„Sex and the City 2“: Dokument des Scheiterns

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Eine der wenigen wirklich lustigen Szenen, denen man gerne zusieht: Miranda (Cynthia Nixon), Carrie (Sarah Jessica Parker), Samantha (Kim Cattrall) und Charlotte (Kristin Davis, v.li.) singen Karaoke.

Solche Filme gab es immer schon – für Männer: Ein paar Herren wehren sich standhaft gegen das Dasein als Erwachsene, indem sie sich generell spätpubertär verhalten. Der Trailer zu „Sex and the City 2“:

„Sex and the City“ hat dieses Modell sozusagen einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Hier sind es die Mädels, die abhängen, über Sex witzeln und nicht ganz altersgerecht auftreten – eine Art „Eis am Stiel“ für Frauen, und Millionen von ihnen hatten daran ihren Spaß.

Aber nach mittlerweile zwölf Jahren und dem nunmehr zweiten Spielfilm sind die Protagonistinnen endgültig in einem Alter, wo sich das Gebaren eindeutig in Richtung Nonsens bewegt. Als durchgeknallte Komödie über lernresistente Anarchistinnen hätte das eine sehr unterhaltsame Angelegenheit werden können. Tatsächlich sind die opulent inszenierten, sinnfreien Show-Einlagen die amüsantesten des Films. Wenn Liza Minnelli tanzt, die vier Damen in karnevalesker Aufmachung durch die Wüste staken oder mit einer Karaoke-Show einen Club aufmischen, ist das großartiger Unsinn, dem man selbst als Mann gerne zusieht.

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Aber Carrie und ihre drei Spießgesellinnen werden verdammt, mehr zu sein: Vorbilder, Botschafterinnen einer neuen Zeit. Und damit beginnt der Film nicht nur langweilig zu werden, sondern auch fragwürdig. Denn wenn man schon ein Thema wie die Selbstbestimmung der Frau im 21. Jahrhundert angeht, sollte mehr herauskommen als abgehangenes „Cosmopolitan“-Geschwafel. Statt halbwegs ernsthaft zu behandeln, wie es kommt, dass Frauen den Druck spüren, Beruf, Familie und Beziehung allein zu meistern, wird so getan, als wären Frauen, die das nicht hinbekommen, selbst schuld. Das ist aber eine erzreaktionäre These, zumal zynisch traditionelle Muster als Ausweg angeboten werden: Mit einem reichen Mann kann man die Illusion der Selbstbestimmung aufrechterhalten.

Nur einmal wird dies selbstironisch reflektiert, als die beiden Frauen, die Kinder haben, betrunken ihr Leid klagen und sich wundern, wie das all jene Frauen bewältigen, die keine Nanny haben.

Meist wird aber verwegen so getan, als hätte der Film wirklich etwas zu sagen. Denn das Viermäderlhaus verwirklicht sich dieses Mal im Nahen Osten – und stößt dort den Aufstand der Frauen an. Ein nett gemeinter Ansatz, aber in seiner Ignoranz bemerkenswert dämlich. Denn Frauen, die tatsächlich bevormundet werden, haben andere Sorgen als neurotische Wohlstandszicken.

Im Grunde ist dieser Film das Dokument des Scheiterns einer Generation, unabhängig vom Geschlecht. Alle Figuren haben sich in den Konsum verrannt, in faule Kompromisse und die ewige Flucht vor der Verantwortung. Man hat den Verdacht, dass es die jungen Frauen heute nur besser machen können.

Zoran Gojic

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