"Skyfall": So gut ist der neue Bond-Film

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In Skyfall ist Raoul Silva (Javier Bardem) der Gegenspieler von James Bond (Daniel Craig).

Berlin - Schnelle Autos, schöne Frauen, geschüttelter Martini, ein schauerlicher Bösewicht und exotische Schauplätze - „Skyfall“ hat sämtliche Zutaten eines klassischen Bond-Films. Und dennoch ist dieses Mal alles ein bisschen anders.

Update vom 1. April 2015: Der neue James-Bond-Film soll am 5. November 2015 in die deutschen Kinos kommen. Kürzlich haben die Macher einen ersten Teaser veröffentlicht. Das offizielle Video wurde innerhalb von drei Tagen knapp sechs Millionen Mal geklickt. Wir haben zusammengefasst, was wir nach dem ersten Trailer zur "Spectre" über den neuen Bond-Film wissen.

Dieses Mal ist es ein bisschen anders. Der turbulente Einsatz, mit dem jeder „Bond“-Film traditionell beginnt, geht in „Skyfall“ furchtbar schief. Bond selbst sieht zudem ziemlich kaputt aus und hat nicht mehr viel mit dem eleganten Typen gemein, der nach einer wilden Prügelei das Sakko glatt streicht und in der nächsten Bar eine Frau klar macht.

Nein, Daniel Craig hat in seinem dritten Auftritt als 007 die undankbare Aufgabe, den Geheimagenten Ihrer Majestät – an sich eine Comicfigur und Projektionsfläche für adoleszente Allmachtsfantastereien – noch tiefer in der Realität zu verankern. Also sieht man Narben, erfährt von einem soliden Alkoholproblem und begleitet Bond sogar zum Psychiater. Schuld ist letztlich Mutti im übertragenen Sinn, also M, Bonds Chefin. Sigmund Freud hätte ohne Frage seine Freude an diesem Film, der die Bestandteile des Bond-Universums clever und schlüssig zu einer befreienden Katharsis zusammenfügt – und damit eine Wiedergeburt des Helden ermöglicht. Das klingt kryptisch, aber im Sinne der neugierigen Fans darf man kaum über den Film mehr verraten, um den Spaß nicht zu verderben.

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Dem oscarprämierten Regisseur Sam Mendes („American Beauty“), bislang für gepflegtes Kammerspiel bekannt, gelingt der erstaunliche Balanceakt, den Mythos Bond neu zu erfinden und gleichzeitig alles zu belassen, wie es war: Der so schlichte wie geniale Kniff besteht darin, die Vorzeichen zu verkehren. War Bond dank technischer Gimmicks den bösen Buben immer einen Schritt voraus, ist er im Jahr 2012 dem Schurken hoffnungslos unterlegen, der mit Hilfe digitaler Datenströme buchstäblich die ganze Welt kontrollieren kann. Javier Bardem gibt mit jovialer Grandezza den besten und furchterregendsten Gegenspieler seit Gert Fröbe in „Goldfinger“. So sind die mal ironischen, mal todernsten Wortgefechte zwischen Bond und dem Bösewicht die eigentlichen Höhepunkte des Films. Regisseur Sam Mendes nutzt zudem das popkulturelle Gedächtnis des Publikums, um dem Duell eine zusätzliche Brisanz zu verleihen. Wenn etwa Bardem ganz allein in einem Glaskäfig gefangen gehalten wird, ähnlich wie einst Anthony Hopkins in „Das Schweigen der Lämmer“, ahnt jeder, dass der Kampf noch lange nicht ausgestanden ist. Bardem wird entkommen – mit der richtigen Software. Bonds Antwort auf so viel Hightech: Lowtech. Er kann seinen Kontrahenten in der Gegenwart nicht bezwingen, also lockt er ihn, bildlich gesprochen, in die Vergangenheit. In den schottischen Hochmooren, Bonds Heimat, helfen Computer nicht viel. Da steht Mann gegen Mann.

Passend dazu holt 007 den legendären Aston Martin DB5 aus der Garage, mit dem einst Sean Connery durch „Goldfinger“ (1964) strawanzte. Es gibt dafür einen guten Grund: Das moderne Dienstauto kann man mit GPS orten, der gute alte Aston ist in einer gläsernen Welt unsichtbar. Eine geschickte Art, den Mythos Bond im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen. Wie nebenbei werden weitere alte Bond-Accessoires reaktiviert, mit der gebotenen Lässigkeit allerdings, die gut zu dem Bond passt, wie Craig ihn spielt.

„Skyfall“ ist ein hervorragender Bond geworden. Da sieht man 007 sogar nach, dass er aus Werbegründen an einem holländischen Gesöff nuckeln muss, die zu Unrecht unter der Bezeichnung „Bier“ vertrieben wird. Und mit den Bondgirls hat Craig wirklich kein Glück. Zum dritten Mal völlig nichtssagend. Außer Moneypenny, aber die zählt nicht, weil Bond ja da nicht punkten darf.

Zoran Gojic

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