Klassiker läuft ab 27. August montagabends im SWR

Kult-Sendung "Montagsmaler" kommt zurück: Schluss mit Retro-TV

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Moderierte "Die Montagsmaler" von 1974 bis 1979: Frank Elstner.

Jetzt kommt auch noch die Ratesendung "Die Montagsmaler" zurück ins Fernsehen - und dann auch noch mit Guido Cantz. Warum es besser wäre, die Klassiker in Ruhe zu lassen. Eine Abrechnung eines Fans.

Mit alten Lieblingsfernsehsendungen ist es wie mit dem Mädchen, in das man mit 14 verliebt war: Man hat sie superschön in Erinnerung, und wenn man sie dann 22 Jahre später wiedersieht, ist jeder Zauber verloren. Und wenn es im TV ein Wiedersehen gibt, sieht man im schlimmsten Fall Guido Cantz.

Gerade hat der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) angekündigt, dass seine legendäre Ratesendung "Die Montagsmaler" ab dem 27. August wieder zu sehen sein wird. Generationen sind mit der Show aufgewachsen, in der gemalte Begriffe erraten werden mussten. Moderatoren waren Frank Elstner (1974 bis 1979) und Sigi Harreis (bis zum Ende 1996). 22 Jahre später darf der sehr unlustige Blondschopf Cantz ran, der in der ARD bereits den Samstagabendshow-Klassiker "Verstehen Sie Spaß" ins Grab moderiert. Man fragt sich, ob das alles eine gute Idee ist, denn "Die Montagsmaler" waren wirklich toll. Es kann nur schlechter werden.

Eine Vorgängersendung mit Elstner lief bereits von 1969 bis 1972 auf Südwest 3 und hieß "Punkt, Punkt, Komma, Strich". Das Besondere an "Die Montagsmaler" war schon der Name, der auf den ursprünglichen Sendetermin anspielte, aber auch dann beibehalten wurde, als das Format auf den Dienstagabend geschoben wurde.

Es traten jeweils zwei Kinder- sowie zwei Erwachsenenmannschaften gegeneinander an. Meistens rief am Anfang jemand: "Hund, Katze, Maus, Pferd!" Auch wenn das, was gerade gezeichnet wurde, eher wie ein Haus aussah. Wer heute davon alte Mitschnitte bei Youtube anklickt, sieht nicht nur vertraute Gesichter, komische Frisuren und bunte Klamotten, sondern auch eine eigenwillige Grafik. Am gesamten Bildschirmrand lief die Zeit runter. Für jede Sekunde stand ein Rechteck, das aussah wie ein Backenzahn. Wer das sieht, fühlt sich entweder wieder jung oder noch älter.

Es ist noch nicht klar, wie die neuen "Montagsmaler" aussehen werden. Vielleicht tut man den Produzenten von Bavaria Entertainment auch unrecht, wenn man jetzt schon schreibt, früher sei nicht alles, aber zumindest das Fernsehen besser gewesen. Jedenfalls treten in der ersten neuen Ausgabe die Prominenten Ingo Nommsen, Jochen Schropp, Nathalie Lumpp und Tina Ruhland gegen Kinder und Erwachsene vom Musikverein Bettringen aus Schwäbisch Gmünd an. Letztere können Geld für ihren Verein gewinnen. Es geht sozusagen um Malen und Raten für Zahlen.

Moderator Guido Cantz wird sicher mehr oder weniger lustige Gags einbauen. Er sagt, dass "Die Montagsmaler" schon lange auf seiner "Löffelliste" gestanden hätte. Darauf sind Klassiker notiert, die er gern moderieren würde. Dazu passt, dass er im WDR demnächst noch ein Nostalgie-Quiz präsentiert.

Selbst wenn man Cantz gut findet, sieht es nicht so aus, als ob die Wiederauflage gut durchdacht wäre. Die 40 neuen Folgen sollen in zwei Staffeln jeweils montags um 22.45 Uhr im dritten Programm des SWR laufen. Aber "Die Montagsmaler" sind eine Familien-Show. Es ist ein bisschen so, als würde der Kinderkanal nur rund um Mitternacht Programm machen.

Zudem bleibt die Frage, welche Formate noch auf der geheimen Liste von Cantz stehen. Möchte er auch noch andere Klassiker moderieren, die ebenfalls nicht besser werden, wenn man sie wieder aus der Gruft holt? "Dalli Dalli" erlebte bereits eine nicht so erfolgreiche Neuauflage. Auch die Kuppelshow "Herzblatt" wurde in die Neuzeit des TV transferiert. Im Oktober raten wieder wie früher bei Fritz Egner "Dingsda"-Kinder im Ersten. Im Streaming-Zeitalter machen es die Fernsehmacher wie jeder Mensch, der irgendwann in eine Lebenskrise gerät: Alle blicken zurück.

Würden die Programmplaner einmal im Archiv schauen, könnten sie eine "Montagsmaler"-Ausgabe mit Frank Elstner finden, in der die Technik ausfiel, die zum Malen und Raten nötig war. Der "Wetten, dass..?"-Erfinder improvisierte mit Leichtigkeit und machte aus der Live-Sendung eine Talkshow. Mit der Neuauflage und Cantz will der mittlerweile 76-Jährige übrigens nichts zu tun haben.

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