeit und Todesnähe die philosophische Frage legen: Wer bin ich eigentlich, wenn mir alles genommen wird und mich niemand mehr kennt?

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