Ein Netflix-Film als Favorit

Oscar-Verleihung in Turbulenzen: Worauf heute Nacht besonders zu achten ist

+
In der Nacht zu Montag steht die Oscar-Verleihung an. 

In der Nacht zu Montag werden in Hollywood die Oscars vergeben. Rund um die Film-Gala gab es Turbulenzen, zudem ist das eigentliche Preisrennen so offen wie selten.

Über 250 Meter lang und zehn Meter breit ist der wahrscheinlich längste, auf jeden Fall aber wichtigste Rote Teppich der Unterhaltungsbranche: Wenn am Sonntag im Dolby Theatre in Los Angeles um 17 Uhr Ortszeit  die Oscar-Verleihung ansteht, könnte das Rennen um den Academy Award spannend wie selten zuvor werden. Wir berichten hier im Live-Ticker in der Oscar-Nacht.

Keine klaren Favoriten

Zwar gibt es zwei Filme, die mit je zehn Nominierungen ins Rennen gehen, der Historienfilm „The Favourite“ von Yorgos Lanthimos und die mexikanische Produktion „Roma“ von Starregisseur Alfonso Cuarón. Doch wer das Rennen in den Top-Kategorien Bester Film und Beste Regie macht, ist keineswegs sicher. Indiz dafür ist das Abstimmungsverhalten der Gilden der Filmgewerke. 

Die Produzenten-, Regisseurs-, Darsteller-, Schnitt-, Autoren- und Kamera-Gilde haben je unterschiedliche Filme bei ihren Abstimmungen gekürt, vom Superheldenfilm „Black Panther“ bis zum polnischen „Cold War“ reichte die Bandbreite. Spannend: Das Fachblatt „Variety“ hat ausgezählt, dass es zwei Filme gibt, die bei allen Gilden Unterstützung finden, wenn sie auch in den Oscar-Rankings nicht ganz oben stehen: das Rassismusdrama „BlacKKKlansman“ und der Musikfilm „A Star Is Born“. Auf die wird besonders zu achten sein.

Neuer Akteur Netflix

Wenn der von Netflix produzierte Kandidat „Roma“ abräumt, vor allem als Bester Film, wäre das ein Meilenstein für den Streaming-Anbieter, der ihm äußerst gelegen käme, ist der Filmgigant mit rund 140 Millionen Abonnenten doch unter Druck durch neue Player im Online-Segment. Der Spitzen-Oscar könnte das Vertrauen der Investoren stärken. Wie sich die großflächige Einflussnahme auf die Filmlandschaft mittelfristig auswirken wird, ist die Frage, die die Branche angesichts sinkender Kino-Besucherzahlen derzeit am meisten umtreibt.

Deutsche Chancen

Das umstrittene Künstlerdrama „Werk ohne Autor“ könnte einen Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film für Deutschland erringen. Es wäre nach „Das Leben der Anderen“ von 2007 der nächste Preis für Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck. Auch sein Kameramann Caleb Deschanel ist nominiert. Preischancen hat auch die Doku „Die Kinder des Kalifats“ vom deutsch-syrischen Filmemacher Talal Derki, der die Familie eines Islamisten begleitet. Der einzige nicht-amerikanische Film unter den Dokus.

Kein Gastgeber

Witz, Frotzeleien, aber auch politische Spitzen: Der Gastgeber der Oscar-Nacht nutzt traditionell die immense öffentliche Plattform für eine zündende Begrüßungsrede. Eine tolle Chance – die dieses Jahr ins Wasser fällt, weil es der Filmakademie nicht gelungen ist, einen Gastgeber aufzutreiben – nach dem Hin und Her um Kevin Hart, dem schwulenfeindliche Sprüche aus früheren Jahren auf die Füße gefallen sind. 

„Wir sind die einzigen Netten in Hollywood“, hatte noch das Moderatorenduo bei den Golden Globes gesagt, um auf die immer härtere moralische Tiefendurchleuchtung Bezug zu nehmen. Womöglich haben sie recht. Die Academy bestreitet den Abend nun mit hochkarätigen „Presentern“, also Stars, die die Preise übergeben. Ob das die Handschrift eines Gastgebers ersetzen kann, ist fraglich.

Die Musik

Viel beachtet werden neben den prominenten „Presentern“ die Musikeinlagen der Altrocker von Queen und Popsänger Adam Lambert. Kritik gab es wiederum, weil nur zwei der fünf nominierten Filmsongs live präsentiert werden, „All The Stars“ aus „Black Panther“ und „Shallow“ aus „A Star Is Born“.

Das Showformat

Die Besucherzahlen waren 2018 schockierend niedrig, nur 26,5 Millionen Zuschauer (Vorjahr: 33 Mio.). Jetzt will man die Abläufe straffen um den Fernsehabend attraktiver zu machen – und hat damit übers Ziel hinausgeschossen. Mit der Idee, einige Kategorien in den Werbepausen zu verkünden, hat die Academy jedenfalls so daneben gegriffen, dass man eine Komplettwendung gemacht hat.

Auch für die Idee, eine neue Oscar-Kategorie für „populäre Filme“ einzuführen, für einen Sexyness-Boost, ist die Akademie abgestraft worden. Könnte wie ein Preis zweiter Klasse wirken. Aus Ängstlichkeit die Show stärker durchzuformatieren ist jedenfalls der falsche Weg. Große Fernsehabende bleiben gerade wegen ihrer echten, ungeplanten Momente in Erinnerung.

Hier finden Sie außerdem alle Nominierungen und weitere Infos.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.