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Geheimnisvoller Held: „Star Wars“-Serie „Andor“ auf Disney+

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Von: Bettina Fraschke

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Einsamer Kämpfer: Cassian Andor (Diego Luna).
Einsamer Kämpfer: Cassian Andor (Diego Luna) in der Disney+-Serie „Andor“. © Lucasfilm

Die neue Serie „Andor“ aus der „Star Wars“-Welt knüpft an den Kinofilm „Rogue One“ an, der 2016 auch bei kritischsten Fans punkten konnte. Dessen Held Cassian Andor (Diego Luna) erhält nun nach einer Idee von Tony Gilroy seine eigene Serienstory.

Die Arbeiterklasse des Sternenkrieger-Universums stand zwischen all den Jedirittern und Prinzessinnen noch nie im Mittelpunkt der Erfolgssaga. Mit „Andor“ zoomt Disney nun in den Maschinenraum von „Star Wars“. Es muss zwar grundsätzlich kritisch gesehen werden, dass der Disney-Konzern seinen wertvollsten Content immer weiter ausformuliert und ausquetscht, um neues Fanfutter zu generieren. Nach extrem zähem Beginn entwickelt sich „Andor“ aber zu einer sehenswerten Serie unter dem rostroten Mond einer Industriewelt.

Cassian Andor wird schnell bewusst, dass er einen fatalen Fehler gemacht hat, als er in einem Bordell nach einer Frau vom Planeten Kenari gesucht hat – seiner Schwester. Eigentlich muss seine eigene Herkunft streng verheimlicht werden in dieser von einem Konzern dominierten Welt, in der die einst automatisch funktionierenden Türen längst von Hand aufgeschoben werden müssen und die Überwachung allumfassend ist.

Erzählerisch einer klassischen Spannungsdramaturgie folgend, wächst sich Andors Fehler, die Bordell-Bardame anzusprechen, zu einer gigantischen Angelegenheit aus. Bei der gibt es alsbald Tote, eine Verfolgungsjagd und den geheimnisvollen Geschäftspartner Luthen Rael, dessen langer Mantel ständig zu wehen scheint. Seine Aura ist ebenso anziehend, wie ehrfurchtgebietend – kein Wunder, wird er doch von Stellan Skarsgård gespielt. Geheimnisvoll ist Andor selbst allerdings auch – in einer ausgeklügelten Rückblendendramaturgie kristallisiert sich heraus, was für eine Tragödie sich auf seinem Heimatplaneten abgespielt haben mag, und unter welchen Umständen er in die Fremde katapultiert worden ist.

Vielschichtig wird auch ein Handlungsstrang etabliert, der um Syril Karn (Kyle Soller) als Konzern-Sicherheitsbeamter kreist. Scheinbar aus purem Machtwillen etabliert er eine SA-artige Wacheinheit, die die diktatorischen Züge des Konzerns grausig verschärft.

Wie immer bei „Star Wars“ legt „Andor“ viel Wert auf Filmsettings. Die Malocher-Umgebung mit ihrem Staub und gebrauchten Arbeitshandschuhen wird so fulminant inszeniert, dass es fast bedauerlich ist, diese Bilder nicht auf einer Kinoleinwand zu sehen. Das rostrote Farbkonzept wird bis in die optischen Details durchgestaltet. Und immer lauter dröhnt das Warnsignal der Rebellen, auf Eisenstangen geschlagen, durch die Arbeitersiedlung.

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