"Der Bergdoktor"

Schulhefte und Drehbücher: Ronja Forcher wuchs vor der Kamera auf

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ZDF-Serie "Der Bergdoktor": Ronja Forcher und Hans Sigl.

Wien - Vom Kinderstar zur Jung-Schauspielerin: Seit 15 Jahren steht Ronja Forcher vor der Fernsehkamera. Die 20-Jährige hat Texte gelernt, noch ehe sie lesen konnte.

Regelmäßig mehr als sieben Millionen Menschen schalten den Fernseher ein, wenn donnerstags im ZDF „Der Bergdoktor“ seine Praxis öffnet. Von Anfang an mit dabei: Ronja Forcher. Die österreichische Schauspielerin hält in der Rolle der Lilli Gruber ihre TV-Familie auf Trab. Ob Zoff mit den Vätern, erste Liebe oder Abiturprüfung: Lilli ist vor den Augen des Publikums erwachsen geworden - und mit ihr Ronja Forcher. Für die 20-Jährige eine ganz normale Situation, wie sie der Deutschen Presse-Agentur sagt. Sie steht seit 15 Jahren vor der Kamera und kennt es nicht anders.

Für die Tochter des Schauspielers Reinhard Forcher lag der Schritt in die Welt des Films: „Es war etwas ganz Natürliches für mich, unter dem Tisch zu sitzen und dem Papa zu lauschen, wie er seinen Text lernt“, sagt sie beim Interview in einem Café in Wien. Herzlich und unkompliziert, im charmanten Tiroler Dialekt, erzählt sie von ihrer Kindheit vor der Fernsehkamera.

Mit fünf Jahren bekam die Innsbruckerin ihre erste Rolle am Tiroler Landestheater, war bald darauf in „Die Geierwally“, „Für immer Afrika“, „Das Traumhotel“ und anderen Fernsehfilmen sehen. Da spielte sie an der Seite von etablierten TV-Stars wie Christine Neubauer, Christian Kohlund, Siegfried Rauch und Witta Pohl.

Im Trubel des Cafés fällt die Schauspielerin nicht auf, sie bestellt Cappucchino. „Für die Fans bin ich Lilli“, sagt sie. Das sei auch in Ordnung - und manchmal lustig. Immer wieder passiere es, dass Leute sie tatsächlich für Lilli halten und sich wundern, warum sie in Innsbruck und nicht am Wilden Kaiser unterwegs sei. Mittlerweile vergeht kein Tag, an dem sie nicht Leute ansprechen. „Manchmal denkt man sich: Ich beneide keinen Hollywood-Star.“ Auch in den Sozialen Medien sind die Fans treu. „Ich finde das einfach rührend. Kaum postet man etwas bei Facebook, hat man schon 15 Kommentare.“

Seit zehn Jahren gehört Ronja Forcher zum Hauptcast des ZDF-„Bergdoktor“. Etwa 30 Drehtage pro Jahr, einen großen Teil davon während der Schulzeit. Sie habe oft den Unterricht verpasst, erzählt Forcher. An den Wochenenden stand statt Freizeit mit den Freunden dann Büffeln mit dem Privatlehrer auf dem Programm. Neidisch seien die Schulfreunde nicht gewesen. Ab und an hätten sie als Komparsen beim „Bergdoktor“ mit vor der Kamera stehen dürfen. „Und dann haben wir die Klassenkasse aufgefüllt und einen coolen Ausflug gemacht.“

Als vor zwei Jahren das Abitur bevorstand, bat die Schauspielerin die Produktionsfirma, die Rolle der Lilli für eine Staffel etwas zu verkleinern, so dass mehr Zeit für die Schule blieb. Lilli reiste also nach Neuseeland, und Ronja schrieb ihre Abschlussprüfungen. Anschließend besuchte sie eine Schauspielschule in Wien, durfte wegen ihrer langjährigen Berufserfahrungen die ersten beiden Lehrjahre überspringen.

Seit die Schule vorbei ist, hat die Schauspielerin mehr Zeit für andere Projekte neben dem „Bergdoktor“. Ihre Leidenschaft? Das Theater. Mit Studienfreundinnen hat sie das Frauen-Theaterensemble Alice gegründet. In Wien stand die Gruppe mit ihrem zweiten selbst geschriebenen Stück, „Willkommen in Jenseits“, auf der Bühne, im Mai folgen Vorstellungen in Tirol. „Da kommen sicher auch wieder viele Bergdoktor-Fans.“

Am Donnerstag (20.15 Uhr) läuft die nächste Folge der zehnten Staffel. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. „Die elfte Staffel machen wir fix“, sagt Forcher. Sie selbst guckt sich die Folgen mit ihrem Freund und dessen Familie an. Sie machten sich da einen Spaß draus. Früher habe sie den „Bergdoktor“ gar nicht geschaut. „Da habe ich lieber „Germany's Next Topmodel“ gesehen.“

"Kein Neid": Ronja Forcher im Interview

Du hast schon als Kind geschauspielert. Was haben deine Freunde dazu gesagt?

Ich habe schon mit fünf Jahren zu drehen begonnen und spiele nun seit zehn Jahren in derselben Serie - das ist sicher eine eigenartige Situation. In der sind nicht viele. Zuhause und in der Schule haben es die Leute aber nicht anders gekannt. Ich war immer die Schauspielerin. Deswegen hat es nie Neid gegeben. Ich habe auch versucht, meine Freunde oft mitzunehmen. Meine Schulfreunde haben dann in der Serie als Komparsen meine Schulfreunde gespielt. Aber es ist schon so - gerade wenn man in der Pubertät ist, und die Freunde gehen auf Klassenfahrt und man kann nicht dabei sein, weil man arbeitet - dass ich mir gedacht habe: Jetzt wäre ich eigentlich lieber normal.

Aber man erlebt auch viel, ist das ein guter Ausgleich?

Ja. Ich war in der Dominikanischen Republik oder in Afrika und habe dort Filme drehen dürfen. Habe dort monatelang sein dürfen, das ist natürlich der Wahnsinn.

Lagen die Drehtage meist in den Sommerferien?

Nein, also ich muss sagen: Ohne meine Schule wäre das alles nicht gegangen. Die Schule war sehr rücksichtsvoll. Ich habe viele Tage verpasst, und am Wochenende habe ich Privatunterricht bekommen und habe nachlernen müssen. Das war wieder so eine Situation: Meine Freunde machen etwas miteinander, und ich sitze zu Hause lerne Latein, Mathe, Englisch. Gerade in jungen Jahren war das nicht so cool.

Würdest du alles wieder so machen?

Auf jeden Fall. Das hat mir so viel gegeben. Die Erfahrungen, die Leute am Set. Das sind so tolle Menschen, da haben wir so viel Spaß. Das das würde ich auf jeden Fall wieder machen. Das war es alles wert, auch wenn ich viel verpasst habe. Im Nachhinein denke ich mir - und wofür ich sehr dankbar bin - ich habe die Möglichkeit gehabt, sehr viele Leben zu führen in der kurzen Zeit.

Wie ist das, wenn man auf der Straße erkannt wird?

Manchmal denke ich schon: Ich muss aufpassen, wie ich mich gebe. Das ist mir gerade in letzter Zeit aufgefallen. Früher war mir das egal wie ich ausschaue, ich bin ungeschminkt in den Supermarkt. In den letzten zwei Jahren aber werde ich so häufig erkannt, dass es mir plötzlich nicht mehr egal ist. Dann denke ich mir: Ich kann jetzt nicht in Jogginghose rausgehen oder nicht die Schlappen anziehen, wenn ich zum Auto gehe. Da hat sich glaube ich schon etwas verändert.

Es scheint ein Phänomen zu sein, dass Leute den „Bergdoktor“ schauen, es aber nicht zugeben.

Ich glaube, wir haben den „Bergdoktor“ erst abstauben müssen. Das hat doch viele Jahre gedauert. Der „Bergdoktor“ war in seiner früheren Auflage eben sehr traditionell und wir haben zeigen müssen, dass Heimatfilm und Heimatfernsehen mehr bedeutet als Glück in den Alpen. Es ist, glaube ich, wirklich ein Phänomen. Wir sind eine der erfolgreichsten Serien zurzeit im deutschen Fernsehen, und die Quoten steigen weiter. Es ist total rührend, Teil davon zu sein, und da bin ich gleich noch dankbarer für die Chance.

Ute Wessels, dpa

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