Interview: Martin Brambach spielt den Chef im neuen Tatort aus Dresden

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Neues Team: Peter Michael Schnabel (Martin Brambach, von links), Karin Gorniak (Karin Hanczewski ), Henni Sieland (Alwara Höfels) und Maria Magdalena Mohr (Jella Haase) ermitteln rund um den Dresdner Zwinger.

Der Tatort kehrt mit „Auf einen Schlag" nach Dresden zurück. Redakteurin Bettina Frascke sprach mit Hauptdarsteller Martin Brambach über alte Herren, starke Frauen und Dresden.

Nach 44 Folgen aus Leipzig ist ein neues Team in der Landeshauptstadt am Start. Es hat mit einem Mord im Schlagergeschäft zu tun. Zwei Oberkommissarinnen stehen unter Leitung von Peter Michael Schnabel, der von Martin Brambach (48) gespielt wird. Regie führte Richard Huber, Buch: Ralf Husmann.

Schon in der ersten Szene macht Schnabel deutlich, dass er es lieber mag, wenn man Entschuldigung sagt, statt Sorry. Was ist das für ein Mensch?

Martin Brambach: Der kommt ein bisschen aus einer anderen Ära. Er ist schon zu DDR-Zeiten Polizist gewesen, als es da noch hierarchischer zuging. Nun hadert er mit vielen Dingen der Moderne, von der permanenten Erreichbarkeit mit Handys bis zur Laktoseintoleranz.

Konnten Sie die Figur ein bisschen mitentwickeln?

Brambach: Ich hatte den Wunsch geäußert, dass das, was in Dresden derzeit passiert, wo jeden Montag wütende Menschen protestieren, sich im Film widerspiegelt. Schnabel ist kein Nazi, dass wir uns richtig verstehen. Aber er ist, wie viele aus dem Osten, verunsichert. Und dann arbeitet er auch noch mit emanzipierten Frauen zusammen, da kann es schon schwierig werden.

Es ist derzeit Mode bei manchen „Tatort“-Teams, dass private Konflikte der Ermittler viel Raum einnehmen. Wie ist das hier geplant?

Brambach: Wir haben eine Ermittlerin mit Freund ohne Kind und eine mit Kind, aber ohne Mann. Zudem gibt es mit den beiden Frauen Konflikte mit meiner Figur. Diese Geschichten werden weitergetrieben. Aber wir wollen vorrangig einen Krimi erzählen. Wenn das Private die Krimihandlung bedient, ist es toll, sonst können solche Nebenschauplätze auch aufhalten.

Ihre Figur ist für die komischen, manchmal auch klamaukigen Momente zuständig - wie fühlt sich das an?

Brambach: Da musste man mich eher bremsen, damit meine Figur nicht zu klamaukig wird. Insgesamt sind wir für unser Team noch am Suchen. Nach unserem Genre, unserer eigenen Tonalität.

Schnabel stellt sich ja auch vor seine Kolleginnen.

Brambach: Ja, das fand ich wichtig. Er ist eben nicht nur Meckeronkel, sondern auch ein guter Polizist mit Ethos.

Sie sind gebürtiger Dresdner - wie erleben Sie Ihre Stadt derzeit?

Brambach: Viele Leute sind wahnsinnig nett und haben sich gefreut, dass der „Tatort“ wieder in Dresden gedreht wird. Auf der anderen Seite: Wir haben auch montags gefilmt und die wütenden Leute gesehen, die zu den Kundgebungen marschiert sind, haben die Parolen gehört. Mir macht diese unglaubliche Aggressivität Angst. Ich frage mich, wo das hinführt. Die Ängste der Menschen hängen ja vom Ursprung her nicht mit Ausländern zusammen. Der globalisierte Kapitalismus mit seinen Auswirkungen verunsichert die Menschen.

Zum Auftakt haben Sie im Zwinger gedreht, der für die barocke Pracht der Stadt steht. Eine bewusste Setzung, um den MDR-„Tatort“ wieder stärker örtlich zu verankern, als das zuletzt in Leipzig der Fall war?

Brambach: Ja, auch wenn wir das künftig nicht immer machen werden. Das hat auch mit dem Schlagermilieu zu tun, in dem unser Fall spielt.

Warum?

Brambach: Das strebt nach solchen Kulissen. Es ist ohnehin ein Coup, dass wir gerade beim MDR auf das Thema Schlager setzen. Aber diese Welt wird hier ja nicht denunziert, sondern ernst genommen.

Wer beim „Tatort“ mitmacht, steht unter Beobachtung der TV-Nation. Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Brambach: Ich wollte endlich mal Texte des großartigen Autors Ralf Husmann sprechen, der Formate wie „Stromberg“ geprägt hat.

Zur Person

 Martin Brambach (48) kommt aus einer Dresdner Künstlerfamilie, sein Stiefbruder ist Jan Josef Liefers. Er kam 1984 in den Westen, schmiss das Gymnasium in Hamburg und ging auf die Schauspielschule. Verschiedene Theaterengagements. Filmauswahl: „Oh Boy“, „Das Leben der anderen“, im TV „Die Stadt und die Macht“, „Tatort“, „Barfuß bis zum Hals“, „Bella Block“, „Wilsberg“. Er lebt mit Frau und Patchworkfamilie in Recklinghausen.

Brambachs Ermittler-Team: Alwara Höfels (33, „Keinohrhasen“, „Das Programm“) spielt Henni Sieland, die mit ihrem Freund gern ein Kind hätte.

Karin Hanczewski 34, war einige Jahre Schauspielerin am Jungen Theater in Göttingen) ist die alleinerziehende Karin Gorniak.

„Fack ju Göhte“-Jungstar Jella Haase (24) spielt Polizeianwärterin Maria Magdalena Mohr, die alles richtig machen will.

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