Kritik gegen Jury-Votum

Sido verteidigt null Punkte für Conchita Wurst

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Sido war Teil der fünfköpfigen ESC-Jury in Deutschland.

München - Während die deutschen TV-Zuschauer einstimmig für Conchita Wurst votierten, war die Jury anderer Meinung, wofür es mächtig Kritik gab. Sido hat seine Sicht nun verteidigt.

Null Punkte für Eurovision-Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst aus Österreich - so hat es zumindest Sido aus der vom NDR ausgewählten deutschen Fach-Jury gesehen. Der Rapper wehrt sich nun gegen den Vorwurf der mangelnden Toleranz.

"Mein Job in dieser Jury war es zu beurteilen, was ich da höre und sehe. Nichts Anderes habe ich getan", schrieb der 33-Jährige auf seiner Facebook-Seite. "Weil ich ein toleranter Mensch bin, habe ich auch jedem Kandidaten die selbe Chance gegeben, mich zu überzeugen - unabhängig von seiner Nationalität, seiner Religion oder seiner sexuellen Gesinnung. Spielt ja auch alles keine Rolle, hier ging es um die Musik, die Komposition, die Stimme, die Performance." Und in dieser Hinsicht sei die Wertung "reine Geschmacksache" gewesen.

Auch Sidos Jury-Kollegen haben Wurst nicht auf Platz eins gesehen. Wäre es allein nach der Fachrunde um Paul Würdig (so heißt Sido mit bürgerlichem Namen), Jennifer Weist, Madeline Juno, Konrad Sommermeyer und Andreas Bourani gegangen, wäre Österreich nur Elfter geworden - woraufhin dem Quintett im Internet pure Ahnungslosigkeit und fehlende Toleranz vorgeworfen wurde. Neben Sido gab auch Jennifer Weist ("Jennifer Rostock") der 25 Jahre alten Siegerin keine Punkte. Das Publikum hatte in seiner Abstimmung am späten Samstagabend hingegen Wurst zur Siegerin gekürt.

Unterdessen haben auch die deutschen ESC-Verantwortlichen für Respekt vor dem deutschen Jury-Votum Contest geworben. "Wenn der Sieg von Conchita Wurst als ein Zeichen der Toleranz in Europa betrachtet wird, ist es eine Selbstverständlichkeit, dem Urteil der "music industry professionals" dieselbe Toleranz entgegenzubringen", erklärte Thomas Schreiber, ESC-Teamchef und ARD-Unterhaltungschef.

Die Eurovision-Song-Contest-Gewinner seit 2002

Eurovision Song Contest
2002: Marija Naumova aus Lettland mit dem Song "I wanna" © picture-alliance / dpa/dpaweb
Eurovision Song Contest
2003: Sertab Erener aus der Türkei mit "Everyway that I can" © picture-alliance / dpa/dpaweb
Eurovision Song Contest
2004: Ruslana aus der Ukraine mit dem Song "Wild dances" © picture-alliance/ dpa/dpaweb
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2005: Helena Paparizou aus Griechenland mit dem Song "My number one" © picture-alliance/ dpa/dpaweb
Eurovision Song Contest
2006: Lordi aus Finnland mit dem Song "Hard Rock Hallelujah" © picture-alliance/ dpa
Eurovision Song Contest
2007: Marija Serifovic aus Serbien mit dem Song "Molitva" © picture-alliance/ dpa
Eurovision Song Contest
2008: Dima Bilan aus Russland mit dem Song "Believe" © picture-alliance/ dpa
Eurovision Song Contest
2009: Alexander Rybak aus Norwegen mit dem Song "Fairytale" © picture-alliance/ dpa
Eurovision Song Contest
2010: Lena Meyer-Landrut aus Deutschland mit dem Song "Satellite" © picture alliance / dpa
Eurovision Song Contest
2011: Ell & Nikki aus Aserbaidschan mit dem Song "Running Scared" © picture alliance / dpa
Eurovision Song Contest
2012: Loreen aus Schweden mit dem Song "Euphoria" © picture alliance / dpa
Eurovision Song Contest
2013: Emmelie de Forest aus Dänemark mit dem Song "Only Teardrops" © picture alliance / dpa
Eurovision Song Contest
2014: Conchita Wurst aus Österreich mit dem Song "Rise Like a Phoenix" © dpa

Eine Drohung bei Facebook gegen die ESC-Gewinnerin sei ebenso wenig hinzunehmen wie das unflätige Beschimpfen der deutschen Jurymitglieder für ihre Wahl, betonte Schreiber. „Alle Jurymitglieder sind, unabhängig vom Lebensalter, Größen in der deutschen Popmusik und können erwarten, für ihr Urteil mit einem Mindestmaß an Respekt und Anstand behandelt zu werden.“

mg/dpa

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