Moderator macht weiter "Verstehen Sie Spaß?"

"Wenn jemand zu Tode gekommen ist, hört der Spaß auf" - Guido Cantz im Interview

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Bleibt „Verstehen Sie Spaß“ noch zwei weitere Jahre als Moderator erhalten: Guido Cantz.

Kassel. Guido Cantz veräppelt beruflich gerne bei der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“. Wir sprachen mit dem Moderator über die Show, was er vor jedem Auftritt in die Ecke pfeffert und für welchen Verein er Profi-Spieler wäre.

Herr Cantz, welcher Fall bei „Verstehen Sie Spaß?“ ist mal so richtig in die Hose gegangen? 

Guido Cantz: Schiefgegangen ist bis jetzt - toi toi toi - noch nichts Großartiges. Spektakulär war, als wir Bülent Ceylan während seines Auftritts reingelegt hatten. Das war logistisch sehr aufwendig, weil sowohl er als auch wir live unterwegs waren. Da musste das Timing passen. Was mir aber am meisten Spaß macht, ist mich mithilfe eines Maskenbildners in andere Leute zu verwandeln.

In welche Rollen schlüpfen Sie dann? 

Cantz: Demnächst darf ich zum Beispiel zu Doc Brown werden, dem Professor aus „Zurück in die Zukunft“. Da sitzt man Minimum vier Stunden in der Maske und hinterher noch mal eine, um sie wieder abzubekommen. Es ist natürlich toll, dass man sich als erwachsener Mann verkleiden und ein bisschen Kind bleiben kann. Das findet mein siebenjähriger Sohn auch super.

Legen Sie auch gerne mal Ihre Frau rein? 

Cantz: Ich habe mit meiner Frau eine Abmachung getroffen, als ich „Verstehen Sie Spaß?“ übernommen habe. Wir haben uns gegenseitig versprochen, dass wir uns nicht reinlegen.

Sie sind von Beruf Humorist. Gibt es Themen, wo der Spaß aufhört? 

Cantz: Aktuell so ein Beispiel wie das Attentat in Las Vegas, da schickt es sich nicht an Witze zu machen. Man kann mal schwarzen Humor auf die Bühne bringen und böse sein. Aber wenn jemand zu Tode gekommen ist, hört der Spaß auf.

Sie sind aktuell auch auf Tour mit dem passenden Motto „Blondiläum: 25 Jahre Best Of Guido Cantz“. Ist Ihre Haarfarbe denn echt?

Cantz: Nein, das Blond ist natürlich nicht echt, ich renne alle vier Wochen zum Friseur. Das hat 1997 mit einer Wette angefangen. Früher war ich von Haus aus rotblond, so wie Boris Becker.

Sie sind jetzt seit mehr als 25 Jahren auf der Bühne. Was ging Ihnen bei Ihrem ersten Auftritt durch den Kopf? 

Cantz: Da war ich bestimmt nicht so entspannt wie heute. Beim ersten großen Auftritt 1991 in Aachen waren es direkt 1000 Zuschauer. Ich habe dort Rudi Carrell, Boris Becker und Willy Brandt nachgemacht - das hat sehr gut funktioniert. Natürlich habe ich auch viele Niederlagen eingesteckt, das gehört mit dazu.

Gibt es so etwas wie ein Glücksritual vor jeder Show? 

Cantz: Ja, es muss immer ein blaues Pfefferminz-Bonbon sein, welches ich im Mund habe und das vor dem Auftritt in irgendeine Ecke fliegt. Mir ist das immer ein bisschen peinlich, aber diejenigen, die schon länger um mich herum sind, wissen das.

Wo sehen Sie sich in 25 Jahren? 

Cantz: Da es mir immer noch richtig Spaß macht, kann ich mir vorstellen, das noch ein paar Jahre zu machen. Ob auch noch mit Anfang 70, würde ich jetzt infrage stellen. Aber man kann natürlich in jedem Alter andere Themen bespaßen. Wenn ich 70 bin, dann habe ich vielleicht eine künstliche Hüfte, dann kann man darüber Gags machen.

Haben sich die Anforderungen an jetzige Komiker-Generationen geändert im Vergleich zu Ihren Anfangsjahren? 

Cantz: Es ist heute absolut okay, wenn man sagt: „Ich möchte nach dem Abitur Comedy machen.“ Das gab es damals noch gar nicht, auch nicht so viele Comedy-Klubs. Heute können sich junge Leute auf offenen Bühnen kurz zehn Minuten ausprobieren um festzustellen: „Das ist was für mich oder nicht.“ Es gibt mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Konkurrenz.

Gab es jemals einen Plan B für das Berufsleben? 

Cantz: Ich habe eigentlich nie richtig gearbeitet, sondern nur mein Hobby ausgeübt (lacht). Ich habe mal sechs Semester BWL studiert und bravourös abgebrochen. Habe danach eine kaufmännische Medienschulung in Köln besucht, einfach um einen Abschluss zu haben. Aber das Ziel war immer, auf die Bühne zu gehen.

Ich hätte ja gedacht, Sie nennen Fußball als Plan B… 

Cantz: Das hätte ich natürlich sehr gerne gemacht. Als Profi-Spieler würde ich beim VfB Stuttgart spielen, weil das mein Lieblingsverein ist (obwohl ich Kölner bin). Ich spiele seit 40 Jahren im Verein, und das ist immer noch eine Riesenleidenschaft von mir. Wenn ich einen Ball sehe, kann ich nicht anders und es juckt mir in den Füßen.

Sie stehen auch regelmäßig für die Lotto-Elf Rheinland-Pfalz für einen guten Zweck auf dem Platz. Wen unterstützen Sie damit?

Cantz: Das Geld geht an regionale Projekte in Rheinland-Pfalz. Eines der schlimmsten Schicksale, die ich kennengelernt habe, war ein Kind, das in einem Laufstall eine Flügelschraube abgedreht und verschluckt hatte. Weil es lange ohne Sauerstoffversorgung im Gehirn war, wurde es schwerstbehindert. Für so ein Kind haben wir zum Beispiel Fußball gespielt. Hinterher sind dann etwa 15.000 Euro zusammengekommen. Das ist das Bewundernswerte an der Lotto-Elf: Man weiß direkt, wohin das Geld geht. Wenn man mit Fußball auch noch Leuten helfen kann, dann muss man mich nicht lange fragen.

Zur Person: Der Komiker und Moderator Guido Cantz (46) stammt aus Köln-Porz, wo er heute noch lebt. Seine Karriere begann mit Auftritten als „Mann für alle Fälle“ im Kölner Karneval. Durch Fernsehshows wie „Deal or no deal“ und „Genial daneben“ wurde er bundesweit bekannt. Seit April 2010 moderiert Cantz die Show „Verstehen Sie Spaß?“, bei der Personen mit versteckter Kamera reingelegt werden. Sein Vertrag bei der Sendung, die am Samstagabend um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist, wurde nun bis 2019 verlängert. Cantz ist verheiratet und hat einen Sohn.

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