Ohne Geld bist du nichts

„Squid Game“ auf Netflix: Kinderspiele um Reichtum und Tod

Sang-woo (Park Hae-soo, links) und Gi-hun (Lee Jung-jae) und weitere Teilnehmer in einer Reihe
+
Sang-woo (Park Hae-soo, links) und Gi-hun (Lee Jung-jae) sind alte Freunde und treffen sich bei den blutigen Spielen wieder.

Die neue Netflix-Serie „Squid Game“ nimmt die Zuschauer mit auf einen brutalen Trip nach Südkorea. Für die Teilnehmer eines dubiosen Spiels gibt es dort viel zu gewinnen - aber noch mehr zu verlieren.

Südkorea, ein Land im Zeichen des Fortschritts, der endlosen Möglichkeiten der Digitalisierung – und ein Land mit erdrückender Armut. Das oscarprämierte Meisterwerk „Parasite“ (Regie: Bong Joon-ho, 2019) hat diese uns Mitteleuropäern recht fremden Missstände nahezu entgegen geschmettert.

In Serienform gibt es zu dieser Thematik nun „Squid Game“ (2021) auf Netflix, bei der Hwang Dong-hyuk Drehbuch und Regie übernahm und das Konzept der Serie entwarf. Diese Geschlossenheit in der Entstehung ist eine der großen Stärken der Serie – alles ist durchdacht und harmonisch.

„Squid Game“ lebt von einem Setting, das es nie zuvor gegeben hat: 456 horrend verschuldete Koreaner werden auf eine Insel verschleppt, um dort um eine riesige Summe Geld zu spielen. 45,6 Milliarden Won, umgerechnet 33 Millionen Euro, kann der Gewinner absahnen.

„Squid Game“ auf Netflix: Kinderspiele um Reichtum und Tod

Das klingt für alle Teilnehmer trotz der dubiosen Entführung sehr verlockend, als sie zum ersten Spiel – rotes Licht, grünes Licht – antreten. Viel zu verlieren haben sie alle nicht, denn ohne Geld scheint ihre Existenz sinnlos. Manche wollen Schulden bei Verbrechern begleichen, andere ihren Familien ein besseres Leben bieten. Fürs Ego macht es natürlich niemand.

Rotes Licht, grünes Licht: Wenn die Puppe sich herumdreht, müssen alle Spieler still stehen bleiben. Wer sich bewegt, zahlt mit dem Leben.

Die Regeln des ersten Spiels sind simpel: Wenn sich eine übergroße Spielfigur von den durchnummerierten Spielern wegdreht, können diese versuchen, auf die andere Seite eines Spielfelds zu gelangen. Dreht sie sich um, müssen alle mucksmäuschenstill stehen bleiben. Wer sich bewegt, ist „disqualifiziert“. Während andere noch Späße machen, ahnen Gi-hun (Lee Jung-jae, Nummer 456) und Sang-woo (Park Hae-soo, Nummer 218) – zwei alte Schulfreunde, die sich bei dem Spiel wieder treffen –, dass hier etwas nicht stimmt.

Die Spieler rennen los, die Puppe dreht sich und natürlich stoppen nicht alle rechtzeitig. Knall – „disqualifiziert“ bedeutet tot. Panik bricht aus, kopflos wollen viele das Feld verlassen, doch alle zahlen den Regelverstoß mit ihrem Leben. Die Gesichter der Spieler, wie sie anfangen zu begreifen, geht unter die Haut. Verzweiflung in 4D.

Fünf weitere packende Spielrunden in Anlehnung an koreanische Kinderspiele erstrecken sich über die neun Folgen von „Squid Game“, jede mit dem Ziel, die Menge der Wettstreiter auszudünnen. Dafür sorgen auch die geldgetriebenen Menschen selbst, jeder kämpft für sich.

Squid Game: Macher der Netflix-Serie noch unsicher über weitere Staffel

Als Zuschauer gönnt man den Triumph irgendwie niemandem, aber hofft zumindest, dass irgendwer es überlebt, damit das Drama doch nicht ganz umsonst gewesen ist. Die Serie wird beim Erzählen nie kitschig und zeichnet keinen der Charaktere als reinen Stereotyp. Das hält die Spannung hoch und macht jede Entscheidung der Spieler unvorhersehbar. Wetten möchte man darauf nicht. Dass es reiche Menschen in der Serie trotzdem tun, macht das Szenario noch düsterer, als es schon ist.

Hwang Dong-hyuk verbindet in „Squid Game“ das absurde Spielshow-Format mit einer intelligenten Handlung und unzensierter Brutalität zu einer Sozialkritik, die sich gewaschen hat. Ob er dieses geniale Werk auch in einer zweiten Staffel fortsetzt, wollte der Regisseur noch nicht versprechen. (William Abu El-Qumssan)

Telefonterror bei Südkoreanerin

In der Netflix-Serie melden sich die Teilnehmer telefonisch für das Spiel an. Dabei haben die Drehbuchautoren allerdings nicht geprüft, ob die eingeblendete Nummer auch in Wirklichkeit existiert. Weil die tatsächlich zu einem Privatanschluss führte, bekam eine Frau in Asien unzählige Anrufe von Menschen, die sich für das fiktive Spiel anmelden wollten. Die Szenen sollen nun nachbearbeitet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.