Mutter von Natascha Kampusch bei "XY"-Sondersendung

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Brigitta Sirny-Kampusch wird Moderator Rudi Cerne über die lange Suche nach ihrer Tochter berichten.

München - Schicksale wie das von Natascha Kampusch, Mirco oder der kleinen Britin Maddie McCann schockieren immer wieder: Das ZDF-Krimimagazin “Aktenzeichen XY... ungelöst“ widmet in einer Sondersendung dem Thema .

Natascha Kampusch, Mirco oder die kleine Britin “Maddie“ McCann - die Schicksale verschwundener Kinder schockieren immer wieder die Öffentlichkeit. Während Natascha nach acht Jahren in einem Verlies ihrem Entführer entfliehen kann, wird nach fast fünf Monaten verzweifelter Suche Mircos Leiche gefunden. Bei der im Mai 2007 an der Algarve-Küste spurlos verschwunden Madeleine standen zeitweise sogar die Eltern im Verdacht.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

Die neunjährige Corinna wurde am 29.07.2009 tot in einem Seitenarm des Flusses Mulde unweit ihres Elternhauses in Eilenburg gefunden. Sie fiel vermutlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die Ermittlungen dauern noch an. © ap
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der neunjährige Dennis aus Scharmbeckstotel wurde am 05. September 2001 aus dem Schullandheim Wulsbüttel entführt. Am 19.09.2001 wurde die Leiche von Dennis in einem Waldstück bei Kirchtimke entdeckt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Michelle aus Leipzig wurde am 17. August 2008 auf dem Heimweg entführt. Am 21. August wurde ihre Leiche in einem Teich gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der heute 73-Jährige Josef Fritzl hielt seine Tochter Elisabeth Jahrzehnte in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen. Immer wieder vergewaltigte er sie und zeugte in der Zeit mit ihr sieben Kinder. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In diesem Kellerverlies wurden die Opfer von Fritzl gefangen gehalten. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Im Jahr 2006 gelang Natascha Kampusch die Flucht von ihrem Peiniger Wolfgang Priklopil. Er begann daraufhin Selbstmord. © dpa
Die 6-jaehrige Ayla aus Zwickau wurde 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen worden.
Die sechsjährige Ayla aus Zwickau wurde am 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen, sexuell missbraucht und ermordet.. © dpa
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden.
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der jüngste traurige Fall: Die achtjährige Kardelen aus Paderborn wurde seit 12. Januar 2009 vermisst. Vier Tage später die traurige Gewissheit. Kardelen wurde sexuell missbraucht und getötet. © dpa
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden.
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Levke aus Cuxhaven wurde seit dem 6. Mai 2004 vermisst. Dreieinhalb Monate später wird ihre Leiche in einem Waldstück in Attendorn gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die vier Jahre alte Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 spurlos aus einer Ferienwohnung in Südportugal verschwunden. Bis heute ist der Fall ungelöst. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Gestanden hat der Mörder des neunjährigen Mitja vor Gericht in Leipzig. Der damals 43-Jährige hat den neunjährigen Buben mit in seine Wohnung genommen, vergewaltigt und erdrosselt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Immer noch auf freiem Fuß sind die Täter, die das Leben des damals fünfjährigen Pascal auf dem Gewissen haben. Der Bub wurde 2001 in einer Kneipe in Saarbrücken vergewaltigt und erstickt. Seine Leiche wurde nie gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In Riekofen im Landkreis Regensburg wird 2007 bekannt, dass der örtliche Pfarrer sich an einem Kind vergangen haben soll. Wie sich herausstellte war es nicht der erste Fall: Der Geistliche war bereits wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft. Das Ordinariat schweigt zu den Vorwürfen. © dpa
Am 15. September 1981 wird die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt.
Am 15. September 1981 wurde die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In dieser Kiste wurde sie von dem Täter gesteckt, in der sie qualvoll erstickte. © dpa

“Aktenzeichen XY“ beschäftigt sich erstmals in seiner 44-jährigen Geschichte an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) in einer Spezial-Sendung mit dem Thema. Unter dem Titel “Wo ist mein Kind?“ will Rudi Cerne vier Fälle unter die Lupe nehmen und so genau wie möglich rekonstruieren. Die Popularität der Sendung solle helfen, die Suche zu intensivieren, erläutert der stellvertretende ZDF-Programmdirektor Reinhold Elschot. Nataschas Mutter Brigitta Sirny-Kampusch wird als Gast im Studio über die lange Suche nach ihrer Tochter berichten.

Natascha Kampusch war acht Jahre lang in der Gewalt ihres Entführers.

Allein in Deutschland sind laut der Initiative “Vermisste Kinder“ derzeit rund 1900 seit längerem vermisste Mädchen und Jungen registriert, einige schon seit den 90er Jahren. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren etwas gestiegen, sagt Mitbegründer Carl Bruhns. Grund sei vor allem die zunehmende Zahl von Fällen, in denen meist ein ausländischer Vater das Kind illegal mit in die Heimat nimmt. Bald bekommt die Initiative eine bundesweite kostenlose Rufnummer - unter anderem, um die Polizeiarbeit zu unterstützen.

“Wir haben andere Möglichkeiten“, sagt Bruhns. Im Fall Mirco etwa habe die Initiative 126 Plakate aufgehängt. Sie starte Suchaufrufe über Infoscreens an Bahnhöfen, nutze Internet und Facebook. “Das ist die weltweit größte Suchmannschaft, die wir da haben“, sagt Bruhns. “80 000 Menschen in Deutschland bekommen die Meldung von vermissten Kindern direkt auf das Handy.“ Die Empfänger gäben die Meldung weiter, so dass binnen Minuten Hunderttausende erreicht würden.

Bei der Polizei beginnt sofort eine umfassende Fahndung. “Man macht in solchen Fällen relativ schnell den großen Apparat mobil“, sagt der Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), Detlef Puchelt. Suchmannschaften mit Hunden und Hubschrauber mit Wärmebildkameras suchen das Gelände ab. Familie, Freunde und Schulkameraden werden befragt. “Man will einen Anhaltspunkt bekommen: Wo könnte sich das Kind aufhalten und steckt da mehr dahinter?“

Rund 50 000 Kinder in Deutschland werden laut Bruhns jährlich als vermisst gemeldet. 95 bis 98 Prozent der Fälle gehen gut aus, wie Puchelt sagt. Gründe für das Verschwinden sind Streit mit den Eltern, Schwierigkeiten in der Schule oder einfach nur Abenteuerlust - und viele kommen schnell von selbst wieder heim. “Nach drei bis fünf Tagen sind sie meist wieder zuhause“, sagt Puchelt. Nur in einem Prozent der Fälle sei ein Verbrechen geschehen. In manchen Fällen tappen die Ermittler auch nach Jahren noch im Dunkeln.

So müsste Katrin Konert aus Niedersachsen jetzt 25 Jahre alt sein. Sie verabschiedete sich am Neujahrstag 2001 von ihrem Freund, Zeugen sahen sie an der Bushaltestelle - alles schien normal. Doch Katrin kommt nie zuhause an. “Es ist, als ob sich die Erde aufgetan und Katrin verschluckt hätte“, sagte ihre ältere Schwester laut ZDF.

Auch der kleine Felix Heger ist schon fünf Jahre verschwunden. Sein getrennt lebender Vater holte ihn im Januar 2006 für ein “Papa-Wochenende“ ab. Das Auto des Vaters wird im Nordschwarzwald entdeckt, Suchmannschaften finden ein Lager mit Kleidung des Vaters und leeren Alkoholflaschen. Wochen später stoßen Spaziergänger auf die Leiche des Vaters. Felix bleibt verschwunden. Eine Spur führt bis nach Portugal - und verläuft sich. Hat der Vater seinen Sohn mit in den Tod genommen? Lebt Felix noch? Die Großeltern hoffen weiter.

Brigitta Sirny-Kampusch will den Angehörigen Mut machen. “Es gibt leider keinen Leitfaden, wie man am besten mit solch einer schlimmen Situation umgehen sollte - jeder reagiert und verhält sich anders“, sagte sie dem ZDF vorab. Aber: “Ich möchte den Angehörigen gerne einen Hoffnungsschimmer geben.“

dpa

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