Konkurrenz der Streaming-Riesen

Der Streaming-Kampf beginnt: Wie neue Anbieter den Markt umkrempeln

Netflix und Amazon haben den Streamingmarkt revolutioniert. Jetzt bekommen sie Konkurrenz von Disney, Apple und Warner.

Wer ein Abo bei Netflix und Amazon Prime hat, konnte in Sachen Serien und Filme bisher ziemlich gut mitreden. Das wird sich in diesem Jahr ändern. Mit Disney und Warner drängen zwei traditionelle Hollywood-Studios auf den Streamingmarkt. Auch Apple will den Platzhirschen mit einem eigenen Angebot Konkurrenz machen.

Die Nutzer werden sich 2019 zwischen einer Vielzahl an Streamingdiensten entscheiden müssen. Um ihre Gunst buhlen die Anbieter mit namhaften Großprojekten und gigantischen Budgets.

Netflix

Der Pionier unter den Streamingdiensten befindet sich im Wandel. Nachdem bekannt wurde, dass Disney 2019 einen eigenen Streamingdienst startet, stampft Netflix derzeit vor allem Serien aus dem Marvel-Kosmos wie „Iron Fist“, „Luke Cage“ und zuletzt „Daredevil“ ein. Das ist nachvollziehbar, da Marvel seit 2009 Disney gehört.

Auch Koproduktionen mit Warner Brothers, 20th Century Fox, Universal, Sony Pictures, Paramount und Disney – den „Big Six“ unter den amerikanischen Produktionsfirmen – werden immer seltener. Um sich auf dem Streamingmarkt zu behaupten, will Netflix noch stärker als bisher auf Eigenproduktionen setzen.

Mit Serien wie „House of Cards“, „Stranger Things“ und „Orange is the New Black“ ging diese Strategie in den vergangenen Jahren sowohl bei Nutzern als auch bei Kritikern auf.

Für seine Eigenproduktionen nimmt Netflix ordentlich Geld in die Hand. Allein 2018 wurden acht Milliarden Dollar in eigene Filme und Serien investiert. Insgesamt hat Netflix inzwischen 700 Eigenproduktionen geschaffen – und das allein in derSeriensparte.

Damit unter der Masse nicht die Qualität leidet, arbeitet Netflix zunehmend mit renommierten Filmemachern zusammen, denen es, anders als viele Produktionsfirmen, große künstlerische Freiheiten gewährt – auch um sich als Kunstverfechter zu vermarkten. Jüngste Beispiele sind der Episoden-Western „The Ballad of Buster Scruggs“ von den Coen-Brüdern, der Oscar-Kandidat „Roma“ von Alfonso Cuarón sowie Martin Scorseses Gangster-Drama „The Irishman“, das mit Al Pacino und Robert De Niro in den Hauptrollen 2019 auf dem Streamingportal startet.

Zu den prominentesten Namen, die Netflix unter Vertrag genommen hat, gehören Barack und Michelle Obama. Der Ex-Präsident und seine Frau sollen für 125 Millionen Dollar Filme und Serien für Netflix produzieren.

Amazon Prime

Der einzige echte Konkurrent von Netflix auf dem Streamingmarkt war bisher Amazon. Mit einer Gelddruckmaschine im Rücken kann der Versandhandel Filme und Serien auf höchstem Niveau für seinen Streamingdienst Prime Video produzieren.

Zu den erfolgreichsten Eigenproduktionen gehören der von Amazon Studios zunächst fürs Kino produzierte Oscar-Gewinner „Manchester by the Sea“ (2016) sowie die mit dem Golden Globe ausgezeichnete Serie „The Marvelous Mrs. Maisel“. Auch die Serie „The Man in the High Castle“ – eine Dystopie, in der die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben – überzeugte Kritiker und Publikum.

Amazon wird ebenso wie Netflix den Weg der Eigenproduktionen weiter verfolgen, setzt dabei aber auch auf bekannte Marken. Absolutes Leuchtturmprojekt: Eine Serie zu „Der Herr der Ringe“, die 2020 starten und ein Budget von 500 Millionen Dollar allein für Rechte (250 Millionen Dollar) und die Produktion von zwei Staffeln verschlingen soll. Damit wäre sie die bisher teuerste Serie aller Zeiten. Geplant sind insgesamt fünf Staffeln.

Apple

Eine Kampfansage an Netflix und Amazon kommt vom Technologie-Riesen Apple. Das kalifornische Unternehmen hat sich vor Kurzem die Dienste der renommierten Produktionsfirma A24 gesichert, um Filme für seinen bereits im März an den Start gehenden Streamingdienst zu produzieren. A24 ist unter anderem für den Oscar-Gewinner „Moonlight“ (2016) verantwortlich.

Viel ist über den Streamingdienst von Apple darüber hinaus noch nicht bekannt. Bestätigt ist aber eine zehnteilige Neuauflage der 80er-Jahre Fantasy-Horror-Serie „Amazing Stories“, an der auch Steven Spielberg, Schöpfer des Originals, als Produzent beteiligt ist. Weitere Projekte werden mit Hollywood-Größen wie Damien Chazelle (Regie-Oscar für „La La Land“) und Reese Witherspoon (Oscar für „Walk the Line“) realisiert.

Warner

Auch Warner will ein Stück vom Kuchen abhaben. Dafür arbeitet die traditionsreiche Produktionsfirma für ihren eigenen, noch unbetitelten Streamingdienst mit dem US-amerikanischen Bezahlsender HBO („Game of Thrones“, „The Wire“, „Westworld“) zusammen. Beide Häuser gehören dem Mutterkonzern Warner Media.

Wann der Streamingdienst von Warner verfügbar sein soll, ist noch nicht bekannt. Im Raum steht ein Starttermin Ende 2019. Medienberichten von Variety zufolge will Warner ebenso wie Netflix acht Milliarden Dollar in eigene Produktionen investieren, den Fokus aber eher auf Filme als auf Serien legen.

Konkrete Pläne zu Programminhalten hat Warner noch nicht veröffentlicht. Die Produktionsfirma hält aber unter anderem die Filmrechte am „Harry Potter“-Stoff und den Superhelden aus dem Hause DC, zu denen Batman, Superman und Wonder Woman gehören. Somit werden auch die Filme aus dem DC Extended Universe wie „Batman v Superman“ sowie Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie auf der Streaming-Plattform verfügbar sein.

Disney+

Zum Jahresabschluss steigt ein echtes Schwergewicht in den Kampf um die Streaming-Krone ein. Dann nämlich geht Disney mit seinem Angebot Disney+ an den Start.

Disney gründet Streamingdienst

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Das große Flaggschiff des Micky-Maus-Konzerns ist „Star Wars“. Stolze vier Milliarden Dollar legte Disney 2015 für die Rechte an dem von George Lucas erdachten Universum auf den Tisch. Mit „The Mandalorian“ und einer Serie zu dem 2016er-Spin-off „Rogue One: A Star Wars Story“ kommen gleich zwei Serien aus der weit, weit entfernten Galaxie. Außerdem bekommen die „Muppets“, das „High School Musical“-Franchise sowie einzelne Charaktere aus dem Marvel-Universum um Iron Man und Co. Serienableger.

Ebenfalls in Planung: ein Remake von „Susi und Strolch“ und eine Live-Action-Version des 1953er-Trickfilms „Peter Pan“. Zudem werden Zeichentrickklassiker von Disney („Der König der Löwen“), Animationsfilme von Pixar („Alles steht Kopf“) sowie Filme von Marvel („Avengers“) und Lucasfilm („Star Wars“) auf dem Portal verfügbar sein.

Der große Streaming-Krieg dürfte 2019 erst beginnen. Zwar ist noch nicht bekannt, ob Universal, Paramount und andere große Produktionsfirmen ebenfalls eigene Angebote planen, dies scheint im Milliardengeschäft des Video-on-Demand allerdings nur eine Frage der Zeit.

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