Münchner Tatort tappt in Klischee-Falle - eine Kritik

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Kindgerechte Befragung: Nessi (Laura Baade) ist Zeugin eines Mordes, hier wird sie von den Kommissaren Batic (Miro Nemec, li.) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) verhört.

München - Der Münchner Tatort "Jagdzeit" spielt mit der Kluft zwischen Arm und Reich - und tappt dabei in die Klischee-Falle. Doch das macht die Folge vom Sonntag noch lange nicht schlecht. Eine Kritik:

Neu ist das Spiel mit den Gegensätzen nicht – und dennoch ist es gerade bei Fernsehkrimi-Regisseuren beliebt. Jetzt hat Peter Fratzscher im „Tatort: Jagdzeit“ mit dem Arm-Reich-Gegensatz jongliert, und da dieser in München spielt, hat der Kontrast seinen besonderen Reiz (oder ist er besonders überstrapaziert?) – gilt die Stadt doch nach wie vor als Insel der Glückseligen.

Nichts da, zeigt Regisseur Fratzscher. Er schickt die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) zwischen Bogenhausen und einem namenlosen Glasscherbenviertel (die Szenen wurden in Milbertshofen gedreht) hin und her. Dabei tappt der Krimi gnadenlos in die Klischee-Falle: Es gibt kaum eine Szene, die im „Unterschichten-Ghetto“ spielt, in der nicht eine ordentlich als abgerissen zurechtgemachte Gestalt durchs Bild schlurft, den Einkaufswagen mit Habseligkeiten schiebend.

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Doch, es gibt Armut in München. Und ja, es ist richtig, von dieser zu erzählen. Um dies zu können, darf sie aber nicht derart penetrant ausgestellt werden. Doch Peter Probst trägt in seinem Buch nicht nur zu dick auf und kleistert so den Blick auf die Probleme zu. Er hat schlicht zu viel in diese 90 Minuten gepackt: Außer Hartz IV wird sowohl der Personalmangel bei der Polizei als auch die unwürdige Situation Pflegebedürftiger angerissen – alles Themen, die einen eigenen „Tatort“ wert wären.

Es sind daher die Schauspieler, die mit dieser Folge versöhnen: Das Duo Nemec/Wachtveitl frotzelt (endlich mal wieder) ohne zu übertreiben. Und eine echte Entdeckung ist Laura Baade, die die 13 Jahre alte Mordzeugin Nessi spielt. Um in der Armut überhaupt eine Chance zu haben, muss sie schneller erwachsen werden als für ein Kind gut sein kann. Die Rolle ihrer Mutter – depressiv, arbeitslos und alkoholkrank – hat Katja Bürkle von den Münchner Kammerspielen übernommen. Beiden Frauen gelingt es, trotz mancher Plattheit im Drehbuch, aus ihren Figuren Charaktere zu machen, die berühren.

Von Michael Schleicher

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