Mord in der "Lindenstraße": Erich Schiller ist tot

Die ARD-"Lindenstraße" wurde oft für tot erklärt. Die live ausgestrahlte Jubiläumsfolge zum 30.Geburtstag bewies aber, dass sie noch lebt. Nur der beliebte Erich Schiller musste sterben.

Als Erich Schiller hat der Schauspieler Bill Mockridge in der ARD-„Lindenstraße“ einiges durchgemacht. Seine Figur brauchte drei Anläufe, um Mutter Beimer (Marie-Luise Marjan) zu heiraten. Schiller betrog seine Traumfrau Helga, ging mit seinem Reisebüro fast pleite und wartete monatelang auf ein Spenderherz. Für Soap-Figuren ist das Leben die Hölle. Doch über seinen Serientod am Sonntag sagt Mockridge alias Schiller: „Es war das Schwierigste, was ich je in meinem Leben zu spielen hatte.“

Hier geht es zur Folge in der WDR-Mediathek

Ausgerechnet in der live ausgestrahlten Jubiläumsfolge zum 30. Geburtstag der Seifenoper traf Helga Beimers Mann der Schlag. Erst sah es aus wie ein Herzinfarkt, schnell aber war klar, dass es Mord war.

Eine Leiche im aufgezeichneten „Tatort“ kann jeder spielen - sogar „Bild“-Chef Kai Diekmann neulich in Hannover. Live erfordert das indes Schauspielkunst, die man in der Fließbandproduktion der „Lindenstraße“ selten sieht. „Ich glaube, ein bisschen Zucken und Atmen hat man gemerkt“, gestand der 68-Jährige nach seinem Echtzeit-Fernsehtheater.

Mit Schiller verliert die „Lindenstraße“ eine zentrale Figur, die seit 1991 dabei war. Als ihm Serienerfinder Hans W. Geißendörfer vor einem Dreivierteljahr mitteilte, dass er sterben werde, war Mockridge „sehr traurig“. Erich Schiller war die Rolle seines Lebens.

Der gebürtige Kanadier kam in den 70ern durch eine Theatertournee nach Deutschland und hat mit seiner Frau, der Schauspielerin Margie Kinsky, sechs Söhne, die alle im Rampenlicht stehen - ob als Musiker oder Model. Der Bekannteste ist der Comedian Luke Mockridge. Auch der Vater ist nebenbei Kabarettist und trat erst im Oktober in Gudensberg auf. Über Schillers Tod verlor er da natürlich kein Wort.

Viel Lob für die Live-Folge 

Dafür wurde sein Ende eifrig im Netz kommentiert - ebenso wie die gesamte 1559. Folge, die bewies, dass die (auch von uns) schon oft tot gesagte „Lindenstraße“ noch am Leben ist. Auf eingeklinkten Bildschirmen sah man, wie die Schauspieler von einer Kulisse zur nächsten rannten und Regisseur Herwig Fischer Anweisungen gab. Selten war man im Fernsehen so sehr mittendrin statt nur dabei.

Das schalteten 3,08 Millionen Zuschauer ein - eine halbe Million mehr als sonst. Hoffnung, dass der beliebte Erich Schiller zurückkommt, sollten sie sich aber nicht machen. „Er ist definitiv tot und kann höchstens in Helgas Träumen zurückkommen“, sagte Mockridge.

In herkömmlichen Serien wie „Dallas“ kann ein Toter schon mal wiederauferstehen wie einst Bobby Ewing. Die „Lindenstraße“ ist dagegen wie das echte Leben: oft total langweilig und manchmal doch sehr aufregend.

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