Trailer zum Film

„Die schönen Tage von Aranjuez“: Wortkomplex

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Sophie Semin und Reda Kateb in der Wenders-Handke-Welt.

München - Wim Wenders verfilmt Peter Handkes Sommerdialog „Die schönen Tage von Aranjuez“.

Während des Vorspanns hört man Schritte, dann das Anwerfen eines Projektors. Es folgen bestechende Ansichten eines frühmorgendlichen Paris. Man hört den Song „You keep me hanging on“, das Gezwitscher von Vögeln, dann geht es hinaus aus der Stadt in einen Park, zu einem Haus, hinein durch die Tür, während leise Musik erklingt – und eine Schreibmaschine ins Bild kommt. Wim Wenders verfilmt Peter Handkes Sommerdialog „Die schönen Tage von Aranjuez“, ein Bühnenstück von 2012 . Der Film wird zum Schöpfungsakt, während dem man zusieht und -hört, wie Literatur entsteht, wie etwas Gestalt annimmt, also auch Film wird.

Der Mann und die Frau reden, umkreisen sich in einem Tanz mit Worten. Oft scheint der Inhalt unwichtiger als der Akt des Sprechens selbst. Da sitzen die beiden die überwiegende Zeit des Films an einem Gartentisch und reden miteinander. Miteinander? Bei Handke geht es eher ums Grundsätzliche, um Sehnsucht, Begehren, die Liebe, durch die man eine Zeit lang göttlich ist. Immer wenn es aufdringlich poetisch wird, bricht Wenders die Situation mit Raffinesse, oft auch mit sanfter Ironie. Das regt die Fantasie des Zuschauers an. Und so gerät er ganz wunderbar in die Fänge von Wim Wenders, der selten in einem Film offener, spielerischer und entspannter war.

„Die schönen Tage von Aranjuez“

mit Sophie Semin, Jens Harzer

Regie: Wim Wenders

Laufzeit: 146 Minuten

Sehenswert

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie das Stück mochten.

Horst Peter Kroll

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