Nicht verpassen: Der letzte Teil von „Ku’damm 56“

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Sie tanzen nicht auf derselben Hochzeit: Für Monika (links, Sonja Gerhardt) und Freddy (Trystan Pütter) ist Rock’n’Roll Freiheit. Fotos: zdf

Früher beschäftigten sich historische Fernsehfilme fast nur mit der Nazi-Zeit. Das ZDF ist mittlerweile im Wirtschaftswunder-Deutschland angekommen. "Deutschland 56" ist großes Kino.

Bei anderen Mehrteilern schalten die Zuschauer mit der Zeit ab. „Ku’damm 56“ hingegen fesselt immer mehr Menschen vor dem Bildschirm. Fast 5,8 Millionen sahen am Montag den zweiten Teil über die Familie Schöllack und ihre Tanzschule im Wirtschaftswunder-Berlin - 200.000 mehr als beim Auftakt am Sonntagabend. Sieben Gründe, warum man auch das Finale am Mittwoch (ZDF, 20.15 Uhr) nicht verpassen sollte.

1.Weil Drehbuchautorin Annette Hess wie schon in der DDR-Serie „Weissensee“ komplexe Figuren entwirft, die von einem besseren Leben in einer Zeit träumen, die uns heute teilweise schrecklich erscheint.

2.Weil „Ku’damm 56“ nicht nur beste Unterhaltung ist, sondern auch eine Geschichtsstunde.

3.Weil man lernt, dass Männer in den 50er-Jahren Schweine waren. Tochter Monika (Sonja Gerhardt), die Hauptfigur der Miniserie, zitiert einmal das Leitbild der damaligen Zeit: „Die Frau schmücke dem Mann seinen Alltag, wo sie nur kann.“

4.Weil man lernt, dass Vergewaltigung vor nicht allzu langer Zeit nur als „Missgeschick“ galt. „Mutti, ich fühl mich so schmutzig“, sagt Monika, nachdem sie missbraucht wurde von dem Mann, den sie heiraten soll. Die Mutter antwortet: „Dann geh baden - obwohl erst Mittwoch ist.“

5.Weil Claudia Michelsen eine der besten deutschen Schauspielerinnen ist. Eiskalt spielt sie die Mutter, die sich nach den alten Zeiten zurücksehnt und für die Rock’n’Roll „direkt in den Urwald führt“. Ihre Figur ist eine Frau gewordene AfD.

6.Weil man „Ku’damm 56“ auch dann toll finden kann, wenn einem alle bisherigen Punkte egal sind. Mit viel Liebe zum Detail lässt Regisseur Sven Bohse die Zeit wiederauferstehen, in der die einen nach vorn schauten und die anderen die Schuld der Vergangenheit unter dem Teppich lassen wollten.

7.Weil das deutsche Fernsehen besser ist als sein Ruf, wenn Produzenten wie Nico Hoffmann und Benjamin Benedict so mutig sind wie mit „Ku’damm 56“.

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